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Kommentar: Das Wort zum Tag der Einheit – Liebes Bayern, liebes BaWü, euer Egoismus tut nur leid

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 4 Min.
Der Salzstock in Gorleben wurde als Standort für ein Atommüll-Endlager untersucht - und scheidet nun aus. Jetzt wird weiter gesucht. (Bild: AP Photo/Fabian Bimmer)
Der Salzstock in Gorleben wurde als Standort für ein Atommüll-Endlager untersucht - und scheidet nun aus. Jetzt wird weiter gesucht. (Bild: AP Photo/Fabian Bimmer)

Wenn es um Verantwortung geht, klinken sich manche Bundesländer gern aus. Diese Politik des schlanken Fußes hat eine lange und unselige Geschichte.

Ein Kommentar von Jan Rübel

„Jetzt geben wir den Bayern mal einen mit“ – vor diesem Motto hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nun gewarnt. Wie kommt er darauf? Denkt er insgeheim, seine Bayern hätten das verdient, ein bisschen jedenfalls?

Was der CSU-Vorsitzende genau meint: Viele Gebiete Bayerns kommen bei einer Vorauswahl in Frage, das seit Jahrzehnten gesuchte Endlager für Atommüll zu stellen. Die Karte betrifft jedes Bundesland – und sagt längst nichts darüber aus, wo dann ein Lager irgendwann entsteht. Doch Söder ist alarmiert.

„Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist", ließ er verlautbaren. Und weiter: "Das ist eine enorme Verunsicherung für die nächsten Jahre." Plötzlich ist der Ministerpräsident Geologe, erklärt gewisse Gesteinsformen für nicht geeignet. Es klingt wie ein Mantra. Es sagt: Den Atomstrom haben wir zwar produziert, den Dreck aber sollen andere übernehmen.

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Söders Ängste, einen mitzukriegen, gründen auf der Sonderrolle eines „Bayern First“, mit der die CSU groß geworden ist. Für das eigene Bundesland am meisten rausholen, zu Lasten anderer – das ist das Erfolgsrezept dieser Partei. Und daher schäumt jetzt mancher Christsozialer, dass Bayern bei der Endlagersuche tatsächlich genauso behandelt wird wie die anderen Länder.

Dabei muss der Müll ja irgendwohin. Er hat sich über Jahrzehnte angesammelt. Und er ist das beste Argument, warum man mit der Atomkraftnutzung am besten gar nicht erst angefangen hätte, aber: hätte, hätte, Fahrradkette.

Von wegen patriotisch

Der schlanke Fuß in Bayern hat Tradition. Eine Besserbehandlung scheint wie genetisch programmiert hingenommen zu werden. Beispiel Sommerferien: Nur weil einmal nach dem Weltkrieg festgelegt worden war, dass Bayern und Baden-Württemberg spätere Schulferientermine im Sommer haben dürfen, damit die Kinder bei der Ernte helfen können, müssen alle anderen Bundesländer bis heute mühsam rotieren, hat manches Land arg früh Sommerferien. Klar, dass alle das ändern wollen. Bloß Bayern und BaWü nicht. Deren Begründung? Weil es immer so war. Diese Kühnheit ist beeindruckend. Wollen wir beim Bauernverband nachfragen, wie viele Kinder in Bayern und BaWü bei der Ernte 2020 geholfen haben?

Oder Beispiel Windkraft: Wirklich sehr oft hört man in Bayern und BaWü tolle Argumente, warum dort viel weniger Windkraftanlagen stehen als anderswo. Dann heißt es, der Wind wehe nicht so stark, und die Vögel und so. Alles Mumpitz. Zwar weht in Stuttgart ein laueres Lüftchen als an der Nordseeküste – aber für effizient laufende Anlagen reicht es allemal. Man will sie im Süden schlicht nicht, aus ästhetischen Gründen. Daher denken sich die Leute und ihre Politiker Storys aus, um die Anlagen zu verhindern. Ich stamme aus einer Region, die sehr früh sehr stark auf Windkraft gesetzt hat. Zum Schaden war es nicht.

Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?

Zurück zum Atommüll-Endlager: Das kleinkarierte Aufrechnen kennen nicht nur die Bayern. Thüringens Innenminister brachte allen Ernstes in die Debatte die Forderung ein, bei der Suche nach dem Endlagerstandort zu berücksichtigen, "dass die Atomwirtschaft stark westdeutsch geprägt war und beispielsweise auch die Gewerbesteuern dort vereinnahmt wurden". Meines Wissens kommt der Strom aus der Steckdose. Und die sieht in Ost wie West gleich aus.

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Aber auch in Sachsen regt sich Widerstand. Der CDU-Landrat von Görlitz stellt sofort fest: Man sei schließlich schon über 100 Jahre in einer nationalen Aufgabe gewesen: "In der Braunkohle! Und jetzt sollen wir eventuell wieder eine nationale Aufgabe übernehmen. Das lehne ich vom Grundsatz her ab."

Fakt ist, dass bisher nur mögliche Standorte genannt worden sind, die allein theoretisch in Frage kommen. Letztendlich muss der nach rein wissenschaftlichen Kriterien am meisten geeignete Standort gefunden werden. Dass Söder bereits jetzt in Wallung gerät, ist kein guter Beitrag zum Tag der Einheit.

Im Video: Wohin mit dem Atommüll? Gorleben bei Endlager-Suche raus