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Wann sich eine Klimaanlage für eure Mietwohnung lohnen kann — und was ihr vor einer Installation klären solltet

·Lesedauer: 8 Min.
Mobile Klimageräte sind oft leichter in der Wohnung anzubringen - laut unserem Autor nutzen sie aber wenig.
Mobile Klimageräte sind oft leichter in der Wohnung anzubringen - laut unserem Autor nutzen sie aber wenig.

Auch wenn wir bis vor wenigen Wochen noch gedacht haben, dass es dieses Jahr vielleicht gar keinen Sommer mehr geben würde: Jetzt ist er da. Und neben angenehmen Begleiterscheinungen wie Grillen oder Baden gibt es leider auch den Hitzestau in der Wohnung.

Und der kann es in sich haben. Schon ein paar 30-Grad-Tage am Stück können dafür sorgen, dass das Zuhause sich schnell einmal um zehn bis zwanzig Grad aufheizt. Vor allem diejenigen unter euch mit Wohnungen im Dachgeschoss werden die Problematik kennen.

Weil viele Gebäude noch immer schlecht oder gar nicht gedämmt sind, setzt sich die Hitze ab diesem Moment so richtig fest. So bleiben zum Schlafen eher unangenehme 30 Grad, auch wenn die Luft draußen nachts auf 20 oder sogar 15 Grad abkühlt. Was absurd klingt, ist für viele Leidgeprüfte harte Realität. Wer würde in solch einer Situation also nicht an eine Klimaanlage denken? Viele Hersteller versprechen hier eine „schnelle Lösung bei Sommerhitze“ und machen Werbung für Geräte ab 150 Euro. Klingt verlockend.

Doch leider ist die Sache nicht so einfach wie im Auto, wo eine effektive Kühlung mittlerweile Standard ist. Für viele Geräte für Zuhause gilt: Die meisten sind ihr Geld schlicht nicht wert. Sie sind vielleicht auf den ersten Blick günstig, aber ihr geringer Wirkungsgrad, der Lärm während des Betriebs und die laufenden Stromkosten stehen oftmals in keinem Verhältnis zur Kühlleistung. Das sagt unter anderem die Stiftung Warentest. Und auch ich selbst habe diese Erfahrung in einer schlecht isolierten Altbauwohnung in der Innenstadt gemacht. Aber es gibt auch gute Produkte.

Grundsätzlich solltet ihr wissen: Bei Klimaanlagen für Zuhause unterscheidet man zwischen sogenannten Monoblock- und Split-Geräten. Erstere sind meist auf Rollen montiert, ab ungefähr 120 Euro zu haben und sie werden direkt in den zu kühlenden Raum eurer Wohnung gestellt. Allerdings haben die meist schweren, klobigen und wenig stylisch designten Maschinen einen ziemlich dicken Schlauch, der die warme Innenluft ins Freie transportieren soll. Und dieser muss natürlich durchs offene Fenster nach außen gestopft werden. Mit der unangenehmen Folge, dass über, unter und neben dem Schlauch Löcher klaffen, die irgendwie (am besten mit Handtüchern oder sogenannten „Hot-Air-Stopps“, einer Art Vorhang aus Spezialstoff) gestopft werden müssen, damit die heiße Außenluft nicht auch noch ins Wohnungsinnere kommt.

Ihr merkt schon: Der Wirkungsgrad dieser ganzen Anlage hat eine Tendenz zum Suboptimalen. Wesentlich dazu trägt auch bei, dass die Monoblock-Geräte beim Arbeiten im Wohnungsinneren einen Unterdruck erzeugen, der dafür sorgt, dass die heiße Sommerluft von außen mit besonderer Penetranz durch jede Fensterritze gesogen wird. Es bleibt in der Regel also warm in der Wohnung. An mal eben schnelles Herunterkühlen nach der Arbeit oder vor dem Schlafengehen ist praktisch nicht zu denken. Auf diesen Umstand weist auch das gemeinnützige Portal CO2online hin.

Höhere Kosten für guten Wirkungsgrad

Wer einen anständigen Wirkungsgrad haben möchte, muss etwas mehr Geld in die Hand nehmen und sich ein sogenanntes Split-Gerät anschaffen. Der Name kommt daher, dass es aus zwei Einheiten besteht: einer, die außen hängt oder steht, und einer, die im Wohnungsinneren angebracht ist. Ihr kennt derartige Geräte vielleicht aus dem Griechenland- oder Italienurlaub. Dort hängen sie, die oftmals von Firmen wie Mitsubishi, Daikin oder Toshiba hergestellt werden, in praktisch jeder Wohnung und jedem Hotelzimmer. „Solche Split-Geräte sind seit fünf bis sechs Jahren auch in ganz normalen deutschen Privatwohnungen zum Standard geworden“, bestätigt mir ein Unternehmen, das auf Kältetechnik spezialisiert ist.

