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Kommentar: Ab heute ist Markus Söder ein Loser – und Annalena Baerbock nicht

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
War es das mit Markus Söders Kanzlerträumen? Bayerns Ministerpräsident bei einer Pressekonferenz am vergangenen Sonntag in Berlin (Bild: Tobias Schwarz/Pool via REUTERS)
War es das mit Markus Söders Kanzlerträumen? Bayerns Ministerpräsident bei einer Pressekonferenz am vergangenen Sonntag in Berlin (Bild: Tobias Schwarz/Pool via REUTERS)

Beide sind nicht alt und haben zu jedem eine Meinung – doch das sind die einzigen Gemeinsamkeiten zwischen dem CSU-Chef und der Grünen-Chefin. Söder demontiert sich gerade selbst, während Baerbock zeigt, dass sie das Zeug zur Kanzlerin hat.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Jetzt macht er doch alles falsch. Kurz vor dem Ziel vermasselt Markus Söder seinen größten Traum – den vom Kanzleramt. Bis gestern hatte sich der bayerische Ministerpräsident keinen Fehler geleistet. Doch nun frisst sein Ehrgeiz die Fassade, die er sich in den vergangenen drei Jahren zimmerte.

Noch am vergangenen Sonntag hatte er auf kontrollierte Offensive gesetzt – wie es Otto Rehhagel formulieren würde. Söder signalisierte seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur für die Union, aber nur, wenn die CDU ihn breit wolle. Einen Tag später dann entschieden das Präsidium und der Bundesvorstand, dass sie breit seinen Wettbewerber Armin Laschet als Kandidaten wollen – das sind nicht irgendwelche Gremien, allein im Vorstand sitzen 26 gewählte Politiker, zusätzlich zum Präsidium, das in Spitzenzeiten auch auf zwei Dutzend Mitglieder kommt.

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Doch das ficht Söder nicht an. „Parteien in dieser Zeit können nicht einfach nur von oben geführt werden“, sagte er Stunden später. Das ist kein Rückzug, sondern pure Missachtung der Schwesterpartei. Weil Söder in Umfragen deutlich besser als Laschet dasteht, zieht er jetzt den Populistenjoker. Und jeder weiß: Wäre es andersrum, würde er auf dem Wert der Gremien, also denen „da oben“, bestehen. Das nennt man prinzipienlos.

Was denn nun?

Die vergangenen drei Jahre hat Söder Kreide gefressen. Dass er aufhörte, mit rassistischen Slogans Wahlkampf zu machen, ist anzuerkennen. Auch seine neue Liebe für Bienen und Bäume ist an sich gut – wenn auch nie klar wurde, wie viel daran Überzeugung, wie viel ein Buckel vor dem Zeitgeist und wie viel schlichte Wahltaktik war. Söder ist das Chamäleon der deutschen Politik, der mit dieser Camouflage sehr weit gekommen ist. Aber will man ihn im Kanzleramt?

Grünen-Chefin Annalena Baerbock. (Bild: Sean Gallup - Pool / Getty Images)
Grünen-Chefin Annalena Baerbock. (Bild: Sean Gallup - Pool / Getty Images)

Er hätte sich jemanden zum Vorbild nehmen können. Annalena Baerbock vollzieht in diesen Tagen das Kunststück, tatsächlich ernste Anwärterin für den Einzug ins Kanzleramt zu sein. Die Co-Sprecherin der Grünen hat mit Söder gemeinsam, dass beide nicht zur älteren Generation gehören; Baerbock ist gar deutlich jünger. Beide können einen gewissen „Aufbruch“ für sich reklamieren, wobei Söder aber in Gremien sitzt, seit er der Pubertät entsprang. Söder tönt, während Baerbock eher leise von sich reden macht. Ihre Haltung zu „Bienen und Bäumen“ ist authentischer, sie ist Brückenbauerin zu „Fridays for Future“ der Jugend und dem Mittelstand der Älteren. Bei ihr ist eine Haltung stets erkennbar gewesen.

Was Söder noch lernen kann

Mit Söder hat sie gemeinsam, dass sie zu allem und jedem etwas zu sagen hat. Aber ihre Inhalte sind nachvollziehbar, während man bei Söder vorher und nachher die politische Wettervorhersage studieren muss, um seine wahren Motive zu erkennen.

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Auch wird Baerbock in keinen destruktiven Machtkampf mit Co-Sprecher Robert Habeck einsteigen – beide wollen die Spitzenkandidatur, aber die Entscheidung wird aller Voraussicht nach ohne öffentlichen Streit kommen. Nicht also wie Söder heute, der im Grunde der CDU-Führung den Fehdehandschuh hinwirft. Ab heute tritt er nicht mehr verantwortungsvoll im Sinne der Union auf, sondern nur noch federführend in Sachen eigener Karriere. Das macht ihn zum Loser. Und er könnte von Baerbock lernen – für den nächsten Versuch in vier Jahren.

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