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Kein Billigfleisch mehr bei Aldi: Ab 2030 soll es beim Discounter nur noch Fleisch aus Bio- und Frischlufthaltung geben

·Lesedauer: 3 Min.

Aldi Nord und Süd wollen bis 2025 auf sämtliches Billigfleisch der Haltungsstufe 1 verzichten. Das verkündeten die Discountergrößen gemeinsam vor Journalisten am Freitagmorgen.

Bis 2030 will der Lebensmitteleinzelhändler sein Frischfleisch-Sortiment konsequent auf die höheren Tierwohl-Haltungsformen 3 und 4 umstellen. Damit ist Aldi bislang der erste große Lebensmittelhändler — und vor allem der einzige Discounter — der komplett auf Frischfleisch aus Außenklima- und Bio-Haltung, was den Haltungsformen 3 und 4 entspricht, umstellt. Betroffen sollen die Nutztiergruppen Rind, Schwein, Hähnchen und Pute sein, ausgenommen sind (internationale) Spezialitäten und Tiefkühlartikel. Schon in diesem Jahr sollen 15 Prozent des Frischfleisch-Umsatzes aus den Haltungsformen 3 und 4 kommen, bislang sind es rund zwölf Prozent. Bis 2026 solle der Anteil auf Umsatzanteil aus diesem Segment auf 33 Prozent erhöht werden.

Ob die Endverbraucherpreise dadurch teurer werden und wie sehr, könne Aldi derzeit noch nicht absehen, da der Markt sehr komplex und vielen Schwankungen unterlegen sei. Bis 2025 und 2030 könne man derzeit daher keine Preisprognose abgeben. Dass es "ein paar Cent mehr" als das Billigfleisch der Haltungsstufe 1 werden, dürfte jedoch zu erwarten sein.

"Wir wollen, dass Tierwohl für jedermann bezahlbar wird und jeder Kunde sich gutes und möglichst nachhaltig produziertes Fleisch leisten kann", sagte Lars Klein, Leiter des Einkaufs bei Aldi Süd am Freitag. Aldi glaubt, dass der Kunde für den Wandel bereit sei und verweist auf eine Untersuchung des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), laut dem sich die Deutschen in 2020 deutlich häufiger für Bio-Fleisch entschieden haben als im Vorjahr. Aldi ist bereits jetzt der größte Biohändler Deutschlands.

"Wir gehen damit auch ein erhebliches wirtschaftliches Risiko ein", sagt Klein, Aldi gehe den Schritt jedoch aus "Überzeugung, das Richtige zu tun." Gemeinsam mit Politik, Herstellern und Landwirten wolle Aldi einen Wandel in der gesamten Wertschöpfungskette hin zu mehr Tierwohl anstoßen. Der Schritt kommt nur wenige Monate nach den anhaltenden Bauernprotesten, die für bessere Bedingungen seitens Politik, Produzenten und Einzelhandel demonstrieren. Zum Teil blockierten die Landwirte sogar die Zentrallager der Discounter Lidl und Aldi. Wie es jedoch in dem Pressegespräch heißt, habe Aldi dieses Projekt schon seit längerem, "schon lange vor den Bauernprotesten" vorbereitet.

Deutscher Tierschutzbund begrüßt Aldis Schritt

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, begrüßt Aldis Haltungswechsel: „Aus unserer Sicht ist die derzeit geltende gesetzliche Grundlage zur Haltung von Tieren in der Landwirtschaft nicht ausreichend, um den Tierschutz in den Ställen sicherzustellen. Daher ist es nur konsequent, auf Fleisch aus konventioneller Haltung mit der Haltungsstufe 1 zu verzichten." Aldis Ankündigung bringe auch für Landwirte Planungssicherheit, die jetzt vor Investitionen in den Stallbau stehen und mehr Tierwohl schaffen möchten, so Schröder. Er sehe hier auch Aldi in der Pflicht, höhere Standards mit entsprechenden Verträgen und Preisen zu flankieren. Ein Aldi-Sprecher versicherte in dem Pressegespräch: "Für höhere Leistung und nachhaltiger produzierte Produkte erhalten Landwirte bei uns natürlich auch mehr Geld." Aldi trage diesen Haltungswechsel nicht auf dem Rücken der Landwirte aus, so der Sprecher.

Der Schritt ist ein Signal, auch an andere Wettbewerber aus dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Wie auch Schröder kommentiert, werde jetzt entscheidend sein, dass andere Handelsunternehmen diesem Schritt von Aldi folgen "und die Politik alles tut, um die Transformation der Tierhaltung aktiv zu begleiten." Denn nur etwa 25 Prozent des gesamten in Deutschland produzierten Schweinefleischs landen im Einzelhandel. Der Rest wird exportiert. Viele Bauern sind davon abhängig ihr Fleisch zu Dumpingpreisen ins Ausland zu verkaufen. Hier gelten meist noch härtere Wettbewerbsbedingungen als im Handel. Derzeit produzieren rund 90 Prozent der deutschen Landwirte auf konventionelle Art und Weise, also ohne Bio-Standards und Zugang der Tiere zu Frischluft.

Schlussendlich bleibt die Verantwortung aber auch bei den Verbrauchern und Verbraucherinnen, zu den Produkten mit höheren Tierschutzstandards zu greifen.

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