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Kramp-Karrenbauer gibt Macron contra: Werden Nato und USA brauchen

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AUGSBURG/BERLIN (dpa-AFX) - Angesichts der Kritik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erneut ihre Auffassung bekräftigt, dass sich Europa absehbar nicht ohne die USA verteidigen kann. Die scheidende CDU-Chefin sagte am Mittwochabend bei der Veranstaltungsreihe "Augsburger Allgemeine Live", in weiten Teilen sei sie sich mit Macron zwar einig, nämlich dass die Europäer mehr tun müssten für ihre eigene Sicherheit und Verteidigung. Worum es am Ende aber gehe, sei die Frage: "Tun wir es, um ein besseres Verhältnis mit den USA zu haben? Oder tun wir es, um ohne die USA und ohne Nato zurecht zu kommen? Und ich bin der festen Überzeugung: Wir werden immer noch die Nato und gute amerikanische Verbündete brauchen."

Macrons Vision einer europäischen Armee teile sie ebenfalls. "Ob das am Ende eine europäische Armee ist oder eine Armee der Europäer, darüber kann man streiten. Aber dass wir gemeinsam als Europäer in den Einsatz gehen wollen und dass wir auch gemeinsam auch Verteidigungssysteme für die Zukunft entwickeln wollen, das ist völlig unbestritten."

Macron hatte am Montag Äußerungen Kramp-Karrenbauers als "Fehlinterpretation der Geschichte" kritisiert und sich für europäische Souveränität in Verteidigungsfragen ausgesprochen. Der Streit um mehr europäische Eigenständigkeit in Verteidigungsfragen ist eine Konsequenz aus der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, der unter anderem die Nato in Frage gestellt hat. Aber auch Macron hat dem transatlantischen Verteidigungsbündnis den "Hirntod" attestiert und wirbt seit längerem für stärkere Eigenständigkeit Europas. Frankreich ist nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU einzige Atommacht in der Europäischen Union.