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Kommentar: Kann Söder Kanzler?

·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
Markus Söder, CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, gibt vor der CSU-Vorstandssitzung ein Statement in der Parteizentrale. (Bild: Sven Hoppe/dpa)
Markus Söder, CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, gibt vor der CSU-Vorstandssitzung ein Statement in der Parteizentrale. (Bild: Sven Hoppe/dpa)

Bayerns Ministerpräsident schüttelt beim Blick aufs Kanzleramt derart heftig den Kopf, dass er von nichts anderem zu träumen scheint. Für andere ist es ein Alptraum.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Die Debatte um den Unions-Kanzlerkandidaten, den es noch nicht gibt, nützt Markus Söder unheimlich viel. Er hat nichts zu verlieren, offiziell kandidiert Bayerns Ministerpräsident ja auch nicht. Die anderen drei aber, die ihren Hut in den Ring geworfen haben, riskieren mit dem Herumsödern aus Bayern bald in der Ecke zu stehen: Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen können nur verlieren.

Daher hält niemand diese Debatte derart auf Betriebstemperatur wie: Söder selbst. „Ich führe die Debatte ja nicht, es wird ja ständig über mich geredet, und zwar von allen“, bedauert er. Ja, ja. Ist auch schön, wenn ständig über einen geredet wird, nicht wahr? Für Söder gilt seit der Pubertät die Faustformel: Any News is good News – Hauptsache, in den Schlagzeilen.

Und natürlich führt er die Debatte auch selbst, indem er Haltungsnoten und Messlatten verteilt. Seine jüngste vom Wochenende: Dem Tagesspiegel erzählte er, der künftige Unions-Kanzlerkandidat müsse sich in der Corona-Krise bewiesen haben. Wer dabei versage, habe "keinen moralischen Führungsanspruch", sagte er. "Nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen."

Daraus lernen wir einiges. Zum einen, dass er das Leben im Kanzleramt für einen Eiskunstlauf hält. Und zum anderen, dass es in seinen Augen nur den ewigen Markus gibt, wenn es um das Drehen der schönsten Pirouetten geht. Da man das nicht so sagen darf, umschreibt es Söder mit „Moral“ und „Führungsanspruch“.

Mal nebenbei abgewatscht

Denn die Rivalen Merz und Röttgen haben in der Corona-Krise keine Chance auf großartiges „Beweisen“, weil sie in keiner Exekutiv-Verantwortung stecken. Und Laschet gab als Ministerpräsident von NRW den Anti-Söder, weil der Bayer sich bereits als oberster Landesnachtwächter frühzeitig etabliert hatte. Nun wird Laschet von Söder mit Komplimenten überschüttet, weil der CSU-Chef weiß, dass sein Lob nichts wert ist: Der Wähler ahnt, das er das sagen muss und schielt dennoch mit Argusaugen auf NRW mit seinen Corona-Hotspots, wo einiges im Argen liegt; wie viel Verantwortung Laschet dafür trägt, ist egal – man trägt es ihm nach. Und darauf spekuliert Söder mit seinem Interview vom Wochenende; nach seinen eigenen Maßstäben eignet sich nur er selbst als Kanzler – oder eben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, aber der schielt nur aus der zweiten Reihe heraus aufs Kanzleramt.

Schon jetzt beteuert Söder, dass sein Platz in Bayern sei. Genauso redete Edmund Stoiber, als er seine Kanzlerkandidatur im Jahr 2002 heimlich vorbereitete.

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Wie eine Pralinenschachtel

Kann Söder also Kanzler? Eines wäre klar: Mit ihm an der Spitze wüsste man nie, woran man ist. Denn Söder ist das Chamäleon der deutschen Politik. Er tut, was ihm nützt. Und unterlässt, was ihm schadet. Ja, als Ministerpräsident engagierte er sich beherzt für einen disziplinierten Lockdown bei Corona, was Menschenleben rettete. Als Finanzminister legte er solide Haushalte vor und zeigte sich auch inhaltlich kompetent, obwohl er nicht vom Fach ist. Als Umweltpolitiker forderte er schon 2007 ein Ende der Neuzulassungen von Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren bis 2020. Doch all diese solide Aktenarbeit, die man erst mal können muss, erblasst vor dem Ehrgeiz, den Söder versprüht. Und dies ließe mich unruhig schlafen, bei einem Kanzler Söder. Söder ist zu präsidial. Er genießt zu sehr, wenn es für ihn gut läuft. Und er wirkt verbissen, wenn nicht.

Für eine Kanzlerschaft aber braucht es innere Gelassenheit, einen Ehrgeiz in der Sache und nicht in der eigenen Person. Söder muss erst beweisen, ob er Ministerpräsident kann. Und er muss reifen. Dann sehen wir weiter.

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