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„Kein Impfstoff ist perfekt“

Salz, Jürgen
·Lesedauer: 3 Min.

Die europäische Arzneibehörde EMA sowie die EU-Kommission haben den Impfstoff von AstraZeneca zugelassen. Damit sind bald drei Vakzine auf dem Markt. Jeder davon hat seine Tücken – und Vorteile.

Vor fast genau einem Jahr rief die Weltgesundheitsorganisation WHO die globale „gesundheitliche Notlage“ aus. Im Rekordtempo haben Pharma- und Biotechunternehmen seither Impfstoffe entwickelt. Erst Biontech, dann Moderna aus den USA – und an diesem Freitag gab die europäische Arzneibehörde EMA sowie die EU-Kommission dann auch grünes Licht für den Impfstoff von AstraZeneca. Zudem veröffentlichte auch noch der US-Konzern Johnson & Johnson seine finalen Testdaten.

„Kein Impfstoff ist perfekt“, zog EMA-Chefin Emer Cooke eine erste Bilanz. Will heißen: Jeder Impfstoff hat seine Tücken, aber auch seine Vorteile. Die beiden Impfstoffe von Biontech und Moderna – nach der neuen mRNA-Technologie – können vor allem mit hoher Wirksamkeit punkten. Biontech kommt auf 95 Prozent, Moderna auf 94 Prozent. Dafür ist die Handhabung und Zubereitung der beiden Vakzine eher kapriziös, zudem müssen sie bei tiefen Temperaturen gekühlt werden.

In punkto Wirksamkeit können die beiden anderen Impfstoffe nicht mithalten: AstraZeneca erreichte in Studien in Großbritannien und Brasilien nur eine Wirksamkeit von 70 Prozent. Johnson & Johnson (J & J) kommt im Schnitt auf 66 Prozent, bei schweren Krankheitsverläufen liegt die Wirksamkeit bei 85 Prozent. Der besondere Vorteil des J & J-Vakzins liegt darin, dass er nur einmal verabreicht werden muss – bei allen anderen Impfstoffen sind zwei Injektionen nötig.

Um den Impfstoff von AstraZeneca hatte es bis zuletzt heftige Diskussionen gegeben. Was für AstraZeneca spricht: Die Handhabung und Kühlung ist einfacher als bei Biontech und Moderna. Doch insbesondere, was die Wirksamkeit bei älteren Menschen angeht, ist die Datenlage sehr dünn. Nur 13 Prozent der Probanden von AstraZeneca sind 65 oder älter. In Deutschland raten die Wissenschaftler der Ständigen Impfkommission daher von einem Einsatz bei über 64-Jährigen ab. Die EMA hat den Impfstoff dagegen für alle Altersgruppen zugelassen – verlangt aber weitere Studien. Auch bei Biontech und Moderna bemängeln viele Mediziner, dass die Wirkung bei Älteren nicht hinreichend untersucht wurde.

In Großbritannien wird das Präparat, das AstraZeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat, bereits seit Anfang Januar großflächig eingesetzt. In der EU sind bisher nur die Impfstoffe der Hersteller Pfizer/Biontech sowie Moderna zugelassen. Der Impfstoff von AstraZeneca gilt als besonders preiswert und handlich für Massen-Impfungen. AstraZeneca will seinen Impfstoff im Vergleich zu der Konkurrenz besonders günstig abgeben: für nur etwa 2,50 Dollar pro Dosis. AstraZeneca scheint zu berücksichtigen, dass der Pharmakonzern den Impfstoff zusammen mit der Universität Oxford entwickelt und daher reichlich öffentliche Förderung bekommen hat. Daher bietet er den Impfstoff bisher fast zum Selbstkostenpreis an. Und deutlich günstiger als die Konkurrenz derzeit. Allerdings gibt es dazu eine Einschränkung: Der niedrige Preis soll nur gelten, solange die Pandemie auf dem Höhepunkt ist, nach derzeitigem Stand bis Mitte nächsten Jahres.

Die derzeit große Frage ist jedoch: Wann wird der Impfstoff geliefert? Die EU-Kommission ist in einen offenen Streit mit dem Hersteller verstrickt. Wegen angeblicher Produktionsprobleme sollen große Mengen des Impfstoffes für Deutschland und andere EU-Länder erst Wochen oder Monate später geliefert werden. Die EU hatte insgesamt 400 Millionen Impfdosen geordert.

Die Daten zu diesem Wirkstoff seien gründlich geprüft worden, sagte EMA-Chefin Emer Cooke, „die wissenschaftliche Basis unserer Arbeit unterstreicht unsere feste Verpflichtung die Gesundheit von EU-Bürgern sicher zu stellen“. Auch nach der Empfehlung und einer bedingten Marktzulassung würden die Experten weiterhin Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit überwachen.

Bei einer bedingten Zulassung ist der Hersteller verpflichtet, auch danach noch Daten etwa zur Langzeitwirkung an die EMA zu übermitteln. Auch Angaben zu möglichen Nebenwirkungen werden weiterhin geprüft.

Mehr zu dem Thema: Nie war die Pharmaindustrie so wertvoll wie heute, da alle Welt ihre Impfstoffe benötigt. Die Hersteller hätten zu Helden der Pandemie werden können. Doch leider verspielen sie gerade ihre große Chance.

Mit Material von dpa