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Dax geht oberhalb der 13.000-Punkte-Marke aus dem Handel – kräftiges Wochenplus

·Lesedauer: 7 Min.

Der Anstieg über die psychologisch wichtige Marke kam für viele Anleger überraschend. Solch eine Situation spricht für weiter steigende Aktienkurse.

Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Der deutsche Aktienmarkt bleibt zum Wochenausklang in freundlicher Stimmung, auch wenn der Dax mit 13.051 Zählern nur 0,1 Prozent über dem Vortagessschluss schließt. Doch damit verteidigt der Index seine hohen Wochengewinne von rund 2,5 Prozent.

Der Handel verlief ruhig, die Tagesspanne lag unter 80 Zählern. Am Donnerstag hatte das deutsche Börsenbarometer zum Erstaunen vieler Beobachter mit einer gewissen Leichtigkeit die Marke von 13.000 Punkten überwunden. Es fiel vielen Marktteilnehmern schwer, diesen Anstieg zu begründen.

Die einzige Erklärung, die seit Längerem für alle nicht erklärbaren Kursbewegungen herhalten muss, ist, dass Anleger doch noch auf ein Stimulus-Paket vor dem Wahltag in den USA hoffen.

Der Mangel an vernünftigen Erklärungen für den Anstieg spricht eher für weiter steigende Kurse. „Es sieht so aus, als ob die Aktienmärkte den Möchtegern-Bullen wieder einmal davonlaufen würden“, meint Verhaltensökonom Joachim Goldberg. Mit „Möchtegern-Bullen“ sind diejenigen Anleger gemeint, die auf günstige Einstiegskurse gewartet haben. In vielen Fällen steigen diese Anleger dann zu höheren Kursen ein und stützen damit einen Kursanstieg.

Aus technischer Sicht muss der Dax zunächst die Marke von 13.116 Zählern überwinden. Das wäre der Startschuss für eine klassische US-Wahlrally, die in den meisten Fällen einige Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin startet. 2020 wird am 3. November gewählt.

„Gelingt der Befreiungsschlag, dann winkt ein Anlauf der deutschen „Bluechips“ auf das Verkaufshoch von Anfang September bei 13.460 Punkten“, meinen die technischen Analysten der Bank HSBC.

Mit 13.460 Zählern ist die höchste Notierung seit dem Corona-Crash Mitte März dieses Jahres gemeint. Anschließend rückt schon wieder das Allzeithoch bei 13.795 Zählern in Reichweite, das der Leitindex Ende Februar 2020 erreichte.

Die HSBC-Charttechniker sind optimistisch, weil die US-Börsen wichtige Schlüsselmarken zurückerobert haben: Die Rahmenbedingungen stimmen – und daraus sollte auch der Dax letztlich Kapital schlagen können.

Blick auf die Einzelwerte

Infineon: Von der Konsolidierungsphase in der Halbleiterindustrie profitiert die Aktie seit Längerem. In den vergangenen vier Wochen war der Titel mit einem Plus von 16,35 Prozent der Dax-Titel mit der besten Performance. In den vergangenen zwölf Monaten war lediglich Indexneuling Delivery Hero (plus 145 Prozent) besser als die Aktie des Chipherstellers, der mehr als 71 Prozent zulegen konnte. Auch an diesem Freitag ging es weiter aufwärts. Die Aktie stieg um weitere 2,5 Prozent und führte die Dax-Gewinnerliste an.

Sie profitierte von einer möglichen weiteren milliardenschweren Übernahme. Laut dem „Wall Street Journal“ befinden sich US-Wettbewerber in fortgeschrittenen Gesprächen zur Übernahme des Rivalen Xilinx. Das Geschäft könnte ein Volumen von mehr als 30 Milliarden Dollar haben.

Henkel: Anleger griffen bei der Aktie nach Vorlage von vorläufigen Quartalszahlen zu. Die Papiere gewannen 1,4 Prozent. Der in der ersten Jahreshälfte von der Coronakrise gebeutelte Konsumgüterkonzern traut sich nach Zuwächsen im dritten Quartal wieder eine Prognose für das Gesamtjahr zu und rechnet mit einem Rückgang des organischen Umsatzes von ein bis zwei Prozent.

Zalando: Der Modeversand Zalando hebt nach einem Umsatz- und Gewinnsprung im dritten Quartal seine Jahresprognose an. Die Aktie des Modehändlers zählte bereits am Donnerstag mit einem Plus von 2,6 Prozent zu den Tagesgewinnern im MDax. Am Freitag ging es weitere 3,2 Prozent aufwärts. Zalando gilt für den Fall einer Vergrößerung des deutschen Aktienindexes (Dax) als wahrscheinlicher Aufstiegskandidat.

