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Kommt jetzt ein zweiter ETF-Börsencrash? Das sollten Foolishe, passive Investoren bedenken!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Aktien
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ETFs sind für viele Investoren eine Wunderwaffe, wenn es um das Thema langfristiger Vermögensaufbau geht. Insbesondere mithilfe kostengünstiger Indexfonds kann fast jeder Investor, auch mit kleinem Einsatz, diversifiziert, risikoärmer, einfach und renditestark ein Vermögen aufbauen. Das dürfte inzwischen bekannt sein.

Je bekannter die ETFs jedoch werden, desto mehr steigt auch die Kritik an den kostengünstigen passiven Fonds. Auch jetzt ist erneut Thema gewesen, ob die Passivfonds möglicherweise Auslöser für einen zweiten Börsencrash werden könnten. Oder ob sich das Chance-Risiko-Verhältnis verschiebt.

Werfen wir in diesem Sinne einen Foolishen Blick auf mehrere Faktoren, die dabei relevant werden könnten. Sowie auch darauf, was Foolishe, passive Investoren grundsätzlich bei diesem Ansatz bedenken sollten.

ETFs & Börsencrash: Risiken im Blick

Genauer gesagt hat sich Anfang September ein sehr differenzierter Beitrag des ETF-Portals justetf mit der Frage beschäftigt, was an der Kritik an den Passivfonds dran ist. Lass uns im Folgenden daher die sieben Kritikpunkte zunächst in Kürze betrachten, ehe wir an die Auswertung gehen:

  • Finanzielle Massenvernichtungswaffe: Ein erster Kritikpunkt sei so beispielsweise, dass ETFs zu finanziellen Massenvernichtungswaffen werden können. Die passiven Investoren würden Chancen und Risiken unterschätzen, sowie auch die Bedeutung der Summe des Marktes.

  • Gefahr für das Finanzsystem: Zudem seien ETFs sogar eine Gefahr für das Finanzsystem. Durch die hohen Volumina seien die Passivfonds eine Gefahr für die Stabilität an den Börsen.

  • Passiv und träge: Des Weiteren würde durch ETFs vieles passiv und träge werden. Es werde quasi blind konsequent Kapital in die Börsen geschossen. Das führe teilweise dazu, dass milliardenschwere Investitionsentscheidungen automatisiert ablaufen.

  • ETFs und die Volatilität: Ein weiterer Kernkritikpunkt ist, dass ETFs außerdem die Volatilität fördern würden. Gerade in sowieso volatilen Zeiten führen hohe ETF-Volumina dazu, dass die Börsen stärker schwanken. Ein Effekt, der sowohl positiv, als auch negativ sein kann. Das Volumen wird jedoch teilweise kritisch gesehen.

  • Flash Crashs: Und in Ergänzung dazu könnten die Passivfonds für ein häufigeres Auftreten sogenannter Flash Crashs verantwortlich sein. Also für eine gestärkte Häufung starker, volatiler Korrekturzeitpunkte.

  • Eine Art Marxismus: Durch das Investieren in ETFs bekämen außerdem auch schlechte Unternehmen, beziehungsweise deren Aktien, weiteres Geld. Das führe dazu, dass auch Rohrkrepierer-Aktien sich von der Wirklichkeit entfernen.

  • Schlechte Performance: Und zu guter Letzt würden ETFs außerdem die Performance verschlechtern. Fakt ist jedenfalls, dass man mithilfe eines Indexfonds lediglich eine marktübliche Rendite generieren kann.

Sind ETFs wirklich so schlecht?

Wir als Foolishe Investoren können uns den Luxus erlauben, das Ganze etwas differenzierter zu bewerten. Klar ist, dass die hohen Volumina das Risiko von Korrekturen oder die Volatilität beeinflussen können. Aber mal im Ernst: Was hat das für uns als Investoren für Auswirkungen, wenn wir bereit sind, diese volatilen Phasen auszusitzen? Richtig, kaum Auswirkungen. Das heißt, die Investitionsthese wird dadurch kaum tangiert. Auch wenn dein Durchhaltevermögen vielleicht etwas resilienter werden muss. ETFs, Volatilität und Börsencrash können wir daher als Randnotiz abhaken. Auch wenn sich die Phänomene nicht leugnen lassen.

Das Renditepotenzial von ETFs ist zwar gedeckelt. Allerdings sollten wir als Investoren auch hier etwas differenzierter bewerten: Als Stock-Picker ist es mit mehr Aufwand zwar möglich, den Markt zu schlagen. Für jeden Outperformer gibt es jedoch mindestens einen Investor, der nicht den Markt schlägt. Das heißt, wer auf einen soliden Querschnitt setzt, entzieht sich dieser Dynamik und wird stets eine solide, marktübliche Rendite einstreichen können. Das ist und bleibt der Dreh- und Angelpunkt vieler ETF-Investoren und auch deren Erwartungshaltung. Ein wirklicher Kritikpunkt ist auch das nicht.

Mit einem marktbreiten ETF investiert man zwar auch in Rohrkrepierer, keine Frage: Allerdings kann einem der Marxismus-Gedanke ebenfalls fernbleiben. Im Endeffekt geht es um die Summe aus guten Unternehmen, schlechten Unternehmen und sehr viel dazwischen. Das ist der Kompromiss, der letztlich eine marktbreite Rendite ermöglicht.

Oder, um es klar zu formulieren: Ein Teil der Kritik ist zwar berechtigt. Da wir uns als passive ETF-Investoren jedoch den Luxus leisten können, nicht die Systemkritik in den Vordergrund zu rücken, bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis eigentlich das gleiche. Zumindest, wenn man langfristig investiert bleibt und die Volatilität einen nicht das Fürchten lehrt.

Weiterhin ein smarter Ansatz!

ETFs bleiben daher ein smartes Mittel, um langfristig ein Vermögen aufzubauen. Werden durch Passivfonds die Märkte volatiler, träger und passiver? Möglich. Aber für dich ändert sich trotzdem wenig. Außer dass kurzfristig das Risiko von Buchverlusten steigen kann. Wer mit diesem Kompromiss leben kann, der wird trotzdem über Jahre und Jahrzehnte eine solide Rendite generieren können. Das ist die Quintessenz, auf die du dich bei dir selbst konzentrieren solltest.

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