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"Draxler genießt einfach das Leben"

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"Draxler genießt einfach das Leben"
"Draxler genießt einfach das Leben"

Am Ende war es keine Überraschung mehr.

Wie Paris Saint-Germain am Montagabend bestätigte, hat Julian Draxler seinen Vertrag bis 2024 verlängert. Der 27-Jährige, schon seit 2017 in der französischen Hauptstadt, wird damit drei weitere Jahre das PSG-Trikot tragen.

Die Frage aber bleibt: Draxler und Paris - passt das wirklich? Gefühlt ist das frühere Supertalent im Starensemble des Scheich-Klubs seit seinem Wechsel aus Wolfsburg fast das fünfte Rad am Wagen. Stammspieler ja - aber nicht in der Crunchtime.

Blickt man auf seine Einsatzzeiten, dann lässt sich zunächst konstatieren, dass der frühere Schalker die meiste Zeit auf dem Platz steht. In 34 Pflichtspielen kam Draxler in der laufenden Saison zum Einsatz, dabei erzielte er vier Treffer und bereitete sieben weitere vor.

Mehr Spielzeit unter Pochettino

Hatte es der Mittelfeldspieler unter Thomas Tuchel noch schwer, so scheint Draxler seit dem Trainerwechsel zu Mauricio Pochettino das Vertrauen des Argentiniers zu genießen.

"Sportdirektor Leonardo wollte ihn nicht mehr, aber Pochettino mag ihn", erklärt L'Équipe-Reporter David Fioux bei SPORT1. "Er traut ihm zu, der Mannschaft durch seine Technik und seine Erfahrung zu helfen. Der Trainer ist sein größter Unterstützer."

Für PSG ergeben sich durch die Verlängerung viele Vorteile. "Wegen Corona kann Paris nicht viel investieren und Draxler ist wie ein billiger Transfer", erklärt Fioux.

Obwohl PSG das Champions-League-Finale verpasste und in der Meisterschaft Platz 2 hinter OSC Lille droht, blickt Draxler positiv auf die Rückrunde zurück. "Ich habe in den letzten Wochen viel mehr gespielt, und es ist wichtig für mich, dass ich das Tempo halten und die Spiele spielen kann", sagte er in einem Interview auf der Klub-Website. "Ich fühle mich sehr gut, und das zeigt sich auch am Ende der Saison."

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Was er allerdings verschweigt: Auch Pochettino setzte in den wichtigen Spielen nicht auf den deutschen Nationalspieler. So stand Draxler im ersten Halbfinal-Duell der Champions League gegen Manchester City nicht einmal im Kader. Das Rückspiel erlebte er zunächst von der Bank und kam nur noch in den letzten 28 Minuten zum Einsatz - als längst alles entschieden war.

Draxler nicht im EM-Kader?

In der Nationalmannschaft hat Draxler seinen unter Bundestrainer Joachim Löw unumstrittenen Status als Leistungsträger mittlerweile eingebüßt. Für die Länderspiele im März gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien wurde der frühere Löw-Liebling nicht einmal mehr nominiert - und kaum jemand nahm davon Notiz.

Für Oliver Bierhoff waren die Nicht-Nominierungen von Draxler und Julian Brandt, "ein Zeichen. Wenn sie jetzt nicht nominiert sind, dann ist man eben mit der Entwicklung nicht so zufrieden", erklärte der Nationalmannschafts-Direktor ungewohnt deutlich.

Dass Draxler weiter in Paris bleibt, wird Löw nicht zwingend darin bestärken, bei der EM auf ihn zu setzen - schließlich hatte er ihn bereits im vergangenen Herbst animiert, einen Tapetenwechsel vorzunehmen. "Für Julian wäre es wichtig, auch in dem Alter, vielleicht einen Schritt zu machen, wo er regelmäßig spielt", sagte der Bundestrainer. "Das würde ihm wahrscheinlich schon entscheidend helfen."

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Draxler ließ sich von Löws Worten nicht ermuntern, blieb im Winter in Paris und setzt nun seine Karriere im PSG-Trikot fort. Gut möglich, dass er davon profitiert, dass Löw nun 26 statt der bisher erlaubten 23 Spieler mit zum Turnier nimmt (die Nominierung am Mittwoch ab 12.30 Uhr im LIVESTREAM auf SPORT1). Nicht auszuschließen ist aber in Anbetracht des auch quantitativ hochwertigen DFB-Mittelfeldes, dass Löw Draxlers leichter Aufwärtstrend nicht für die Nominierung reicht.

Laut L'Equipe hatte der frühere Schalker ein finanziell besseres Angebot des FC Bayern vorliegen, nach SPORT1-Informationen hatten beide Parteien zumindest "konkrete Zahlen" ausgetauscht. Auch wenn er in München nicht zwangsweise mehr Spielanteile bekommen hätte, so hätte er doch deutlich mehr im Fokus der deutschen Öffentlichkeit - und auch des Bundestrainers - gestanden.

Zudem sollen auch Klubs aus der Premier League und Serie A am Mittelfeldspieler interessiert gewesen sein.

"Draxler genießt einfach das Leben"

Was also bewegte ihn dazu, das neue Papier zu unterzeichnen? Schließlich dürfte Draxler in den wichtigen Spielen auch künftig weichen, wenn die Superstars um Neymar, der ebenfalls kürzlich seinen Vertrag verlängerte, und Kylian Mbappé auf dem Platz stehen.

"Er fühlt sich sehr, sehr wohl in Paris und genießt einfach das Leben", sagt Fioux. Dass er in der "Stadt der Liebe" bleibt, dürfte auch an seiner Freundin, der Tänzerin und Choreographin Sethanie Taing, liegen, mit der er seit 2019 liiert ist.

Dass er sich mit dem aktuellen Staus Quo als Edeljoker zufrieden gibt, dem widerspricht Draxler allerdings - und schickt eine echte Kampfansage hinterher. "Wir werden diesen Sommer eine bessere Vorbereitung haben als letztes Jahr. Wir hoffen, dass alle bereit sind und dass Paris den besten Draxler aller Zeiten sehen wird", sagte er nach der Unterschrift unter dem neuen Drei-Jahres-Vertrag.

Zumindest der Nachfolger von Joachim Löw dürfte diese Worte gerne hören.