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Im Kaukasus droht ein Stellvertreterkrieg wie in Syrien

·Lesedauer: 2 Min.

Zwischen Armenien und Aserbaidschan ist ein offener Krieg ausgebrochen, beide Seiten scheinen bereit zur weiteren Eskalation.. Der Kaukasus ist selten auf der Agenda europäischer Außenminister. Das ist verheerend.

Das vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Bild zeigt die aserbaidschanischen Streitkräfte, die das armenische Flugabwehrsystem an der Kontaktlinie der selbst ernannten Republik Bergkarabach (Aserbaidschan) zerstören. Foto: dpa
Das vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Bild zeigt die aserbaidschanischen Streitkräfte, die das armenische Flugabwehrsystem an der Kontaktlinie der selbst ernannten Republik Bergkarabach (Aserbaidschan) zerstören. Foto: dpa

Zwischen Armenien und Aserbaidschan herrscht Krieg. Mehrere Soldaten und Zivilisten sind bereits gestorben, beide Seiten scheinen bereit zur weiteren Eskalation. Geografisch mag die Region weit weg sein von Brüssel, Berlin oder Paris. Aber sie ist wichtig. Die Bundesregierung, aber auch die Europäische Union (EU), müssen sich stärker engagieren. Das ist riskant, birgt aber auch Chancen.

Seit 1991 streiten die beiden Länder um Berg-Karabach. Die Region gehört zu Aserbaidschan, wird aber inzwischen mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Seit 1994 herrscht ein Waffenstillstand, der aber mehrfach gebrochen wurde.

In Armenien wurde einen Tag vor Beginn der Kämpfe der pro-russische Oppositionschef wegen angeblicher Wahlfälschung festgenommen. Das könnte Aserbaidschan, das schon seit Langem eine Revanche vorbereitet, zu einem Angriff verlockt haben.

Baku könnte an Russlands weiterer Unterstützung für Armenien gezweifelt haben seit dem Sieg der Gegner Moskaus in Eriwan und die jetzige unsichere internationale Lage für hilfreich für seine Militäroperation halten.

Zurzeit sieht es danach aus, als mischten sich vor allem Russland und die Türkei in den Konflikt ein. Es droht ein Stellvertreterkrieg zwischen den beiden Ländern, so wie bereits in Syrien und Libyen. Damit kontrollieren zwei künftige Rivalen der EU immer mehr Gebiete in unmittelbarer EU-Nachbarschaft. Das kann kaum im Interesse des Staatenbundes liegen.

EU-Chefdiplomat Michel ist „ernsthaft besorgt“

Doch bisher kommen von den Funktionären aus Brüssel lediglich Lippenbekenntnisse. Der Kriegsausbruch bereite „ernsthafte Besorgnis“, twitterte der höchste europäische Ratsvertreter Charles Michel am Wochenende. Bundesaußenminister Heiko Maas fordert ein Ende der Kämpfe. Auch für Washington ist der Konflikt kurz vor den Präsidentschaftswahlen von geringer Relevanz. Das hilft den Menschen in Armenien und Aserbaidschan wenig. Dabei ist die Region sehr wohl relevant.

Aserbaidschan bietet eine wichtige Alternative zu russischem Gas. Gerade in den Diskussionen um einen Stopp der Nord-Stream-2-Pipeline wäre Baku ein attraktiver Ansprechpartner. In der aserbaidschanischen Hauptstadt ist man bislang enttäuscht von der europäischen Passivität.

Der Kaukasus ist immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Es scheint jedoch, als müsste erst eine wichtige Ölpipeline nach Europa zerstört werden, bis das Thema auf die europäische Tagesordnung gerät. Oder ein Flüchtlingsstrom müsste sich über die Türkei auf den Weg in die EU machen. Es liegt im europäischen Interesse, es nicht so weit kommen zu lassen.