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Kone lockt Thyssenkrupp mit Milliarden

Thyssenkrupps Konkurrent Kone will deren Aufzugsparte kaufen. Die Finnen locken mit einer milliardenschweren Vorabzahlung – doch der Preis allein ist nicht entscheidend. Zwei Hindernisse könnten die Pläne vereiteln.

Um die Aufzugsparte von Thyssenkrupp zu bekommen, bietet Kone offenbar eine Art Vorauszahlung. Foto: dpa

Wenn sich Finnen einmal etwas in den Kopf gesetzt haben, lassen sie nicht mehr locker. Darauf können Manager des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper so manches Klagelied anstimmen. Obwohl in Düsseldorf nicht willkommen, gab das staatliche Energieunternehmen Fortum mit Sitz im finnischen  Espoo solange keine Ruhe, bis es die Mehrheit an Uniper in der Tasche hatte. Nach mehreren Jahren war es schließlich erfolgreich.

Ähnlich hartnäckig verfolgt auch der finnische Aufzughersteller Kone sein Ziel, den deutschen Konkurrenten Thyssenkrupp Elevator zu übernehmen. Die Pläne existieren schon lange – allerdings ist Kone bisher nicht zum Zuge gekommen. Lange wollte sich Thyssenkrupp nicht von der lukrativen Sparte trennen. Und obwohl es nun soweit ist, sind die Finnen im aktuellen Bieterkampf noch weit vom Ziel entfernt.

Dabei könnte Kone-Chef Henrik Ehrnrooth mit der Übernahme einen Konkurrenten aus dem Markt nehmen, selbst an Größe gewinnen und so endlich an Otis, den globalen Marktführer aus den USA, heranrücken.


Um ans Ziel zu kommen, bietet Kone nun offenbar eine Art Vorauszahlung. Die könnten die Finnen bereits bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags zahlen, bei dessen Vollzug könnten sie dann mit dem Kaufpreis verrechnet werden. Ungewöhnlich ist dabei zum einen die Höhe der angebotenen Summe: Sie soll bei drei Milliarden Euro liegen, heißt es in Insiderkreisen. Den Wert der Thyssenkrupp-Sparte Elevator schätzen Experten auf bis zu 17 Milliarden Euro. Ungewöhnlich ist das Angebot zudem, weil die Verhandlungen über den Kauf noch am Anfang stehen.

Sorgen vor Kartellprüfung zerstreuen

Thyssenkrupp könnte mit der Vorabzahlung seine miserable finanzielle Lage bereits verbessern, bevor alle Bedingungen für den Vollzug des Kaufvertrags erfüllt sind. Angesichts von fünf Milliarden Euro Nettoschulden sind drei Milliarden Euro eine beachtliche Summe. Vor allem die Prüfung durch die Kartellbehörden könnte ein Jahr und länger dauern. Die Unsicherheit über den Ausgang des Verfahrens könnte aber auch die Zahlung nicht lindern. Das weiß der Konzern genau – schließlich hatten Kartellbehörden bereits die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel platzen lassen. Ebenfalls an der Sparte interessierte Finanzinvestoren haben das Kartellproblem nicht – und sind an dem Geschäft hoch interessiert. „Ein solches Ziel kommt nur alle paar Jahre auf den Markt“, sagt ein Kenner ihrer Pläne.

Im Falle eines Zuschlags für Kone dürften die Wettbewerbshüter vor allem das sowohl bei Thyssenkrupp und Kone starke Europa-Geschäft ins Visier nehmen. Einer daraus folgenden möglichen Zerschlagung des Aufzugsgeschäfts in Europa werden die Arbeitnehmervertreter jedoch nicht zustimmen. Denn dabei stünden tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die eigene Deutschland-Tochter stünde nicht auf der Streichliste, soll Kone-Chef Ehrnrooth in einem internen Schreiben versichert haben. Stellenstreichungen ausgerechnet in einem Geschäft, das gut läuft, wären den Arbeitnehmervertretern der Gewerkschaft IG Metall allerdings kaum vermittelbar.


Eine Zerschlagung des Aufzuggeschäfts machen die Gewerkschaften nicht mit

Deshalb könnten Finanzinvestoren bessere Chancen für den Zuschlag bei Arbeitnehmervertretern haben als das finnische Konkurrenzunternehmen. Sie hätten keinen Grund, gleich als erstes mit Stellenstreichungen um die Ecke zu kommen – zumal sie den von ihnen gezahlten  Kaufpreis nicht mit Synergien durch einen Zusammenschluss rechtfertigen müssen. Aktuell sind ein Konsortium aus den Investoren Blackstone, Carlyle und dem Canada Pension Plan Investment Board sowie ein zweites aus Advent, Cinven und der Abu Dhabi Investment Authority im Rennen. Kone soll sich neben dem Finanzinvestor CVC auch mit dem asiatischen Investor Hillhouse Capital zusammengetan haben. Die Mitbieter könnten diejenigen Teile des Geschäfts übernehmen, die nach einer Kartellprüfung abgegeben werden müssten.

Es bleibt spannend. Mit einer Entscheidung von Thyssenkrupp wird in wenigen Wochen gerechnet.