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Kein Wasser, kein Rauschen: Touristen geschockt vom schrumpfenden Gardasee

Kein Wasser, kein Rauschen: Touristen geschockt vom schrumpfenden Gardasee

An diesem langen Augustwochenende entdecken viele Touristinnen und Touristen, die zum größten See Italiens strömen, eine ganz andere Landschaft als in den vergangenen Jahren, einen anderen Gardasee als den, den sie kennen.

Der Gardasee verzeichnet einen der niedrigsten jemals gemessenen Pegelstände, der See ist dramatisch geschrumpft. Sonst nicht sichtbare immense Unterwasserfelsen kommen zum Vorschein, das noch verbliebene Wasser ist warm wie in der Karibik.

"Wir waren letztes Jahr hier. Weil es uns gut gefallenhat, sind wir dieses Jahr wiedergekommen", sagt Touristin Beatrice Masi, die auf einem sonnengebleichten Felsen sitzt, der weit über die normale Uferlinie des Sees hinausragt.

Wir waren schockiert. Das Wasser war nicht da.

"Die Landschaft hat sich stark verändert", erklärt Beatrice Masi. "Wir waren schockiert, als wir ankamen. Wir haben unseren üblichen Spaziergang gemacht, aber das Wasser war nicht da."

Auch auf Drohnenbildern ist die Veränderung zu sehen.

Norditalien hat in den vergangenen Monaten eine historische Dürre erlebt, die mit dem Klimawandel zusammenhängt: Es gibt so gut wie keine Niederschläge, die Temperaturen steigen.

Antonio Calanni/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Am Ufer des Gardasee im August 2022 - Antonio Calanni/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Lebenswichtige Flüsse wie der Po, die durch Italiens landwirtschaftliches und industrielles Kernland fließen, sind unter den extremen Bedingungen fast ausgetrocknet, was die Nahrungsmittelproduktion erheblich beeinträchtigt.

Italien ist nicht das einzige Land in Europa, das laut Expertenteams unter der schlimmsten Dürre seit 500 Jahren leidet.

Viele europäische Länder, darunter Deutschland, Spanien, Portugal, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien, machen in diesem Sommer eine noch nie dagewesenen Dürre durch. Landwirten macht die Trockenheit besonders zu schaffen, die Behörden ergreifen Notmaßnahmen.

Vorhersagen zufolge wird sich die Dürre in Europa verschärfen und möglicherweise 47 % des Kontinents betreffen.

Die Trockenheit im Po, dem längsten Fluss Italiens, hat den Landwirten in der Region, die 40 % der italienischen Nahrungsmittel erzeugt, bereits Verluste in Milliardenhöhe beschert.

Die Behörden haben versucht, den Mangel an Regen auszugleichen, indem sie mehr Wasser aus dem Gardasee in die lokalen Flüsse abfließen ließen. Letzten Monat haben sie jedoch die Wassermenge reduziert, um den See und den finanziell wichtigen Tourismus zu schützen.

Mit 45 Kubikmetern Wasser pro Sekunde, die in die Flüsse abgeleitet werden, lag der See am 12. August 32 Zentimeter über dem Grundwasserspiegel und damit in der Nähe der Rekordtiefstände von 2003 und 2007.

Der Bürgermeister von Garda, Davide Bedinelli, sagte, er müsse sowohl die Landwirte als auch die Tourismusbranche schützen und betonte, dass die Sommersaison für den Tourismussektor besser verlaufe als erwartet.

Ende Juli, während der jüngsten Hitzewelle in Italien, hatten Urlauberinnen und Urlauber, insbesondere aus Deutschland, ihre Reisen nach Italien abgesagt.

Antonio Calanni/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Der Gardasee sieht ganz anders aus als sonst - Antonio Calanni/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

"Die Dürre ist eine Tatsache, mit der wir dieses Jahr umgehen müssen, aber die Tourismussaison ist nicht in Gefahr", schrieb Bendinelli in einem Facebook-Post Ende Juli. Der See verliere zwei Zentimeter Wasser pro Tag.

Die Temperaturen am Gardasee liegen laut seatemperature.org über dem Durchschnitt für August.

Am Freitag hatte das Wasser des Sees eine Temperatur von fast 26°C. Das sind mehrere Grad über dem gewöhnlichen Durchschnitt.

Für Mario Treccani, der am See Liegestühle und Sonnenschirme vermietet, wirkt sich der historisch niedrige Wasserstand negativ auf sein Geschäft aus: weniger Leute brauchen seine Liegen, da es jetzt genügend Felsen gibt, auf denen man sich sonnen kann.

"Der See liegt normalerweise einen oder mehr als einen Meter höher", sagt er und zeigt auf eine kleine Mauer, die normalerweise das Wasser von den Strandkörben abhält.

"Es ist ein bisschen traurig", sagte Treccani. "Früher konnte man hier oben das Rauschen der Wellen hören. Jetzt hört man gar nichts mehr."