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Keine Lehrer, kein Lehrplan: Software-Akademie „42“ eröffnet neuen Standort in Berlin — und sucht 600 IT-Talente

·Lesedauer: 4 Min.

Nachdem Volkswagen als Hauptfinancier der „42“ in Wolfsburg die ersten guten Erfahrungen mit der weltweit bekannten ungewöhnlichen IT-Nachwuchs-Schmiede gemacht hat, in der die Softwareingenieure der Zukunft sich selbst ausbilden, folgt jetzt der nächste Schritt. Diese Woche hat eine weitere „42“ ihre Tore in Berlin eröffnet. Partner sind neben Volkswagen, Cariad (der Softwareentwickler von VW), SAP, Microsoft, T-Systems, Bayer sowie Capgemini.

Die großen Firmen plagt seit Jahren ein und dasselbe Problem. Sie finden nicht genügend Softwareingenieure oder KI-Experten in Deutschland. „SAP hat derzeit 1000 offene Stellen für Softwareingenieure“, sagte der SAP Personalchef für Deutschland, Cawa Younosi, auf der Auftaktveranstaltung in Berlin. „Es ist ein absoluter Arbeitnehmermarkt.“ „Auch Cariad will 1000 weitere IT-Experten einstellen“, so Cariad-Personalvorstand Rainer Zugehör. Cariad bündelt die Software-Anstrengungen von VW, das autonome Fahren sowie das Entertainment im Auto. Dazu benötigen sie Programmier. Doch der Markt ist leergefegt.

Noch suchen die Initiatoren nach einer passenden Immobilie in Berlin, an der mindestens 600 Studierende das Programmieren erlernen sollen. Objekte in Neukölln oder Wedding seien bereits unter die Lupe genommen worden. Nächstes Jahr starten die Lernwilligen, die sich zunächst schwierigen Aufnahmetests unterziehen müssen. In Wolfsburg sind von 6000 Bewerberinnen und Bewerbern 150 angenommen worden. „Der Run auf die Plätze war groß. Noch bevor verkündet worden war, dass es eine „42“ in Wolfsburg geben sollte, trudelten per Mail die ersten Bewerbungen ein“, so Max Senges, der unkonventionelle Direktor der „42“ in Berlin und Wolfsburg und ehemalige Google-Manager. Es hatte sich bereits herumgesprochen, dass es hier eine neue Chance für Programmierer gibt, die abseits der starren Lernstrukturen der Universitäten einfach mal anders vorankommen wollen.

Schwerpunkte: digitale Gesundheit, Mobilität & Smart Cities und Technologie für die Bildung

Eine formale Voraussetzung für die Schule gibt es nicht. Man braucht nicht einmal einen Schulabschluss. Auch wenn das Programm auf Englisch erfolgt, können Programmierwillige selbst mit mageren englischen Sprachkenntnissen loslegen. Max Senges: „Am Ende vom Studium sprechen alle Englisch.“ Im Juni nächsten Jahres geht es dann los mit dem Programm.

"Der Geist ist wie ein Regenschirm — er funktioniert am besten, wenn offen." Der Satz stammt von Walter Gropius, dem Gründer des Bauhaus und Vordenker praxisorientierter peer-learning Pädagogik. Rund hundert Jahre ist er alt. An diesem Leitbild orientiert sich die Schule, denn sie kommt ohne Lehrer aus. Tutoren helfen den Schülerinnen und Schülern weiterzukommen. Neben dem Programmieren kommt es vor allem darauf an zu kooperieren. "Es geht darum, die anderen zu unterstützen", so Senges. Wer dies nicht lernt, wird kein Glück an der Schule haben. Denn die Probleme seien heute derart komplex, dass sie nicht durch Einzelpersonen gelöst werden können, ist Jeanne Kehren, Senior Vice President Digital & Commercial von Bayer, überzeugt.

Dass Bayer mit an Bord ist, liegt auch daran, dass die Schule unter anderem einen neuen Bereich digitale Gesundheit haben wird. Weitere Schwerpunkte am Berliner Standort sind Mobilität & Smart Cities sowie Technologie für die Bildung.

Software-Talente aus der ganzen Welt und explizit aus allen sozialen Milieus werden ab Juni in Deutschlands Digital-Metropole in Teams digitale Systeme mit offenen Standards entwickeln. Der Aufbau des Berliner Standorts baut auf die Erfahrungen in Wolfsburg auf. In Wolfsburg geht es um Themen rund um die Zukunft der Mobilität; der Berliner Standort wird das Spektrum der Anwendungsfelder erweitern.

Nicht nur Kinder aus klassischen deutschen Akademikerhaushalten sollen dabei sein

An einer Coding-Schule lernen Studierende nicht nur, Software zu entwickeln. Im Idealfall sollen die Schülerinnen und Schüler zu kritisch reflektierenden Mitarbeitern reifen. Deswegen sollen die Studierenden auch die „Lebenskunst“ erlernen. Das Ziel lautet: Das eigene Tempo finden, Gewohnheiten für ein Leben im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen, Werten und Ambitionen einüben. Dabei kann jeder und jede mitmachen, als Studierender, Fellow, oder Partner.

Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass nicht nur Kinder aus den klassischen deutschen Akademikerhaushalten, welche die Vorstandsetagen beherrschen, in die Schule Eingang finden. Es sollen auch Jugendliche oder Erwachsene aus anderen als aus dem deutschen Kulturkreis sowie Kinder aus dem nicht-akademischen Milieu ihren Weg in die „42“ finden.

Ob dies gelingt, wird sich zeigen. Doch zumindest gibt es einen Garanten bei den Initiatoren, der dieses Ziel nicht Vergessenheit geraten lassen wird: Der Personalchef von SAP Deutschland, Cawa Younosi, der als Partner die „42 Berlin“ mit aus der Taufe gehoben hat, ist selbst ein ehemaliger Geflüchteter.

"Ich bin mit 14 Jahren ohne Eltern aus Afghanistan geflüchtet", sagte er Business Insider. „Als ich in Deutschland Jura studiert habe, hat niemand über meine Seminararbeiten geschaut. Deswegen versuche ich durch die Kooperation mit verschiedenen Initiativen, Geflüchteten Chancen zu geben, damit sie in den ersten Arbeitsmarkt gelangen können.“ Younosi ist davon überzeugt, dass Teams mit Menschen unterschiedlicher Herkunft besser sind als homogene Gruppen.

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