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Kommentar: Im Impfen werden wir nicht mehr Weltmeister

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
Zwei Männer warten in Berlin auf ihre Impfung (Bild: Markus Schreiber/Pool via REUTERS)
Zwei Männer warten in Berlin auf ihre Impfung (Bild: Markus Schreiber/Pool via REUTERS)

Bundesregierung und Länder schieben sich beim Impfchaos gegenseitig die Schuld zu. Ein bisschen mehr Durchregieren wäre jetzt schon ganz nett.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Nun sollen es die Hausärzte richten. Was Bund und Länder bisher nur suboptimal hinkriegten, sollen jetzt Privatpraxen mit übernehmen: die Bevölkerung gegen das Coronavirus zu impfen. Die Geschichte dieser gesellschaftlichen Abwehr ist nicht die eines einzigen Scheiterns. Aber Erfolgsstorys sehen anders aus.

Klar, das größte Problem liegt in der mangelnden Verfügbarkeit von Impfstoffen. Wo nichts ist, kann auch nichts getan werden. Doch längst hat sich herausgestellt, dass Dosen zu lange herumliegen, dass das Zeug nicht so rasch und effektiv unters Volk kommt, wie es könnte. Unseren Ruf als Organisationsweltmeister, nun, wenn jemals daran etwas dran war, dann zerschellt es gerade am Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern.

Ab und zu rächt es sich, dass die Bundesländer auf Zuständigkeiten beharren, die sie dann selbst nicht genügend ausfüllen. Niemandem ist bekannt, wo und wieviel geimpft wird. Die über 400 Impfzentren arbeiten wenig koordiniert und wissen kaum voneinander. Eine zentrale Steuerung existiert nicht. Für Verteilung und Logistik haben die Länder den Arm gehoben, während sie dem Bund vorwerfen, für allzu wenig Planungssicherheit zu sorgen. Es ziehen eben nicht alle an einem Strang: Impftermine können nicht eingehalten werden, es gibt Fehlbestellungen, und manchmal kommt das Zeug ganz woanders an. Würde alles von einer einzigen Behörde gemanagt werden, der Ablauf gelänge sicherlich besser.

Darwin in modernem Gewand

Zum Versagen der Länder kommt hinzu, dass sie die Impfpriorisierungen schlicht aufgeweicht haben. Die Schwächsten zuerst – das war ursprünglich das ausgegebene Motto: Wer durch eine Infektion am meisten riskiert, soll am schnellsten drankommen. Doch während allein die Kategorisierungen schon Ungerechtigkeiten in sich trugen, weil zum Beispiel Menschen mit Behinderung, die allein zuhause leben und nicht in einer Einrichtung, durch sie übergangen werden, schaffen die Länder nun Fakten zum Schreien: Da werden reihenweise Erzieher, Lehrer und Polizisten geimpft – unabhängig von ihrer persönlichen Gefährdungslage. Von wegen: die Schwächsten zuerst.

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Die Behörden vor Ort denken womöglich, auf diese Weise nervende Eltern ruhig zu stellen. Aber was soll jemand mit Diabetes oder einer Lungenerkrankung denken – dass er jetzt nicht drankommt, damit das Kind über ihm endlich wieder in die Kita kann? Es verschieben sich gerade die Prioritäten. Die Länder denken, im Schatten ihrer Unfähigkeit, dass der Nächste sich am Nächsten sei. Und aus purer Verzweiflung sind nun die Hausärzte dran.

Ein Ausweis von Versagen

Die Praxen um die Ecke mit dem Impfen zu betrauen, leuchtet einerseits ein. In den USA werden mittlerweile ganz andere Impfmöglichkeiten angedacht. Doch noch immer ist der Stoff in Deutschland knapp. Das bedeutet, dass auf den Ärzten ein großer Vertrauensvorschuss liegt. Denn noch ist nicht ganz klar, wie sie eigentlich kontrolliert werden sollen. Kommt der Lieblingspatient zuerst dran? Oder der alle zwei Stunden anrufende und die Pflegekräfte zur Weißglut bringende Schreihals? Oder der Ehepartner, die Kinder?

Es rächt sich, dass die Bedürftigkeit nicht genau definiert wurde. Zeit dazu hätte es gegeben. Sie wurde verschlafen. Aber die Zeche zahlen andere.

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