Doch diese Art von Geräten lassen sich nicht einfach beim Elektronikshop um die Ecke kaufen und auf dem Gehsteig nach Hause rollen. Stattdessen müssen sie relativ aufwändig von zertifiziertem Fachpersonal installiert werden. Auch deshalb, weil mit Kältemitteln hantiert wird, die keinesfalls in die Atmosphäre entweichen dürfen. Zudem muss zwischen den beiden Geräteeinheiten eine Leitung verlegt werden, und zwar durch die Außenwand der Wohnung.

Eine Klimaanlage an der Fassade eines Hauses.
Eine Klimaanlage an der Fassade eines Hauses.

Diese sogenannte bauliche Veränderung muss im Vorfeld vom Vermieter abgesegnet sein. Wohnungseigentümer in Mehrfamilien- oder größeren Häusern benötigen für den Einbau in der Regel eine Genehmigung der Eigentümergemeinschaft. Zudem kann es passieren, dass sich Nachbarn über den Geräuschpegel der Geräte beschweren. Ihr solltet euch also im Vorfeld gut überlegen, ob sich das Ganze für euch lohnt, und das neue Gerät nicht mehr Ärger macht, als es Nutzen bringt.

Stiftung Warentest untersucht Klima-Geräte

Die Stiftung Warentest hat erst kürzlich wieder Monoblöcke und Split-Geräte getestet. Und ist zur Einschätzung gekommen, dass man sich Erstere sparen kann. Das „beste“ hat nur die Schulnote 4 bekommen, es kühlt nur „ausreichend“, auch in den Kategorien „Umwelteigenschaften“ und „Sicherheit“ ist nur eine Vier drin.

Bei den Split-Geräten sieht die Sache anders aus. Hier hat das beste die Schulnote 2 bekommen, „Kühlen“, „Handhabung“ und „Umwelteigenschaften“ sind mit „gut“, die „Sicherheit“ sogar mit „sehr gut“ bewertet.
Neben den Kosten für die Split-Geräte an sich (die von der Stiftung Warentest für „gut“ befundenen kosten mindestens 2000 Euro) kommen dann noch die für Strom und die Installation dazu. Auch an Monteure zu kommen, dürfte aktuell schwierig sein. Ein von mir kontaktiertes auf Kältetechnik spezialisiertes Unternehmen sagt, in ungefähr einem Monat sei der nächste Termin frei.

Zudem lehnt man es ab, ein von mir schon online gekauftes Gerät einzubauen. Stattdessen möchte man mir eines aus dem eigenen Produktkatalog andrehen. Zudem solle ich mir als Mieter den Kauf eines Geräts gut überlegen, rät man mir ehrlicherweise. Die Splitgeräte seien zwar „energetisch gesehen“ besser, der Aufwand des Einbaus hingegen in manchen Fällen aufwändig, besonders bei vorhandenen Stahlbetonwänden. In jedem Fall solle ich vorher alles mit meinem Vermieter abklären und mir dessen OK abholen, lautet der Rat.

Immerhin: Ein einmal voll funktionsfähiges Split-Gerät verdient, im Gegensatz zu den Monoblock-Brüdern, zumindest das Prädikat „Klimaanlage“. Die Stiftung Warentest schreibt, dass die geprüften Split-Geräte Räume in sechs bis neun Minuten abkühlen. Was natürlich auch daran liegt, dass warme Luft von draußen nicht nach strömt. Der Strom fürs Kühlen koste bei guten Modellen „um die 40 Euro in einem durch­schnitt­lichen Jahr“, wie es heißt. Der Kältetechnik-Betrieb warnt mich jedoch: „Wenn Sie zwei nebeneinander liegende Räume mit nur einer Inneneinheit kühlen möchten, klappt das nur in den wenigsten Fällen“, sagt der Experte. Hier sollte ich über eine Außen- und zwei Inneneinheiten nachdenken, was die Kosten aber schnell verdoppeln könne, wie man mir vorrechnet.

