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Zum Abschied von Donald Trump: Ein nicht ganz ernst gemeinter Abschiedsbrief

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 4 Min.

Lieber Donald,

zum Abschied möchten wir innehalten. Es waren vier harte Jahre. Heute trittst Du ab. Man kann nicht sagen, Du hättest am Ende nicht alles versucht. Dafür gönne Dir eine Extrarunde auf dem Golfplatz.

Donald Trump und der Rosengarten im Weißen Haus. Bald wird er woanders den Rasen mähen lassen. (Bild: REUTERS/Carlos Barria)
Donald Trump mit einem ehrenamtlichen Helfer im Rosengarten des Weißen Hauses. Bald wird er woanders den Rasen mähen lassen. (Bild: REUTERS/Carlos Barria)

Ein Abschiedsbrief von Jan Rübel

Wenn Dein Nachfolger ins Amt eingeführt wird, bist Du nicht mehr dabei. Du kehrst ihm und all dem Washingtoner Establishment den Rücken, fliegst vorher ab nach Florida. Richtig so! Die wollten einfach Deine Saga von der manipulierten Präsidentschaftswahl nicht glauben, obwohl Du es so oft wiederholt hast. Okay, Belege hattest Du nicht parat. Aber dass diesmal Deine Strategie nicht verfing, eine Erzählung so lange immer wieder aufzulegen, bis sie verfängt – das ist einfach ungerecht.

Aber halt, Dein genialer Trick klappte bloß nicht bei der so genannten Polit-Elite, bei diesen arroganten und abgehobenen Schnöseln. Beim Volk kamen Deine Lügen gut an, ich meine: bei einigen. Leider nicht genug. Der „Sturm aufs Kapitol“ war zu schnell vorbei, die ersehnte Sogwirkung blieb aus.

Daher heißt es nun Koffer packen. Mit Deinem pompös organisierten Auszug aus dem Weißen Haus wirst Du auch clever kaschieren, dass Du seit Jahrzehnten selbst zum „Establishment“ gehörst, im Grunde seit Deiner Geburt.

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Eine Karriere wie vom Laufband

Am Ende hast Du noch ein paar Ganoven begnadigt, das ist schließlich Dein gutes Recht. Wozu sonst ist man Präsident? Alles andere hattest Du doch schon gehabt: Geld, Frauen (wegen des Geldes), Golf (wegen des Geldes) und sogar eine Fernsehshow (wegen allem zusammen). Außerdem könnte Dir der eine oder andere aus dem Gefängnis entlassene Delinquent einmal behilflich sein, man weiß ja nie. Eine Hand wäscht schließlich die andere.

Ich weiß noch, wie es anfing, vor vier Jahren. Deine Amtseinführung war viel größer als diese Jammerlappenveranstaltung, wie es heute für Joe Biden sein wird. Überhaupt war es die größte in der Geschichte, auch wenn sogleich böse Bilder verbreitet wurden, die das bestritten. Was sind schon Fakten? Du hast der amerikanischen Nation ein fabelhaftes Märchen geliefert, jeden Tag aufs Neue. Es war so nice. So friendly. Und sein Ende so sad.

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Damals hattest Du für Dein Land das Motto „America First“ ausgerufen, und die halbe Welt machte sich darüber lustig. Videos wurden produziert, mit garstigen Titeln wie „America First, Netherlands Second“. Die wollten einfach nicht kapieren, dass die Zeit der langen Verhandlungen an langen Tischen zu Ende sein sollte, dass nun gehandelt werden sollte. Okay, vielleicht haben die Regierungschefs all der anderen Länder Dein verdammt schlaues Buch „The Art of the Deal“ gelesen und verstanden, dass es am Ende eines Deals mit Dir stets einen Gewinner geben wird: Dich. Die hatten dann wohl keine Lust darauf, den Verlierer zu spielen. Loser!

In diesen vier Jahren ist Dir ein Kunststück nach dem anderen gelungen. Das größte war, dass Du nun machen kannst was Du willst; eine Strafbarkeit Deiner Person gibt es nicht mehr. Du hast ungestraft so viele Dinge herausgehauen, von denen Du wusstest, dass sie nicht stimmen – aber so what? Sie passten in Deine Erzählung vom letzten großen, alten und weißen Mann. Und weil es so viele, sagen wir Biegungen der Wahrheit, waren, kamen die gehässigen Linken und Liberalen nicht mehr hinterher. Sieg nach Punkten!

Last man standing

Und Du bist der letzte große (1,90 m), alte (74 Jahre) und weiße (Nun ja, etwas orange ist auch mit drin) Mann (daran besteht kein Zweifel), der das gute Amerika von früher verteidigt, in dem Kritiker als Kommunisten geteert und gefedert wurden und schwarze Bürger besser den Mund hielten und sich auf ihre Rolle als Kinder von Sklaven (so little) zu bescheiden hatten. Dein Vater, der mit dem Ku Klux Klan marschierte, wäre stolz auf Dich gewesen. Er hat Dich ja von Kindesbeinen an einen König genannt und gemeint, Du müsstest ein Killer werden. Wow.

Du bist jetzt auch nicht gescheitert. Amerika stimmte zwar mehrheitlich gegen dich, aber was sind schon Wahlen? Amerika ändert sich weiter, wird diverser und der weiße Mann weniger mächtig, aber zur Not gründen wir ein Reservat mit Dir als Bürgermeister. Jawohl! Mit Golfplatz.

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Und vielleicht bist Du in vier Jahren wieder da. Wäre doch tolles Theater. Bis dahin müssen nur die Schmutzklagen überstanden werden, wegen lauter Kinkerlitzchen. Falschaussagen, Steuerhinterziehung, Schnickschnack.

Wir sehen uns also wieder, versprochen. Bis dahin baue ich weiter an meinem Bunker und horte Cornflakes. Und das schönste an dieser Post-Präsident-Trump-Ära ist, dass ich mir fest vornehme, für lange, lange Zeit keinen Kommentar mehr über Dich zu schreiben.

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