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Kaum jemand lädt sie: Endlich hat der Irrsinn um die Plugin-Hybrid-Autos ein Ende

Plugin-Hybride haben eine desaströse Öko-Bilanz. Für Hersteller sind sie dennoch lukrativ. - Copyright: DIRK WAEM / Getty Images
Plugin-Hybride haben eine desaströse Öko-Bilanz. Für Hersteller sind sie dennoch lukrativ. - Copyright: DIRK WAEM / Getty Images

Zum Jahresende streicht die Bundesregierung die Fördergelder für Plugin-Hybride. Endlich. Dabei gehören die Fahrzeuge mit einer Kombination aus Verbrenner- und Elektromotor zu den am meisten verkauften Autos in Deutschland und der EU. Im vergangenen Jahr hatten Plugin-Hybride einen Marktanteil von 12,4 Prozent. Im Juli 2022 waren es sogar mehr als 14 Prozent. Die Fahrzeuge, die bis zu 80 Kilometer elektrisch und ohne Hilfe des Verbrennungsmotors zurücklegen können, sind beliebt bei Käufern. Die Kaufprämie trägt sicher ihren Teil dazu bei – vor allem bei Privatkunden.

Richtig interessant sind die Plugin-Hybride jedoch für Geschäftskunden mit großen Flotten. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Technologie erlaubt es Unternehmen, Geld zu sparen, da der Strom für die Batterie immer noch günstiger ist, als Benzin oder Diesel. Gleichzeitig können die Fahrzeuge lange Strecken bewältigen, da sie jederzeit den Verbrennungsmotor nutzen können. Firmen bekommen also ein Auto mit flexiblem Einsatzzweck. Zudem lassen sich die Betriebskosten der Flotte senken.

Auch Arbeitnehmer profitieren. Der Steuersatz für Dienstwagen reduziert sich bei Plugin-Hybriden um die Hälfte – von einem auf 0,5 Prozent. Für Arbeitnehmer bleibt also ein wenig mehr übrig. In Zeiten knapper Kassen und steigender Inflation kann das schon einen gehörigen Unterschied machen. Doch Unternehmen und Arbeitnehmer sind nicht einmal die größten Profiteure der Fahrzeugklasse.

Plugin-Hybride: Geldspar-Trick der Autoindustrie

Am meisten profitieren die Autokonzerne. Plugin-Hybride sind auch nach der Novellierung des EU-Verbrauchszyklus wichtig für Hersteller. So wird etwa ein BMW X5 45e (ein SUV), der leer immerhin 2,5 Tonnen wiegt, mit einem Durchschnittsverbrauch von knapp zwei Litern angegeben. Das entspricht einem CO₂-Ausstoß von rund 40 Gramm pro Kilometer. Da die Hersteller immer noch mehr Verbrenner als E-Autos verkaufen, gleichzeitig aber das Flottenziel von unter 100 Gramm pro Kilometer CO₂ einhalten müssen, rechnen Plugin Hybride den Flottenverbrauch im Schnitt also runter.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Hersteller so vehement auf die Plugin-Hybride gesetzt haben. BMW hat aktuell 47 Plugin-Hybrid-Fahrzeuge im Sortiment. Dem gegenüber stehen sechs E-Autos. Mercedes hat 40 Plugins und fünf E-Autos. VW und Audi haben sich beim Thema eher zurückgehalten. So führt Audi nur 13 Plugins, denen vier E-Autos gegenüberstehen.

Auf dem Papier sind Plugin-Hybride an sich sinnvoll. Selbst ältere Modelle haben eine elektrische Reichweite von knapp 40 Kilometern, die neuen schaffen 80 Kilometer. Damit lassen sich die meisten Strecken zurücklegen, ohne den Verbrenner anwerfen zu müssen. Doch dafür muss der Akku auch regelmäßig geladen werden. Und genau hier scheitert die Idee, vor allem bei Dienstwagen.

Nicht mal jeder Fünfte lädt das Fahrzeug

Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) werden Dienstwagen nur zu elf bis 15 Prozent elektrisch genutzt. Da Firmenkunden aber mehr als 70 Prozent der Käufer der Plugin-Hybride ausmachen, ergibt sich eine katastrophale Nutzungsbilanz: Die deutlich schwereren Fahrzeuge verbrauchen mehr fossile Brennstoffe als ein reiner Verbrenner.

Böswillig argumentiert haben die Plugin-Hybride also nur eine Aufgabe: Sie sollen den Flottenverbrauch der Autohersteller senken. Somit entfallen Strafzahlungen an die EU, wenn der Verbrauch die erlaubte Grenze überschreitet. Da die Hersteller – trotz diverser Warnungen – den frühzeitigen Wandel zur Elektromobilität versäumt haben, sind Plugin-Hybride die einzige Lösung, um Geld zu sparen.

Der Fairness halber muss man aber auch erwähnen, dass private Nutzer ihre Plugins immerhin zu 45 bis 49 Prozent elektrisch nutzen. Doch da sie nur einen geringen Anteil der Käufer ausmachen, hilft das der Ökobilanz von Plugin-Hybride in keiner Weise. Sie ist desaströs. Eine Überraschung ist das nicht. Kritiker werfen der Industrie seit Jahren vor, die Modelle seien eine Mogelpackung. Sie schaden der Umwelt mehr als sie ihr nützen. Es ist gut, dass sie nun endlich aus dem Markt vertrieben werden.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.