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KiKA-Moderatorin Jessica Schöne: "Wir müssten Kinder schon viel früher ernster nehmen"

"Mich beeindruckt, dass Kids und Jugendliche Probleme offenbar unmittelbarer wahrnehmen und sofort etwas dagegen machen": Moderatorin Jessica Schöne staunt über das Engagement der jüngeren Generation für den Umweltschutz. (Bild: Felix Rachor)
"Mich beeindruckt, dass Kids und Jugendliche Probleme offenbar unmittelbarer wahrnehmen und sofort etwas dagegen machen": Moderatorin Jessica Schöne staunt über das Engagement der jüngeren Generation für den Umweltschutz. (Bild: Felix Rachor)

Viele Kinder und Jugendliche setzen sich für den Umweltschutz ein - doch trotz des oft beeindruckenden Engagements hat KiKA-Moderatorin Jessica Schöne auch Mitleid mit der jüngeren Generation. "Mir tut es leid, dass Kinder heute schon so früh mit derartigen Themen beladen sind", erklärt sie im Interview.

Wie erklären Eltern ihren Kindern am einfachsten, warum die Ozeane in Gefahr sind? Oder warum auf der Welt das Wasser knapp wird? - Um den Jüngeren solche eigentlich hochkomplexen Themen näherzubringen, geht am Freitag, 15. September, die ZDFtivi-Themenseite "Unser Wasser" in der ZDFmediathek online. Formate wie "PUR+" und "Löwenzahn" widmen sich dort dem Thema Wasser. Außerdem wird die vierteilige Spielshow "Earthgame - Die Wasserretter" (Samstag, 16. September, 9.30 Uhr, ZDF, und Samstag, 16. September, ab 20.10 Uhr, KiKA) ausgestrahlt. Sie wird von der ehemaligen "KiKA LIVE"-Moderatorin Jessica Schöne präsentiert.

In der Sendung müssen jeweils vier Jugendliche, die sich privat an Wasserschutzprojekten beteiligen, durch verschiedene Wissensspiele, virtuelle Umweltschäden beheben. "Es begeistert mich immer, wenn ich sehe, dass sich die Kids nicht so viele Gedanken über mögliche Hürden machen und für Veränderungen einstehen", schwärmt die 34-Jährige. Warum die Gesellschaft das Engagement von Kindern ernster nehmen muss, und wieso sie "eine große Verantwortung bei den Schulen" sieht, erklärt die gebürtige Stuttgarterin im Interview.

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teleschau: Wenn es um den Klimawandel geht, wirken die Jungen derzeit oft engagierter als die Erwachsenen. Sehen Sie das auch so?

Jessica Schöne: Erwachsene reden häufig und fragen sich lange, was man tun kann. Dabei vergehen oft Monate und Jahre. Mich beeindruckt, dass Kids und Jugendliche Probleme offenbar unmittelbarer wahrnehmen und sofort etwas dagegen machen. Es begeistert mich immer, wenn ich sehe, dass sich die Kids nicht so viele Gedanken über mögliche Hürden machen und für Veränderungen einstehen. So war das bei "Earthgame - Die Wasserretter" auch. Da hat man schon gemerkt, dass die Teilnehmer nicht nur engagiert sind, sondern auch viel Ahnung haben.

teleschau: Sollten sich Erwachsene von den Jungen etwas abschauen?

Schöne: Absolut. Ich bin großer Fan davon, wenn sich Familien diese Sendungen gemeinsam anschauen. Auch Erwachsene können eine Menge durch derartige Formate lernen, die primär für Kinder und Jugendliche sind. Da brechen wir einfach runter, was man jetzt schon machen kann. Und wir zeigen dem jungen Publikum Heranwachsende, die sich bereits engagieren. Wenn jeder ein bisschen was tut - sei es auf dem Schulhof oder daheim -, ist schon einiges erreicht.

teleschau: Was haben Sie aus der Sendung mitgenommen?

Schöne: Gerade, was Kleidung angeht, habe ich viel gelernt in der Show. Unglaublich, wieviel Wasser allein für eine Jeanshose verbraucht wird! Es war für mich ein Schockmoment, die Zahlen vor mir im Studio zu sehen. Vielleicht bewegt das auch die älteren Geschwister oder Eltern dazu, über den eigenen Konsum nachzudenken und gewisse Dinge zu ändern.

"Kinder werden oftmals erst dann ernst genommen, wenn sie lauter werden oder Aktionen planen, die bei den Erwachsenen nicht gut ankommen", erklärt Jessica Schöne. "Das finde ich sehr schade, weil es der Sache nicht dient." (Bild: ZDF/Katja Inderka)
"Kinder werden oftmals erst dann ernst genommen, wenn sie lauter werden oder Aktionen planen, die bei den Erwachsenen nicht gut ankommen", erklärt Jessica Schöne. "Das finde ich sehr schade, weil es der Sache nicht dient." (Bild: ZDF/Katja Inderka)

"Als ich so alt war, habe ich mir keine Gedanken über den Klimawandel gemacht"

teleschau: Wird der Einsatz der Kinder ernst genug genommen?

