Deutsche Märkte geschlossen

Kartellamt bremst Edeka bei der geplanten Übernahme von Real-Märkten

Kolf, Florian
·Lesedauer: 4 Min.

Während Kaufland schon erste Standorte umbaut, muss der Lebensmittel-Marktführer warten. Wettbewerbshüter haben bei 28 der 72 angemeldeten Märkte erhebliche Bedenken.

Das Bundeskartellamt hat erhebliche wettbewerbliche Bedenken geäußert gegen die Pläne Edekas, 72 Real-Märkte zu übernehmen. Wie das Amt in einer vorläufigen Einschätzung mitteilt, sieht es die Situation bei 28 der avisierten Standorte sehr kritisch.

Kern der Bedenken sind die Absatzmärkte. Wegen der ohnehin schon starken Stellung Edekas im deutschen Lebensmittelhandel sieht die Behörde in diesen Fällen eine „drohende erhebliche Behinderung des wirksamen Wettbewerbs“, falls der Händler diese Märkte übernimmt. Edeka ist mit einem Umsatz von zuletzt 55,7 Milliarden Euro im Jahr Marktführer im hiesigen Lebensmitteleinzelhandel.

Dass die Wettbewerbshüter die geplante Übernahme sehr kritisch untersuchen würden, hatte sich seit Längerem angedeutet. So hat das Amt zuletzt die Prüffrist um einen Monat bis zum 22. März verlängert.

Der russische Investor SCP hatte das Unternehmen Real mit 276 Standorten vom Handelskonzern Metro übernommen und versucht jetzt, einen großen Teil der Filialen in Paketen an Wettbewerber abzugeben. Neben Edeka hatte auch Kaufland schon frühzeitig eine Vereinbarung mit SCP getroffen, Märkte zu übernehmen. SCP hat sich verpflichtet, einen Kern von rund 50 Märkten für mindestens zwei Jahre weiterzubetreiben. Der Rest soll abgegeben oder geschlossen werden.

Die Beteiligten reagierten zurückhaltend auf die Bedenken der Wettbewerbshüter. Ein Edeka-Sprecher erklärte, dass dem Unternehmen die Mitteilung des Bundeskartellamts vorliege. „Wir bitten aber um Verständnis dafür, dass wir uns hierzu aktuell nicht äußern können, da es sich weiterhin um ein laufendes Verfahren handelt“, sagte er. Solange keine finale Entscheidung des Bundeskartellamts bestehe, welche Standorte von Edeka übernommen werden dürfen, könne sich das Unternehmen nicht konkret äußern.

Kaufland hat schon mehr Klarheit

Die Unternehmen hatten offenbar schon erwartet, dass es Vorbehalte gibt, ziehen aber auch positive Schlüsse:. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass das Bundeskartellamt für 44 der 72 von Edeka angemeldeten Standorte absatzseitig keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken sieht“, sagte ein SCP-Sprecher.

In der Angelegenheit ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es fänden bereits konstruktive Gespräche zu den vom Bundeskartellamt geäußerten Bedenken statt, teilte SCP mit. „Wir sind mit Blick auf den Gesamtprozess optimistisch und hoffen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bald vollständige Klarheit geben zu können“, so der Sprecher.

Größere Klarheit hat Konkurrent Kaufland. Das Kartellamt hatte dem Händler im Dezember erlaubt, 92 Real-Standorte zu übernehmen. Dabei ist auch Kaufland ein Schwergewicht im Markt. So betreibt das Unternehmen 672 SB-Warenhäuser und ist damit der größte direkte Wettbewerber. Außerdem gehört Kaufland zusammen mit Lidl zur Schwarz-Gruppe, die allein in Deutschland zuletzt 39 Milliarden Euro umgesetzt hat.

An den konkreten Standorten hat die Behörde jedoch keine Bedenken. Doch auch Kaufland musste Abstriche in Kauf nehmen, ursprünglich hatten sie die Übernahme von 101 Märkten angemeldet. „Wir wollen für die Verbraucherinnen und Verbraucher dort, wo sie einkaufen, genügend Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern erhalten“, sagte Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamts. Deswegen seien die Pläne nicht komplett genehmigt worden.

Einkaufsmacht von Aldi, Lidl und Co. im Fokus

Kaufland ist bereits dabei, die ersten Märkte umzubauen und unter eigener Marke wiederzueröffnen. In der Regel wird dabei aber zuerst wenig geändert. So ist beispielsweise der Real-Markt in Neuss nach nur zwei Tagen Schließung mit einer umgebauten Obst- und Gemüseabteilung und einem neuen Kassensystem Anfang Februar wieder eröffnet worden. Darüber hinaus sind zwölf weitere Märkte bereits auf Kaufland umgestellt.

Das Kartellamt hat aber nicht nur Sorgen, dass die Auswahl für die Verbraucher eingeschränkt werden könnte. Es besteht auch die Befürchtung, dass die wichtigen Händler eine zu große Einkaufsmacht bekommen und Lieferanten benachteiligt. Immerhin konzentrieren sich mehr als 85 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels auf Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe.

Deswegen hat das Kartellamt den Verkäufer SCP bereits im Dezember verpflichtet, Standorte mit einem gemeinsamen Beschaffungsvolumen von mindestens 200 Millionen Euro an kleinere mittelständische Konkurrenten abzugeben.

Davon hat beispielsweise der regionale Händler Globus profitiert. Ursprünglich hatte sich Globus beschwert, bei der Verteilung der Real-Märkte nicht zum Zuge zu kommen. Doch mittlerweile hat sich die kleinere Kette mit SCP geeinigt, bis zu 24 Real-Märkte übernehmen zu dürfen. Das Kartellamt hat das bereits abgesegnet.

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