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Erbenstreit bei Tengelmann: Christian Haub legt Milliarden-Angebot vor

·Lesedauer: 4 Min.

Die angestrebte Todeserklärung von Karl-Erivan Haub sorgt in der Familie für Streit. Christian Haub kommt nun auf die Familie seines Bruders zu.

Der ehemalige Co-Chef von Tengelmann ist seit 2018 verschollen. Foto: dpa
Der ehemalige Co-Chef von Tengelmann ist seit 2018 verschollen. Foto: dpa

Der Erbenstreit bei Tengelmann gewinnt an Dynamik: Der Anwalt von Tengelmann-Chef Christian Haub, Mark Binz, hat sich am Dienstag eingeschaltet und ein Angebot von 1,1 Milliarden Euro für die Firmenanteile des bei einer Skitour verschollenen Karl-Erivan Haub angekündigt. „Wir haben natürlich lange nachgedacht, welches Kaufangebot für ein Familienunternehmen wie Tengelmann mit 90.000 Mitarbeitern in der heutigen Zeit noch wirtschaftlich vertretbar wäre“, sagte Binz dem Handelsblatt.

Hintergrund des Angebots ist das ungelöste Erbschaftsproblem. Das Unternehmen Tengelmann hat beim Amtsgericht Köln beantragt, den seit April 2018 vermissten Karl-Erivan Haub, der damals gemeinsam mit seinem Bruder Christian das Unternehmen führte, offiziell für tot erklären zu lassen.

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Mit dem vom Unternehmen gestellten Antrag auf Todeserklärung, dem sich Georg und Christian Haub, die Brüder des Verschollenen, angeschlossen haben, war Bewegung in den Erbschaftsteuerstreit gekommen. Mit Rechtskraft der Erklärung träte der Erbfall ein. Die Erbschaftsteuer für Katrin Haub und ihre zwei Kinder könnte bei mehr als 450 Millionen Euro liegen. Vor dem Verfahren zur Todeserklärung scheuten Katrin und ihre Kinder bisher zurück.

Das Problem: Der damals 58-jährige Karl-Erivan Haub hatte es offenbar versäumt, seine Anteile am Unternehmen rechtzeitig an seine Kinder zu übertragen. Die Erbschaftsteuer selbst bemisst sich nach dem anteiligen Unternehmenswert. Die Tengelmann-Gruppe setzte im Jahr 2019 mit rund 90.000 Mitarbeitern rund 8,1 Milliarden Euro um. Zur Gruppe gehören die Baumarkkette Obi, der Textilhändler Kik sowie der Discounter Tedi.

In der Auseinandersetzung um die mögliche Begleichung dieser Erbschaftsteuer hat der Anwalt Christian Haubs jetzt ein Angebot für die Firmenanteile des verschollenen Karl-Erivan Haub angekündigt. Karl-Erivan Haub, derzeit vertreten durch seine Frau und seine beiden 27-jährigen Kinder, sowie der amtierende Tengelmann-Chef Christian Haub halten derzeit je 34,3 Prozent an dem Unternehmen, Bruder Georg Haub 31,3 Prozent.

„Höchstpersönlich und hochemotional“

Der Anwalt erklärte, dass laut der Tengelmann-Satzung bei dem Ausscheiden eines Gesellschafters diesem lediglich 70 Prozent des Verkehrswerts seiner Anteile zustünden. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe den Firmenwert vor Corona auf rund vier Milliarden Euro taxiert.

Für die Anteile von Karl-Erivan Haub wären das laut Binz rund 950 Millionen Euro zahlbar in sieben Jahresraten von 2030 bis 2037. „Mit Rücksicht auf die familiären Beziehungen ist mein Mandant bereit, diesen Betrag auf 1,1, Milliarden Euro aufzustocken“, erklärte der Anwalt von Christian Haub. Der Sprecher von Katrin Haub wollte sich dazu nicht äußern.

Nur wenige Stunden zuvor hatte sich erstmals Katrin Haub zu Wort gemeldet. „Die Todeserklärung eines geliebten Menschen ist eine höchstpersönliche und hochemotionale Entscheidung“, ließ sie durch ihren Sprecher ausrichten. Bislang sei der Familie nicht die Gelegenheit gegeben worden, den tief greifenden Schicksalsschlag zu verarbeiten. „Umso befremdlicher ist es, dass jemand Drittes sich anmaßt, eine solche Entscheidung ohne Kenntnis der Familien zu treffen.“

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Wie der Sprecher der Familie des Verschollenen mitteilte, ergebe sich die Besonderheit der Situation „aus der Doppel-Staatsangehörigkeit von KEH (Karl-Erivan Haub). Er ist US-Staatsbürger und Deutscher. Dies führt dazu, dass die Begünstigungsvorschriften, die in Deutschland regelmäßig von Familienunternehmern in Anspruch genommen werden, vorliegend im Ergebnis ins Leere laufen.“ Das heißt, dass das Erbe auch mit den noch höheren US-Steuersätzen versteuert werden müsste. Darauf würde die deutsche Steuer angerechnet.

Karl-Erivans Brüdern und dem Unternehmen käme es indes gelegen, wenn die Situation juristisch geklärt ist, auch um das Unternehmen weiterzuentwickeln. Christian Haub hatte mehrfach betont, dass er an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sei. Der Sprecher des Stammes von Karl-Erivan Haub sagte dem Handelsblatt: „Der Stamm KEH, insbesondere Viktoria Haub und Erivan-Karl Haub, die bekanntlich die Anteile ihres Vaters KEH erben und daher zukünftig maßgeblich von jeder Form der Gestaltung des Miteinanders oder auch des Aufteilens betroffen sind, zieht selbstverständlich alle Möglichkeiten in Betracht.“