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Knorr-Bremse kauft Sheppard und baut seine Position bei Lenksystemen aus

Die Münchener profitieren von den Kartellauflagen bei der Wabco-Übernahme durch ZF: Das Bremsenunternehmen kauft Wabco den Lenkungshersteller ab.

Der Bremsenhersteller Knorr-Bremse kauft seinem US-Konkurrenten Wabco für 150 Millionen Dollar den Lenkungshersteller Sheppard ab. Das Münchener Unternehmen teilte am Donnerstag mit, durch die Übernahme baue man seine internationale Position bei Lenksystemen aus.

Vor einem Jahr hatte Knorr-Bremse von Hitachi den Lenkungsbereich für Nutzfahrzeuge übernommen. „Für Knorr-Bremse ist die Übernahme von Sheppard ein weiterer wesentlicher Schritt in unserer Strategie, globaler Hersteller von Lenksystemen für Nutzfahrzeuge zu werden“, sagte Knorr-Bremse-Vorstand Peter Laier.

Die Integration von Lenkung und Bremse könne „erweiterte Funktionen der Fahrerassistenz und des automatisierten Fahrens realisieren“ und Kosten sparen. Allerdings dürfte es noch einige Zeit dauern, bis der Zulieferer aus den einzelnen Komponenten von Lenkung und Bremse einheitliche Systeme formt.

Knorr-Bremse rechnet allerdings mit einer zügigen Integration, die über die US-Tochter Bendix laufen soll. Knorr-Bremse ist Weltmarktführer für Bremssysteme für Schienen- und Nutzfahrzeuge und hat 2018 einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Wabco wird gerade von dem württembergischen Autozulieferer ZF Friedrichshafen für 6,2 Milliarden Euro übernommen, muss dafür aber nach Vorgaben der Kartellbehörden Sheppard abgeben. Sheppard ist neben ZF der einzige Hersteller von Lenkungskomponenten für große Nutzfahrzeuge in Nordamerika. Die Technologie von Sheppard genießt in Branchenkreisen einen guten Ruf.

Der Markt für Lenkungen und Bremsen hat sich in den vergangenen Jahren durch Übernahmen neu sortiert. Im Zuge der Milliarden-Übernahme des Zulieferers TRW bekam ZF vor sechs Jahren erhebliches Lenkungsgeschäft hinzu.

Aus Kartellgründen musste sich ZF damals aus dem eigenen Lenkungs-Joint-Venture mit Bosch zurückziehen. Seiher führt der weltgrößte Autozulieferer Bosch dieses Lenkungsgeschäft allein.

Stimmung zwischen ZF und Knorr-Bremse gilt als angespannt

Wabco hatte Sheppard vor drei Jahren übernommen, um sein Bremsengeschäft mit der Lenkung besonders im Hinblick auf Fahrerassistenzsysteme fürs autonome Fahren zu kombinieren. In der gleichen industriellen Logik agiert jetzt Knorr-Bremse.

Pikant am Rande: Knorr-Bremse hatte ZF 2016 die Übernahme des schwedischen Lkw-Bremsenherstellers Haldex durch Überbieten vermasselt. Knorr-Bremse wollte unter allen Umständen verhindern, dass der weitaus größere ZF-Konzern auf den Bremsenmarkt vordringt.

Knorr-Bremse scheiterte bei Haldex dann aber wie von Branchenexperten erwartet selbst an Kartellauflagen. Seither galt die Stimmung zwischen ZF und Knorr-Bremse als angespannt.

Nur weil ZF bei Haldex nicht zum Zuge kam, startete das Stiftungsunternehmen vom Bodensee zwei Anläufe, um den belgisch-amerikanischen Bremsenhersteller Wabco zu übernehmen. Der zweite Anlauf glückte im vergangenen Jahr. Sheppard war die einzige kartellrechtlich relevante Überschneidung und landet jetzt beim ungeliebten Rivalen Knorr-Bremse.

Immer wieder war in der Vergangenheit über ein Zusammengehen von ZF mit Knorr-Bremse spekuliert worden. Aber die deutsche Königslösung scheiterte wohl mehrmals an den Preisvorstellungen von Knorr-Bremse-Eigentümer Heinz Herrmann Thiele. Seit dem Teilbörsengang der Münchener im Herbst 2018 und der Übernahme von Wabco durch ZF, die laut Branchenkreisen in den nächsten Wochen vollzogen wird, ist dieses Thema aber endgültig erledigt.