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KBA-Tests haben Ermittlungen gegen Mitsubishi ausgelöst

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat auf Grund von KBA-Abgastests die Ermittlungen gegen Mitsubishi aufgenommen. Am Dienstag hatte es bundesweite Razzien gegeben.

Das Logo des japanischen Autoherstellers auf dem Firmengelände. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat Geschäftsräume der deutschen Mitsubishi-Niederlassung durchsuchen lassen. Foto: dpa

Abgastests des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) haben die Untersuchungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen Mitsubishi ausgelöst. „Die Ermittlungen wurden Mitte November 2019 eingeleitet, nachdem die Marktüberwachung des KBA mehrfach Modelle des Herstellers Mitsubishi negativ getestet hatte“, teilte eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch mit.

Nach der Diesel-Razzia beim japanischen Autohersteller Mitsubishi und zwei Zulieferern werten die Ermittler die sicher gestellten Materialien aus. Ergebnisse seien noch nicht abzusehen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Mittwoch. Es gebe auch keine konkreten Beschuldigten.

Der französische Autobauer PSA hat dem unter Verdacht der Dieselmanipulation stehenden Rivalen Mitsubishi Motoren geliefert. Die Franzosen bestätigten am Mittwoch, Mitsubishi habe zwischen 2015 und 2018 Dieselaggregate mit 1,6 Litern Hubraum von ihnen bezogen. Ob diese Teil der Ermittlungen in Deutschland wegen des Verdachts manipulierter Abgaswerte gegen Mitsubishi seien, sei PSA nicht bekannt, erklärte ein Unternehmenssprecher in Paris. „Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht, welche Fahrzeuge oder Motorenfamilien von der laufenden Untersuchung bei Mitsubishi ins Visier genommen werden.“

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag bundesweit Geschäftsräume von Mitsubishi wegen möglicher Abgasmanipulationen durchsucht. Gegenstand der Untersuchungen seien Fahrzeuge der Marke Mitsubishi mit 1,6– und 2,2 Liter-Dieselmotoren der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6, teilte die Behörde mit.

Es bestehe der Verdacht, dass die Motoren mit illegalen Abschalteinrichtungen versehen seien, die dafür sorgen, dass die zulässigen Grenzwerte für Stickoxide zwar auf dem Prüfstand, nicht jedoch im Realbetrieb eingehalten würden. Kunden, die seit 2014 ein entsprechendes Mitsubishi-Modell erworben haben, sollen sich als Zeugen bei ihren örtlichen Polizeidienststellen melden.

Gegen wie viele Personen sie ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft unterdessen nicht mit, sondern lediglich, dass sich der Betrugsverdacht gegen verantwortliche Personen eines internationalen Automobilkonzerns, einer Tochter eines internationalen Autohandelskonzerns und zwei internationaler Automobilzulieferer richte.

Am frühen Dienstagabend bestätigte Mitsubishi die Ermittlungen. Die deutsche Vertriebsniederlassung sowie Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Deutschland seien durchsucht worden, man werde mit den Ermittlern kooperieren.

Bundesweit wurden insgesamt zehn Objekte in Hessen, Niedersachsen, Bayern sowie Nordrhein-Westfalen durchsucht. Darunter befanden sich auch Geschäftsräume von Continental in Hannover, Frankfurt und Regensburg.

Der Konzern bestätigte dies, betonte gleichzeitig aber, man werde in dem Verfahren als Zeuge geführt und kooperiere voll. Gleichwohl soll die Durchsuchung bei Continental nach Informationen des Handelsblatts auch dazu beitragen, einen etwaigen Tatbeitrag von Verantwortlichen des Zulieferers bei dem vorgeworfenen Betrug zu klären. Ob dabei Conti-Verantwortliche namentlich beschuldigt sind, ist allerdings nicht bekannt. Ein Sprecher wollte dies auf Nachfrage nicht kommentieren.

Einem Brancheninsider zufolge soll die Motorensteuerung von Continental stammen und an einen französischen Abnehmer gegangenen sein, der wiederum Mitsubishi beliefert habe. Continental äußerte sich nicht. Autohersteller beziehen die Technik üblicherweise von Zulieferern und spezifizieren sie für ihre Modelle.

Durchsucht haben soll die Staatsanwaltschaft Frankfurt ebenfalls die Geschäftsräume des Zulieferers Denso. Das berichtete die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Insider. Ein Sprecher in den Niederlanden äußerte sich auf Anfrage des Magazins nicht dazu.

Mit den Ermittlungen bei Mitsubishi stehen immer mehr Autobauer im Verdacht der Dieselmanipulation. Volkswagen hatte bereits vor vier Jahren in den USA zugegeben, eine illegale Abschalteinrichtung in Dieselautos eingebaut zu haben. Die Aufarbeitung der millionenfachen Schummelei hat die Wolfsburger bisher mehr als 30 Milliarden Euro gekostet. Auch bei Daimler und Fiat Chrysler werden Abgasmanipulationen vermutet.

Mit Material von dpa und Reuters