BASF: Der Chemiekonzern hat wegen Wertberichtigungen und Restrukturierungskosten tiefrote Zahlen geschrieben. Die Aktie führte mit einem Minus von 3,87 Prozent die Verliererliste an. Unter dem Strich fuhr der Konzern im dritten Quartal einen Verlust von 2,12 Milliarden Euro ein, nach einem Gewinn von 911 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. BASF leidet in der Coronakrise unter dem Nachfragerückgang etwa aus der Autoindustrie.

Für das Gesamtjahr 2020 stellt BASF nun einen Betriebsgewinn von drei bis 3,3 (2019: 4,6) Milliarden Euro in Aussicht. Der Umsatz werde auf 57 Milliarden bis 58 (59,3) Milliarden Euro schrumpfen.

Rolls Royce: Schnäppchenjäger haben dem britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce den größten Wochengewinn seit seinem Börsengang 1987 beschert. Der Wert der Aktien verdoppelte sich in etwa in der abgelaufenenen Woche, allein am Freitag gewannen die Papiere in der Spitze knapp 30 Prozent. Das Unternehmen will fünf Milliarden Pfund am Markt aufnehmen, um sich für schwierige Zeiten zu rüsten. Diese Kapitalerhöhung „bereitet Rolls-Royce ausreichend auf eine unsichere Erholung vor und beseitigt alle schwelenden Sorgen in Zusammenhang mit der Liquidität und sogar der Solvenz“, sagte Berenberg-Analyst Andrew Gollan.

Blick auf andere Assetklassen

Die türkische Lira gerät schon seit vielen Tagen unter Druck: Auch am heutigen Freitag fällt die Währung gegenüber dem Dollar und dem Euro auf ein neues Rekordtief. Im Gegenzug steigt die Gemeinschaftswährung in der Spitze auf 9,3679 Lira für einen Euro beziehungsweise 7,9558 Lira für einen Dollar. Später kostete ein Dollar dann nur noch 7,8495 Dollar.

Der ungebremste Verfall der Währung dürfte nicht so einfach mit geopolitischen Spannungen zu erklären sein. Denn solche Spannungen sind seit Jahren praktisch an der Tagesordnung.

Eher dürfte der Trend zu schwindenden Devisenreserven beim Verfall mithelfen. Laut den Daten vom Donnerstag hatten die Netto-Devisenreserven der türkischen Zentralbank den niedrigsten Stand seit März 2004 erreicht und beliefen sich am 2. Oktober auf 16,80 Milliarden Dollar.

Wichtig ist noch eine andere, für den Devisenmarkt stets wichtige Kennzahl. Die „frei verfügbaren Reserven“, bei denen Devisen-Mindestreserven, die Banken bei der türkischen Zentralbank halten, ausgenommen sind. Diese Zahl rutscht seit Ende August stetig in negatives Territorium ab und erreichte Ende September minus acht Milliarden Dollar. Anders gesagt: Die Türkei als Staat hat weniger Gesamtreserven als ihre Banken.

Einige Reserven wurden für sinnlose Deviseninterventionen im Juni und Juli geopfert, die bereits im August für Marktturbulenzen sorgten. Goldman Sachs geht davon aus, dass die Türkei allein in diesem Jahr fast 80 Milliarden Dollar verbrannt hat, um die Währung zu stützen.

Die Commerzbank-Devisenanalysten bleiben bei ihrer Einschätzung, die sie seit längerer Zeit vertreten: Letztlich wird es schwierig, so etwas wie ein IWF-Hilfspaket zu vermeiden. Auf die politischen Auswirkungen in der Türkei darf man dann gespannt sein.

Was die Charttechnik sagt

Nur 15 Punkte haben dem Dax am Donnerstag Handelstag gefehlt, um einen wichtigen Widerstand zu überwinden. Es handelt sich um die Abwärtskurslücke von Mitte September. Solche Abwärtskurslücken entstehen, wenn der tiefste Punkt eines Handelstags über der höchsten Notierung des Folgetags liegt.

Der tiefste Kurs am 20. September lag bei 13.116 Zählern, der höchste Kurs am 21. September bei 12.999 Punkten. Der Widerstand wäre also überwunden, wenn der Dax über 13.116 Zähler klettern würde. Doch der Index hat es am Donnerstag nur auf 13.101 Punkte geschafft.

Auf der Unterseite ist die 50-Tages-Linie zu beachten, die aktuell bei 12.887 Punkten liegt. Diese Linie gibt den mittelfristigen Trend vor.

Darunter liegt noch eine kleine Aufwärtskurslücke von Anfang der Woche. Solche Lücken entstehen wiederrum, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Konkret: 12.690 war der höchste Stand am Freitag, 12.728 der tiefste Kurs am Montag.

Sollte das Börsenbarometer unter die Marke von rund 12.200 Zählern fallen, wäre der gesamte positive Trend aus charttechnischer Sicht in Gefahr. Dort liegt unter anderem mit 12.168 Punkten die für langfristige Investoren wichtige 200-Tage-Linie. Doch davon ist der Index derzeit weit entfernt.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.