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Kommentar: Die Party ist vorbei

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
Mit Maske reist man unentspannt? Das können diese Bewohner Mexiko-Citys nicht bestätigen, auch wenn der Herr in der Mitte noch ein bisschen üben muss (Bild: REUTERS/Edgard Garrido)
Mit Maske reist man unentspannt? Das können diese Bewohner Mexiko-Citys nicht bestätigen, auch wenn der Herr in der Mitte noch ein bisschen üben muss (Bild: REUTERS/Edgard Garrido)

Die schlechte Nachricht: Den richtigen Umgang mit der Pandemie zu finden – das ist nicht leicht. Übertreibungen gibt es in alle Richtungen. Die gute Nachricht: Aber irgendwie verhalten sich die meisten richtig.

Ein Kommentar von Jan Rübel

„Es ist ernst. Nehmen Sie es ernst“, sagte Kanzlerin Angela Merkel vor ein paar Monaten. Die Platte können wir erneut auflegen, es ist mal wieder soweit. Mittendrin sind wir in steigenden Infektionsraten – ein Glück, dass es nur sehr wenige Tote gibt.

Wie also sich verhalten, damit der Herbst keine „dunkle Zeit“ wird, für die einen auf der Intensivstation und für die anderen mit einem Fleck auf der Seele angesichts schwindenden Kontakts und echtem Austausch? Natürlich ist die Aussicht auf einen Advent ohne Weihnachtsmärkte ein Luxusproblem, vor allem mit Blick auf die Intensivstation, aber immerhin.

Es nützt ja nichts. In unseren Händen liegt, inwiefern der Staat uns ein Verhalten verordnen muss. Agieren wir achtsam, müsste weniger eingegriffen werden.

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Einige Politiker stürzen natürlich voran, denn sie haben erkannt, dass die Coronakrise ihnen nützt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zum Beispiel hatte im Sommer einen Dämpfer in der allgemeinen Bewunderung zu erleiden, weil die Zeichen auf Corona-Entspannung standen und er eben die Rolle des rigorosen Bedenkenträgers gebucht hatte. Nun, wo die zweite Welle an die Haustür schwappt, hat er wieder die Fahne gehisst: Frühzeitig redete er zum Beispiel die Covid-19-Situation in Berlin schlecht, bis ein mentaler Mechanismus in Gang gesetzt wurde, der nun in Beherbergungsverboten gipfelt. Vielleicht zu hart. Immerhin muss dem Bürger erklärt werden, der aus Umsicht seinen Italienurlaub umgebucht hat, dass er nun nicht in Bayern auf die Alm kann. Aber die Populismus-Moves in der Politik sind einzuspeisende Kollateralschäden der Pandemiebekämpfung.

Was die Freiheit alles hergibt

Andersrum gibt es immer mehr Unwillige, die meinen: Nun ist mal gut mit all diesen Sicherheitsmaßnahmen. Die sich müde zeigen, angesichts der eingeschränkten Mobilität. Und dann hüpfen immer noch die „Querdenker“ umher, die ja schon immer wussten, wie überzogen angeblich nicht nur die neuen Verhaltensregeln sind, sondern wie angeblich normal grippeähnlich Covid-19 ist und wie angeblich schädlich das Tragen von Masken. In allen drei Punkten ticken die „Querdenker“ kolossal falsch, es gibt ja wissenschaftliche Erfahrungen. Und daher hüpfen sie zum Glück nur am Straßenrand. Auch ein Kollateralschaden. Wird eingebucht.

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Die große Mehrheit aber verhält sich achtsam. In den Bahnen werden die tollkühnen maskenverweigernden Anti-Zorros weniger, ein bisschen mehr dagegen wird auf Mindestabstand geachtet. Wir wurden halt gewarnt: Was gerade passiert, war vorhersehbar. Die Party ist vorbei. Das ist nicht der Beginn großer Tristesse. Nur eben der Hauch eines Déjà-Vu aus dem Frühling. Leider nicht zu ändern.

Na dann Prost

Und unsere Freiheit zeigt sich gerade wie der Farbwechsel in den Bäumen. Jedermann darf mit dem Grundgesetz herumlaufen und flotte Reden halten. All die Hobbymenschenrechtler, die das Verweigern einer Maske mit Revolution verwechseln, dürfen das tun. Unsere Demokratie ist ja eine freiheitliche. Leben wir also mit den Kollateralschäden, behalten mit der Maske den Kopf auf der Schulter und kochen zuhause den besten Glühwein aller Zeiten.

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