Schöne: Kinder werden oftmals erst dann ernst genommen, wenn sie lauter werden oder Aktionen planen, die bei den Erwachsenen nicht gut ankommen. Das finde ich sehr schade, weil es der Sache nicht dient. Wir müssten Kinder schon viel früher ernster nehmen. Da sehe ich auch eine große Verantwortung bei den Schulen. Die Themen müssten an das heutige Leben und die zukünftigen Probleme angepasst werden.

teleschau: Grundsätzlich darf man aber schon beeindruckt sein vom Engagement der Jugend, oder?

Schöne: Total! Als ich so alt war, habe ich mir keine Gedanken über den Klimawandel gemacht. Mir tut es leid, dass Kinder heute schon so früh mit derartigen Themen beladen sind. Auf der einen Seite ist man stolz auf den Aktivismus, auf der anderen Seite wünschte ich mir mehr Unbeschwertheit für diese Generation. Es wäre natürlich optimal, wenn die Eltern sich darüber Gedanken machen, damit die Kinder relativ unbeschwert aufwachsen können.

teleschau: Sie meinen, man sollte ein Kind einfach Kind sein lassen?

Schöne: Ja, Unbeschwertheit ist das Stichwort - das würde ich mir wünschen, gerade für die ganz Kleinen. Sie sollen einfach spielen und nicht zu sehr mit Verantwortung beladen werden. Das kommt alles früh genug. Man muss andererseits auch nicht warten, bis sie erwachsen sind, sondern von Kind zu Kind unterscheiden, ab wann man sie miteinbeziehen kann.

teleschau: Heutzutage kommen Kinder und Jugendliche am Klimawandel wohl gar nicht vorbei...

Schöne: Das stimmt. Deshalb finde ich es schön, dass wir bei "Earthgame - Die Wasserretter" die Nachricht vermitteln, dass es noch Hoffnung gibt - trotz der vielen Probleme. Ganz nach dem Motto: Wir können das schaffen!

Jessica Schöne präsentiert die vierteilige Gameshow "Earthgame - Die Wasserretter". Hier müssen Jugendliche in verschiedenen Wissenschaftsspielen virtuelle Umweltschäden beheben. (Bild: ZDF/Katja Inderka)
Jessica Schöne präsentiert die vierteilige Gameshow "Earthgame - Die Wasserretter". Hier müssen Jugendliche in verschiedenen Wissenschaftsspielen virtuelle Umweltschäden beheben. (Bild: ZDF/Katja Inderka)

"Man kann sich immer verbessern"

teleschau: Wie kann man Kindern komplexe Inhalte näherbringen?

Schöne: In unserer neuen Show zeigen wir sehr viel anhand von Modellen. Zum Beispiel, welchen großen Nutzen Moore für uns haben. Bilder prägen sich einfach viel mehr in unser Gedächtnis ein. Und wenn die Teams dann in einem Spiel beispielsweise selbst einen Fluss renaturieren, dann lernen sie wie das in der Natur funktioniert und wobei wir nachhelfen können und müssen. Ich finde Erklärungen super, aber durch Spiele und Experimente lernt man besser.

teleschau: Was sollten die Medien, was sollte das Fernsehen Ihrer Meinung nach noch tun?

Schöne: Man kann sich immer verbessern. Das ist klar. Es gibt viele Formate, die nicht wirklich gehaltvoll sind, aber eben viele Menschen unterhalten. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unterhaltung, gerade für Kinder und Jugendliche, beides abdecken kann - Unterhaltung mit Mehrwert. Und genau das machen wir auch bei der neuen Show "Earthgame - Die Wasserretter". Die Vorbereitung war kompliziert und aufwendig. Wir sind alle keine Experten, also haben wir viele Fachleute zurate gezogen. Ich wünsche mir sehr, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird und wir die Möglichkeit bekommen, noch viel mehr zu diesen Themen zu produzieren.

teleschau: Was können Eltern im Alltag noch tun, um Kinder für diese Themen zu sensibilisieren?

Schöne: Zum Beispiel können Eltern beim Spazierengehen auf den Müll aufmerksam machen. Auch spielerisch: Wer am meisten Müll gesammelt hat, ist Sieger. Am besten mit einer kleinen Schaufel oder Handschuhen (lacht). Spielerisch lernen - wenn ich eines Tages Kinder habe, möchte ich das probieren. Für viele Kids ist es heutzutage schon selbstverständlich, eine wiederverwendbare Flasche mit in die Schule zu nehmen und das Pausenbrot nicht in Alufolie einzupacken, sondern in eine Brotdose zu legen. Durch solche Kleinigkeiten merken die Kinder früh, auf die Umwelt zu achten. Es gibt viele Ideen, und das Schöne ist, dass Kinder sehr schnell lernen und begeisterungsfähig sind.

"Auf der einen Seite ist man stolz auf den Aktivismus, auf der anderen Seite wünschte ich mir mehr Unbeschwertheit für diese Generation", erklärt Jessica Schöne. (Bild: ZDF/Katja Inderka)
"Auf der einen Seite ist man stolz auf den Aktivismus, auf der anderen Seite wünschte ich mir mehr Unbeschwertheit für diese Generation", erklärt Jessica Schöne. (Bild: ZDF/Katja Inderka)