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Kretschmer: 'Berlin-Bashing' in Corona-Krise überzogen

·Lesedauer: 2 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat die Hauptstadt Berlin vor scharfer Kritik wegen ihres Vorgehens in der Corona-Krise in Schutz genommen. "Ich finde dieses Berlin-Bashing überzogen. Wer jetzt in der Corona-Krise auf andere zeigt, sollte sich klarmachen, dass schnell vier Finger zurück zeigen könnten", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". Zwar bezeichnete es Kretschmer als "schon befremdlich, wenn etwa der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain die Hilfe der Bundeswehr bei der Nachverfolgung von Infektionsketten ablehnt." Der Ministerpräsident fügte hinzu: "Aber wir sollten die Zeit jetzt nicht mit gegenseitigen Schuldzuweisungen verbringen."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte gesagt, einige Großstädte wie Berlin stünden kurz davor, die Kontrolle in der Corona-Krise zu verlieren. Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, sagte der dpa, gerade in Großstädten wie Berlin lasse die Disziplin erkennbar nach, und die Stadtpolitik mache erhebliche Fehler. "Der Berliner Senat scheint hier vollkommen neben der Spur zu sein."

Berlin versucht, mit strengeren Corona-Regeln der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken. Seit Samstag müssen hier Restaurants, Bars, Kneipen und die meisten Geschäfte von 23.00 bis 6.00 Uhr geschlossen sein. Bei privaten Zusammenkünften in geschlossenen Räumen dürfen nur noch höchstens zehn Menschen zusammenkommen. Im Freien dürfen sich von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr nur noch fünf Personen versammeln.

Kretschmer verteidigte grundsätzlich Verschärfungen von Corona-Regeln. "Wir brauchen jetzt gewisse Instrumente, um der Lage Herr zu werden. Wir wollen unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben weitgehend erhalten. Aber wir müssen uns auch gegenseitig schützen", sagte er der "Welt am Sonntag". "Es würde in dieser Lage keinen Sinn machen, wenn jetzt alle wild durcheinander durchs Land fahren", mahnte der CDU-Politiker. Sorgen bereite ihm, "wie leichtfertig sich vor allem junge Erwachsene in der Pandemie verhalten." An die junge Generation müsse man appellieren: "Haltet Abstand, tragt Masken, wascht Euch die Hände! Junge Leute feiern gern. Aber jetzt sind nicht volle Partys gefragt, sondern Vorsichtsmaßnahmen - und Kontrolle."