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„Deutschland, der kranke Mann Europas?": Habeck kontert Titel des „Economist“ mit einer Wette auf Deutschlands Comeback

Das weltweit angesehene Wirtschaftsmagazin „The Economist“ sah Deutschland wieder als „kranken Mann Europas". Jetzt widerspricht Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). - Copyright: Getty Images / Sean Gallup
Das weltweit angesehene Wirtschaftsmagazin „The Economist“ sah Deutschland wieder als „kranken Mann Europas". Jetzt widerspricht Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). - Copyright: Getty Images / Sean Gallup

Ist Deutschland wieder der kranke Mann Europas?“, fragte das Wirtschaftsmagazin „The Economist“ im August in einer Titelgeschichte. Die Antwort gab der „Economist“ auf dem Cover gleich mit: Es zeigt ein Ampelmännchen am Tropf. Die Titelgeschichte löst einige Häme, aber auch Debatten unter Ökonomen aus. Nun reagierte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) selbst.

In einem Beitrag im „Economist“ räumt er Probleme ein, verteidigt die deutsche Wirtschaft aber. Der Vizekanzler kündigt zudem neue Milliardeninvestitionen von Unternehmen in Deutschland, lehnt sich in der Debatte um Anreize, länger zu arbeiten, aus dem Fenster – und bietet dem "Economist" eine Wette auf Deutschlands Comeback an.

Das Bild vom „kranken Mann“ entspreche nicht der Realität, „und das Jammern löst nichts“, schreibt der Grünen-Politiker. „Ein genauerer Blick zeigt, dass die Wirtschaft nicht krank ist – nur etwas außer Form“. Habeck benennt Probleme wie „die Fähigkeit meines Landes, sich selbst mit Bürokratie zu belasten“. Er beschreibt ungelöste Aufgaben wie den Übergang zur Klimaneutralität, den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel. „Und als Exportnation trifft es uns besonders hart, wenn Lieferketten unterbrochen werden und das Wachstum in China nachlässt.“

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Deutschland habe aber große Stärken: Die starke mittelständische Wirtschaft mit zahlreichen „Hidden Champions“, den ebenso innovativen wie stillen Marktführern; eine breit aufgestellte Industrie, die Zusammenhalt der sozialen Marktwirtschaft und gesunde Staatsfinanzen, die dem Staat Möglichkeiten böten, bei Bedarf einzugreifen.

Habeck, der „Economist“ und der kranke Mann Europas

„Was sich mein Land aber erlaubte, war eine lange Phase der Selbstzufriedenheit", kritisiert Habeck. „Diese Lethargie und Blindheit führten dazu, dass unsere Politiker es versäumten, die notwendigen Veränderungen herbeizuführen“. Deutschland sei zu lange davon ausgegangen, „dass die Globalisierung weiterhin zu unserem Vorteil führen würde, und wir uns auf billiges russisches Gas verließen“. Dies war ein „Fehler, für den wir den Preis bezahlt haben“, schreibt Habeck.

„Aber wir haben die Probleme verstanden und sind wieder in Form gekommen“, findet der Vizekanzler. Der Winter habe gezeigt, „wozu Deutschland fähig ist, wenn alle an einem Strang ziehen“. Habeck führt hier das deutsche Wort „Deutschlandtempo“ in die englische Sprache ein. Den Erfolg beim schnellen Ersatz russischen Gases übertrage Deutschland auf den Ausbau erneuerbarer Energien und der Netze, der Wasserstoffwirtschaft und regelbarer Kraftwerke. „Die Strompreise in Deutschland werden in den kommenden Jahren erheblich sinken“, verspricht Habeck. Er sei sicher, „dass meine Regierung die Mittel und den Willen finden wird, während des Übergangs für wettbewerbsfähige Strompreise zu sorgen.“

Der Aufbruch trage bereits Früchte. Es gebe Vertrauen in die deutsche Wirtschaft, schreibt Habeck und kündigt an: Mehr als zwei Dutzend Unternehmen würden in Deutschland Großinvestitionen im Volumen von insgesamt über 80 Milliarden Euro planen. Diese Zahl enthalte dabei nur jene Investitionen, die einzeln mehr als 100 Millionen Euro betragen.

Die größten Volkswirtschaften der Welt. Aufsteiger China.
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„Wir haben eine Bürokratie aufgebaut, die zu einem Investitionshindernis geworden ist“, bemängelt Habeck. Aber: „Wir haben begonnen, uns Schritt für Schritt durch den Dschungel der Bundesgesetze zu kämpfen“. Bei der Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland gebe es Fortschritte. Aber Deutschland müsse auch das heimische Potenzial an Arbeitskräften mobilisieren. „Deshalb halte ich es für sinnvoll, mehr Anreize für ältere Arbeitnehmer zu schaffen, freiwillig im Beruf zu bleiben“, schreibt der Minister.

Habeck schließt mit einem Appell: „Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass einer unserer größten Wettbewerbsvorteile unsere politische Kultur ist.“ Und: „In einer Zeit, in der populistische Kräfte in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt an Boden gewinnen, ist es eine ständige Aufgabe, diesen Geist der Ausgeglichenheit aufrechtzuerhalten. Nur wenn Deutschland zusammenarbeitet, wird es die Kraft finden, seinen Wohlstand zu erneuern – und Sie können Ihren letzten Euro darauf wetten, dass es Deutschland gelingt.“

Den kompletten Beitrag von Robert Habeck im „Economist“ lest ihr hier.

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