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Kommentar: Der Fußball hat nichts verstanden

Inzwischen ist klar, dass die meisten Stadien in absehbarer Zeit geschlossen bleiben. Der Fußball selbst wehrt sich dagegen mit Händen und Füßen - und zeigt, dass er gar nichts verstanden hat. Ein Kommentar von Yahoo-Redakteur Ben Barthmann.

Fans von Borussia Mönchengladbach versammelten sich vor dem Stadion. (Bild: Getty Images)

Drei große Spiele fanden am Mittwochabend im europäischen Fußball statt. Viele sagen: Es müssen die letzten Fußball-Spiele für eine lange Zeit gewesen sein. Das wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht passieren. Auch, weil alle drei Spiele ein katastrophales Zeichen sendeten.

Da wäre zuerst das Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Das erste Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte. Unangenehm war die Atmosphäre im Stadion - aber sicher nicht so unangenehm wie die eigene Oma zu verlieren.

Hart formuliert? Klar. Aber es geht nicht mehr darum, ob die Ränge nun gefüllt sind oder nicht, sondern es geht darum, uns durch die Absage von Menschensammlungen Zeit zu schaffen und damit den besonders gefährdeten Teil der Bevölkerung zu schützen.

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PSG feiert Fanmenge - Gladbach blauäugig

Umso unverständlicher ist es, dass sich eine nicht unerhebliche Menge an Fans vor dem Stadion versammelte und dort für die ach so wichtige Stimmung sorgte. Dass die Gladbacher dies dann auch noch belohnten, indem sie sich den Fans zeigten und mit ihnen feierten, belohnte das Verhalten zusätzlich.

Viele Vereine sahen sich im Laufe des Donnerstags dazu gezwungen, ihre Fans zu bitten, am Wochenende eben NICHT an das Stadion zu kommen. Gladbach aber hat seine Fans mit der eigenen Blauäugigkeit bestätigt und auch noch ein bundesweites Vorbild geschaffen.

Gleiches darf sich auch Paris Saint-Germain hinter die Ohren schreiben. Der Klub feierte über seine Kanäle in den Sozialen Medien die Fanmenge vor dem Stadion ab, die PSG-Stars verliehen der Ansammlung noch ihre Legitimität, indem sie sich feiern ließen.

Dann wäre da noch Atletico-Profi Diego Costa, der nach dem Sieg über Liverpool durch die Mixed Zone lief und so tat, als würde er auf die anwesenden Journalisten husten. Fast so gut wie NBA-Spieler Rudy Gobert, der es lustig fand, alle bei einer Pressekonferenz vor ihm aufgebauten Mikrofone anzufassen.

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UEFA als Badboy - Getafe konsequent

Der Fußball und die Rolle als gutes Vorbild - mal wieder schmerzlich verfehlt. Dass der FC Liverpool gegen Atletico Madrid vor vollem Haus spielte, ist umso unglaublicher vor dem Hintergrund, dass heute in England beraten wird, ob die restliche Saison ohne Zuschauer gespielt werden muss.

Vor lauter Dollarzeichen in den Augen fehlt vielen Fußball-Klubs die Wahrnehmung dafür, wie die Lage ist und wie sie durch ihr Verhalten befeuert wird. Eigene Courage findet man nicht. Vielmehr wird in zahlreichen Mitteilung suggeriert, dass die bösen Gesundheitsämter zur Absage drängen würden.

Die UEFA verweigert sich nicht nur der Absage der internationalen Europameisterschaft, sondern soll nach mehreren Medienberichten auch noch die Roma (ohne Landeerlaubnis in Spanien) und den FC Sevilla dazu gedrängt haben, beide aus dem Wettbewerb auszuscheiden, damit er ungehindert weiterlaufen könne.

Umso mehr muss man sich freuen über Menschen wie Angel Torres. Der Getafe-Präsident ergriff selbst die Initiative und sagte die Reise seines Teams nach Mailand ab. Sportliches Abschneiden? Völlig egal, Hauptsache möglichst viele Menschen bleiben gesund. Danke dafür.