Split-Klimaanlage im Dachgeschoss einer Wohnung.
Split-Klimaanlage im Dachgeschoss einer Wohnung.

Egal, für welche Art von Klimaanlage ihr euch letztendlich entscheidet: Relevant für die Auswahl des Geräts ist in erster Linie einmal die Raumgröße. Also: Je größer und höher (Achtung bei Altbauten mit hohen Decken!) ein Raum ist, desto mehr Kühlleistung wird vom Gerät erwartet. Die Stiftung Warentest hat für Würzburg eine Simulation durchgeführt, wobei es um die Kühlung von drei gut gedämmten Räumen mit Fenstern nach Süden ging. Das Ziel war, nie mehr als 26 Grad in der Wohnung zu messen. Das Fazit der Tester: Die Split-Geräte haben die Aufgabe gut erfüllt, die Monoblöcke sind allesamt durchgefallen.

Persönliche Erfahrung: Lieber kein Monoblock-Gerät!

Auch meine persönliche Erfahrung mit einem Monoblock vor ein paar Jahren lautet: Lieber die Finger davon lassen! Das Gerät war nicht nur ineffizient, sondern auch noch ziemlich laut. An eine angenehme Unterhaltung in normaler Gesprächslautstärke im gleichen Raum war praktisch nicht mehr zu denken.

Immerhin habe ich es an einem Tag mit 30 Grad Außentemperatur nach ungefähr 30 Minuten geschafft, das Zimmer auf 26 Grad herunterzukühlen. Zunächst ein Gefühl des Triumphs, trotz der Lautstärke. Dann habe ich das Gerät ausgeschaltet, nur um festzustellen, dass ich innerhalb weniger Minuten die sommerliche Außentemperatur wieder im Innenraum hatte. Mit Monoblock-Geräten gegen die Hitze zu kämpfen gleicht also oftmals einem Kampf gegen Windmühlen.

Das einzig Positive ist, dass die Geräte während des Betriebs die Raumluft entfeuchten, was dazu führt, dass ihr euch, zumindest während des Betriebs, etwas weniger verschwitzt fühlt. Aber einen gefühlt ähnlichen Effekt bekommt ihr auch mit einem handelsüblichen Ventilator, und zwar preisgünstiger und leiser.

Ob euch das Experiment die hohen Stromkosten wert ist, müsst ihr selbst entscheiden. Die Verbraucherzentrale rät dazu, sich den Kauf „gut zu überlegen“. Bei durchschnittlich 20 Hitzetagen pro Jahr lohne sich der Kauf meist nicht. Das Verbraucherportal Testberichte.de hat kürzlich errechnet, dass für mobile Klimageräte für Raumgrößen zwischen 15 und 30 Quadratmetern durchschnittlich 90 Euro Stromkosten pro Jahr anfallen. Solche, die für 31 bis 45 Quadratmeter ausgelegt sind, verursachen rund 110 Euro.

Kältemittel sind oft umweltschädlich

Und dann kommt noch ein weiterer Umweltgedanke ins Spiel: Auch wenn einige Geräte auf dem Markt noch immer auf die extrem klimaschädlichen synthetischen Kältemittel setzen, nutzen viele mobile Klimaanlagen mittlerweile das vergleichsweise umweltfreundliche Propan (R290). Bei Split-Geräten dagegen wird noch häufig das von Umweltschützern verpönte Kältemittel R32 verwendet. Bei einem Austritt belastet es das Klima laut Statistik 675-mal stärker als Kohlen­dioxid.

Wichtig ist auch zu wissen: Für mobile Klimageräte gelten noch nicht die neuen Energielabel, die ab März 2021 für viele Elektrogeräte eingeführt worden sind. Daher führen die meisten Modelle noch das alte Energielabel mit den für viele Verbraucherinnen und Verbraucher verwirrenden vielen Plus-Zeichen.

Ein Tipp zum Schluss: Der beste Hitzeschutz ist natürlich, die Hitze erst gar nichts ins Gebäudeinnere zu lassen und somit auch eine eventuell vorhandene Klimaanlage zu entlasten. Dabei helfen können euch eine effektive Dämmung der Außenwände und auch Sonnenschutz anhand von Fensterläden oder Fensterfolien für außen. Wenn ihr weitsichtig denkt, investieren wollt und könnt und euer eigenes Haus habt, könntet ihr euch auch eine moderne Wärmepumpe anschaffen. Mit einer solchen könnt ihr nicht nur an kalten Tagen heizen, sondern auch im Sommer kühlen.

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