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Kommentar: Lasst die Impfmuffel muffeln

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier besucht ein Corona-Impfzentrum (Bild: Boris Roessler/Pool via REUTERS)
Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier besucht ein Corona-Impfzentrum (Bild: Boris Roessler/Pool via REUTERS)

Nach Weihnachten soll es losgehen: Impfdosen gegen Corona werden bereitgestellt. Natürlich melden sich nun Neunmalkluge und Bedenkenträger. Sollen sie machen. Sie stehen eh auf verlorenem Posten.

Ein Kommentar von Jan Rübel

So langsam sollten den selbst erklärten „Querdenkern“ die Haare auf ihren Köpfen ausgehen. Ist auch anstrengend, ständig ein Haar in der Suppe zu finden, da muss man im Zweifel sein eigenes reinlegen – und im Zweifeln sind all jene wahre Champions, die den Ernst der Lage ob Corona dementieren.

Nun stehen Impfungen an. Sie werden womöglich die einzige Rettung vor Covid-19 sein, ein Stoff mit hoher Wirksamkeit wurde entwickelt, und langsam wird geimpft werden können, wer dies will.

Zeitgleich mehren sich die Warnungen. Wenn ich Facebook öffne, taumeln mir Zweifel entgegen, die kaum aufzuzählen sind: Die entwickelnde Firma sei neu (sehr suspekt!), ansonsten dauern Entwicklungen viel länger (hört, hört!), und dann stecken DIE Amerikaner mit drin (war ja klar!), von Bill Gates und den Impfchips-Märchen schon aus dem ersten Lockdown vom Frühling ganz zu schweigen.

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Wenn ich dann auf die Quellen für all diese Behauptungen schaue, lösen sie sich auf. Entweder gibt es sie nicht, oder es handelt sich um Fälschungen. Beispiel: Als in Großbritannien zwei Geimpfte allergische Reaktionen zeigten, fabrizierte ein Cleverer daraus eine Todesmeldung und montierte diese unter das Logo der „Jerusalem Post“. Was soll man solchem Menschen wünschen? Ich wünsche ihm ein besseres Karma für 2021.

Eine Frage der Kapazitäten

Selbst US-Vizepräsident Mike Pence will sich jetzt öffentlich impfen lassen. Ein gewisser Gesinnungswechsel ist ihm schon zu attestieren. Monatelang tat er, als wäre Corona kaum der Rede wert; doch irgendwann waren die Toten vermutlich zu viele. Von mir aus sollen die Impfmuffel, die sich heldenhaft vorstellen, sich damit einem „Regime“ nicht zu unterwerfen, zuhause bleiben. Am Anfang werden die Dosen eh nicht für alle reichen. Da passt es, wenn der Impfstoff prioritär an die Bedürftigsten abgegeben wird – und an jene, die sie schützen. Sowas nennt man Menschlichkeitsprinzip.

Wer die massenhafte und tödliche Gefährlichkeit von Corona nicht wahrhaben will, steht mit jedem Tag mehr auf einem noch verlorenen Posten. Kennt immer noch keiner jemanden, der …?

Was ist mit den Landräten, die aus Verzweiflung darüber nachdenken, den Katastrophenfall auszurufen? Was ist mit den überfüllten Krankenhäusern, mit der Frage, ob eine Triage eintreten wird – also der Umstand, dass lebensrettende Maßnahmen nicht für alle geleistet werden können und die Ärzte deshalb entscheiden müssen, wen sie, wie im Krieg, links liegen lassen?

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Die AfD übrigens hat sich gründlich verzockt. Wäre die Pandemie ein Spiel, würde man feststellen: Die Partei hat auf das falsche Pferd gesetzt. Die Regionen, in denen sie besonders stark ist, entwickeln sich zu besonderen Gefahrenzonen von Covid-19. Das merken sich die Leute. Wer überlebt, denkt um. Man hat ja nur ein Leben.

Vernunft setzt sich durch

Alles wird sich richten. Bleibt nur zu hoffen, dass bis dahin möglichst wenige Menschen leiden oder sterben müssen. Eine Impfpflicht bräuchte es eigentlich, aber die Politiker scheuen es, weil sie angesichts der lauten Minderheitsproteste versprachen, Impfen nicht zur Pflicht zu machen.

Die Konsequenzen können andere sein: Wer keinen Impfschutz gegen Corona in sich trägt, ist dann hier und da nicht mehr dabei. Stadionbesuche, Flugreisen, Konzerte? Wer sich der Vernunft und der Solidarität entzieht, hat dazu in Deutschland alles Recht. Und darf sich feiern. Im eigenen Wohnzimmer.

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