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„Kein guter Managementstil“: Silicon-Valley-Größe erzählt, warum Steve Jobs kein Vorbild für euch sein sollte

Business Insider Deutschland
·Lesedauer: 3 Min.
Steve Jobs, der 2011 verstorbene Mitgründer und langjährige CEO von Apple
Steve Jobs, der 2011 verstorbene Mitgründer und langjährige CEO von Apple

Apple-Gründer Steve Jobs ist kein gutes Vorbild für Manager im digitalen Zeitalter. Diese steile These vertritt Jeff Lawson, Mitgründer und CEO der Cloud Plattform Twilio im Interview mit dem „Handelsblatt“. Allerdings nicht wegen etwaiger Defizite, sondern wegen seines ‚Genies‘. Denn Lawson behaupte, dass Topmanager ihren Entwicklern nur Probleme geben sollten — nicht jedoch exakte Lösungswünsche.

Jobs hingegen ist gerade wegen seiner vorgeblich einsamen Geniestreiche berühmt geworden und verkörpert damit einen Führungsstil, den Lawson insbesondere im Softwarebereich für unproduktiv hält. „Wie er mit Mitarbeitern umgegangen ist, war kein guter Managementstil“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Jobs war einzigartig. Wir Normalsterblichen halten uns lieber an die Regeln guten Managements.“

Lawsons eigenes Unternehmen sei ohne Jobs' iPhone kaum zu denken, so das „Handelsblatt“ weiter. Der Informatiker gründete Twilio im Jahr 2008 und damit ein Jahr nach der Einführung von Apples erstem Smartphone. Die Software von Lawsons 55-Milliarden-Dollar-Unternehmen verschickt im Auftrag der Kunden — zu denen Größen wie Airbnb oder Uber gehören — automatisierte Textnachrichten oder Anrufe. Damit werden beispielsweise Buchungen oder die Ankunft eines Uber-Fahrers bestätigt.

Probleme stellen, statt Lösungen vorzugeben

Twilio-Mitgründer und -CEO Jeff Lawson
Twilio-Mitgründer und -CEO Jeff Lawson

Grundsatz von Lawsons Buch ist, dass Software in jeder Branche lebensentscheidend werde — was laut „Handelsblatt“ auch bei Vertretern der deutschen Industrie wie Siemens oder Volkswagen angekommen sei. Autos, Turbinen, Kernspintomografen: Die meisten Geräte würden inzwischen durch regelmäßige Updates verbessert. Die Transformation solcher Unternehmen zum Softwarekonzern sei aber eine technologische und kulturelle Herausforderung.

Gerade im Software-Bereich sei es eben wichtig, dass Produktentscheidungen nicht von der Konzernspitze heruntergereicht würden. Manager hätten vielmehr zu lernen, wie „Software-Menschen“ zu denken, so Lawson zum „Handelsblatt“. Das bedeute nicht, dass sie sich Programmierkenntnisse aneignen müssten. Aber sie sollten ein Gespür dafür entwickeln, welche Probleme Software lösen kann. Könnten sie das nicht, sollten sie sich Lawson zufolge Berater suchen, die dazu fähig sind. Für Entwickler gebe es nämlich nichts Frustrierenderes, als von einem ahnungslosen Manager exakte Lösungen oder Produktergebnisse vorgegeben zu bekommen. Die Developer sollten vielmehr selbst die Gelegenheit haben, die jeweils besten Lösungen zu finden.

Kleine Hypothesen statt großer Überzeugungen

Entwicklern Autonomie zu geben, sei Lawson zufolge aber nicht der einzige wichtige Schritt. Vielmehr solle jedes Produkt nur als Experiment betrachtet werden. So würde Twilio bis zu 300-mal täglich Details an den Produkten ändern. Das bedeute, dass Hypothesen an die Stelle fester Überzeugungen treten und erstmal mit einem kleinen Team und geringerem Budget getestet werden könnten. Bei einem Erfolg im Kleinen, könne man das Projekt dann größer ausrollen, bei Misserfolg ohne große Verluste einstampfen, heißt es im „Handelsblatt“.

Auch hier gelte: Wenn Unsicherheit darüber besteht, ob sich das jeweilige Projekt rentiert, sollten Manager auf die Mitarbeiter vertrauen. Denn kaum ein Entwickler wolle an schlechten Projekten arbeiten, nur um seinen Job zu behalten — schon gar keine Software-Entwickler.

Dass das mit reinen Softwareprodukten einfacher sei als mit klassischen Industrie- und Hardwareprodukten, habe Lawson im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ ebenfalls in Frage gestellt. Sein Beispiel hier: Tesla. Der Autokonzern habe prompt mit einem Software-Update reagiert, nachdem eines der Autos vor einigen Jahren Feuer gefangen hatte. Es war auf der Autobahn über ein herumliegendes Metallteil gefahren, das die Batterie an der Unterseite des Fahrzeugs beschädigte. Das Software-Update habe dann dafür gesorgt, dass Tesla-Modelle bei höheren Geschwindigkeiten etwas höher liegen würden als normalerweise — um die Fahrzeugunterseite besser zu schützen.

sb