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Nach massiver Kritik: Trade Republic hebt Kaufsperre von Gamestop & Co. wieder auf

Schier, Susanne
·Lesedauer: 4 Min.

Am Donnerstagabend hatte die Trading-App angekündigt, keine Kauforders für heiß umkämpfte Aktien mehr anzunehmen. Vorausgegangen waren technische Schwierigkeiten.

Der Börsenhype um die Computerspiel-Ladenkette Gamestop bringt auch den Berliner Neo-Broker Trade Republic in Bedrängnis. Die junge Trading-App hatte am Donnerstag mit technischen Problemen zu kämpfen und teilte ihren Kunden am Donnerstagabend mit, keine weiteren Kauforders für bestimmte Aktien anzunehmen.

Am Freitagvormittag dann die Kehrtwende: „Der Handel über unsere App ist wieder uneingeschränkt möglich, und die Handelsbeschränkungen wurden ebenfalls aufgehoben“, meldete das Start-up auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Wie es zu dem schnellen Sinneswandel kam, ist offen. Das Unternehmen war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen.

Ähnlich wie das US-Vorbild Robinhood sieht sich Trade Republic seit Donnerstag deutlicher Kritik ausgesetzt. Nach dem Boom der vergangenen Monate könnte das der Trading-App einen deutlichen Dämpfer versetzen.

Seit Mitte Januar waren Kleinanleger massiv bei Gamestop eingestiegen und hatten die Kurse so zeitweise kräftig nach oben getrieben. Sie stellten sich damit auch gegen professionelle Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. In einer Mitteilung an die Nutzer schrieb Trade Republic am Donnerstagabend, dass man sich in einer „beispiellosen Situation“ befinde. Laut Presseberichten seien die Aktien Gamestop, AMC Entertainment, Blackberry, Nokia, Express sowie Bed Bath & Beyond anscheinend aktuell Gegenstand von heftigen, koordinierten Kursspekulationen. „Wegen der damit verbundenen Risiken für dich nehmen wir bis auf Weiteres keine neuen Aufträge zum Kauf dieser Aktien an“, hieß es.

Verkaufsaufträge von Kunden, die die genannten Aktien erworben hätten, könnten möglicherweise aufgrund eingeschränkter Liquidität im Markt oder eines plötzlichen Kursverfalls nicht oder nicht rechtzeitig ausgeführt werden. Das gelte aber nicht speziell für Trade Republic, sondern marktübergreifend.

Bei den Kunden kam die Sperrung der Aktien überhaupt nicht gut an. „Das ist doch Bevormundung. Man kann ja darauf hinweisen, aber den Kauf verbieten? Marktmanipulation“, schreibt ein Twitter-Nutzer. „Das ist eine absolute Frechheit. Seit wann entscheidet ein Broker, wann ich welche Aktie kaufen darf“, meint ein anderer. Manche Nutzer kündigten an, auch über Klagen nachzudenken.

Bei anderen deutschen Neo-Brokern blieben Käufe der besagten Aktien weiter möglich. „Im Scalable Broker ist und war der Handel möglich. Wir werden den Handel auch weiterhin ermöglichen, solange es Quotierungen an den von uns angebundenen Börsen gibt“, sagte eine Firmensprecherin. Auch bei anderen Online-Brokern waren die Aktien offenbar noch handelbar.

Technische Probleme beim Handelsplatzpartner

Trade Republic hatte indes auch einräumen müssen, dass viele Kunden die App „aufgrund einer außerordentlichen Belastung der angebundenen Handelssysteme“ am Donnerstag nicht in vollem Umfang nutzen konnten. Die massive Nachfrage nach einigen Titeln habe beim Handelsplatzpartner LS Exchange vereinzelt zu technischen Problemen geführt, erklärte eine Sprecherin von Trade Republic gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Daraufhin sei man zum Handelsplatz Tradegate gewechselt, der aber ebenfalls aufgrund des außergewöhnlich hohen Handelsvolumens mit technischen Problemen gekämpft habe.

Die Finanzaufsicht Bafin sagte auf Nachfrage, dass sie in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Beschwerden von Privatanlegern zu technischen Störungen bei Trade Republic erhalten habe. „Diesen gehen wir bereits nach. Wir haben Trade Republic mit Nachdruck darauf hingewiesen, die aufsichtsrechtlichen Anforderungen einzuhalten und Kunden sämtliche Dienstleistungen dem Aufsichtsrecht entsprechend und störungsfrei zur Verfügung zu stellen“, sagte eine Bafin-Sprecherin.

Wie groß der Reputationsschaden für Trade Republic sein wird, bleibt abzuwarten. Firmengründer Christian Hecker sah sich am Donnerstagabend zu einer ausführlichen Rechtfertigung genötigt. Trade Republic trete für den freien Markt ein. „Wichtig ist uns, die Stabilität der Plattform für alle Nutzer sicherzustellen, und das war zwischenzeitlich nicht mehr gewährleistet“, sagte er dem Portal „Finance Forward“.

„Ein Broker steht immer in einem Zwiespalt: In erster Linie muss er sicherstellen, dass er die Aufträge seiner Kunden bestmöglich ausführt. Er hat aber auch dazu beizutragen, dass der Markt als Ganzes funktioniert“, erklärt Lars Schmidt, Rechtsanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei der Kanzlei Rittershaus. Wenn ein Broker zu der Erkenntnis kommt, dass er diese Pflichten nicht mehr erfüllen kann, könne es gerechtfertigt sein, den Kauf einzelner Aktien vorübergehend zu beschränken. „Anders sieht es aus, wenn es allein darum geht, die Kunden vor Risiken zu schützen. Das als einziges Argument würde für eine Handelsbeschränkung aus rechtlicher Sicht wohl nicht ausreichen“, ordnet Schmidt den Fall ein.

Neo-Broker wie Trade Republic stehen wie auch ihr US-Vorbild Robinhood für einfachen, intuitiven und vor allem kostengünstigen Handel. Diesen können sie ermöglichen, weil sie Rückvergütungen von den Handelspartnern für die Weiterleitung der Kundenaufträge erhalten.

Die Bafin habe ein Auge darauf, dass „Neo-Broker, deren Geschäftsmodelle sich häufig auch durch Zuwendungen finanzieren, diese verwenden, um die Qualität der erbrachten Dienstleistungen zu verbessern“, sagte eine Sprecherin der Finanzaufsicht vor Kurzem dem Handelsblatt. Hieran wird Trade Republic offenbar noch arbeiten müssen.