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Kartellamt bremst Übernahme von Real-Märkten durch Kaufland

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Die Prüffrist wird erneut verlängert, doch es deutet sich eine Lösung an. Kaufland macht Zugeständnisse, kleinere Konkurrenten schöpfen nun Hoffnung.

Die Lebensmittel-Kette wird zerschlagen, ein Großteil der Standorte soll an Kaufland und Edeka gehen. Foto: dpa
Die Lebensmittel-Kette wird zerschlagen, ein Großteil der Standorte soll an Kaufland und Edeka gehen. Foto: dpa

Das Bundeskartellamt wird die Übernahme von Real-Standorten durch Kaufland in der geplanten Form nicht genehmigen. Das teilte die Behörde nach einer ersten Prüfungsphase mit. Nun soll in Verhandlungen eine Lösung gefunden werden.

In dieser ersten Bewertung, die die Wettbewerbshüter den beteiligten Unternehmen geschickt haben, äußern sie die Sorge, dass durch die Übernahme Verbraucher an neun Standorten unter den Folgen von verringertem Wettbewerb leiden könnten. Das Amt betonte, dass die Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland gehört, mit einem Umsatz von etwa 113,3 Milliarden Euro europaweit der mit Abstand größte Lebensmitteleinzelhändler ist.

Doch zugleich deutet sich eine Verhandlungslösung an. Kaufland und der Verkäufer SCP Group haben dem Bundeskartellamt am 6. November erste Vorschläge für Verpflichtungszusagen sowohl für die Lösung der Wettbewerbsprobleme auf der Absatzseite als auch zur Lösung der wettbewerblichen Bedenken auf der Beschaffungsseite unterbreitet.

Deshalb verlängert sich die Prüffrist nun erneut bis zum 30. Dezember. Kaufland hatte ursprünglich gehofft, schon im Oktober die ersten Märkte auf Kaufland umflaggen zu können. Doch dass diese Pläne nicht einzuhalten waren, hatte sich schon länger abgezeichnet.

Die Metro hatte die Verbrauchermarktkette Real mit 276 Standorten an den russischen Investor SCP Group verkauft. Dieser will aber zusammen mit seinem Partner X+Bricks nur einen kleinen Teil von rund 50 Läden für eine Übergangszeit von zwei Jahren weiterführen. Den größten Teil will er an Wettbewerber weitergeben.

Kaufland hat beim Bundeskartellamt die Übernahme von 101 Real-Standorten angemeldet. Dabei ist Kaufland mit 664 Märkten im Segment der großflächigen Verbrauchermärkte ohnehin schon bei Weitem die Nummer eins.

SCP zeigte sich optimistisch, dass bald eine Lösung gefunden werden kann. „Wir begrüßen, dass das Bundeskartellamt für 92 der 101 von Kaufland angemeldeten Standorte absatzseitig keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken sieht“, teilte der Verkäufer mit. Die Gespräche mit dem Kartellamt seien konstruktiv, hieß es.

Das dürfte eine Entwicklung weiter verschärfen, die den Lebensmitteleinzelhandel seit Jahren prägt: Die Konsolidierung nimmt immer weiter zu, die Marktführer Edeka, Rewe, Schwarz (Kaufland, Lidl) und Aldi dominieren den Markt. Die Konzentration sei „hierzulande bereits so weit fortgeschritten, dass kleine Wettbewerber wie Globus und Kaes sowieso schon abgehängt sind“, sagt Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein. „Die fünf größten Anbieter kommen inklusive Metro auf über 75 Prozent Marktanteil.“

Auch Edeka will Märkte übernehmen

Das Problem dabei sieht das Kartellamt aber nicht nur auf den Absatzmärkten. Sorgen macht den Experten auch die wachsende Macht einzelner Händler gegenüber den Lieferanten. Auf der Beschaffungsseite hat das Bundeskartellamt deshalb für 17 verschiedene Produktgruppen den Einkauf von Lebensmitteln durch Händler bei Lebensmittelherstellern und Lieferanten analysiert.

Die Bewertung ist eindeutig: Das Amt sieht auch dort „wettbewerbliche Bedenken gegen das Vorhaben“, wie es mitteilte. Doch wie es in Branchenkreisen hieß. seien diese Bedenken nicht so grundsätzlich, dass sie einer Übernahme im Weg ständen.

Neue Hoffnungen machen sich jetzt wieder kleinere regionale Händler, die ebenfalls Real-Standorte übernehmen wollen. So hat die Kette Globus Interesse an 16 Real-Märkten angemeldet. Sie fürchtet, dass sie im Wettbewerb abgehängt werden könnte, wenn Kaufland über 100 Märkte übernimmt. Denn auch der größte deutsche Lebensmittelhändler Edeka will 72 Real-Standorte übernehmen. Auch diesen Fall prüft das Kartellamt.

Globus-Eigentümer Thomas Bruch hatte bereits im April dem Handelsblatt gesagt: „Wir machen uns große Sorgen um die Wettbewerbssituation in der Branche. Sollten wir nicht auch zum Zuge kommen, ist das für uns mit eindeutigen Nachteilen im Vergleich mit den großen Konkurrenten verbunden.“ Die Aufteilung von Real sei für die Unternehmen der Branche eine historische Chance, neue Standorte zu eröffnen, die so wohl nicht noch einmal kommen werde, betonte er.

Das sehen offenbar die Wettbewerbshüter ähnlich. Zu den von ihnen beklagten wettbewerblichen Bedenken auf der Beschaffungsseite schreiben sie vielsagend: „Eine besondere Bedeutung kommt hier der Stellung von mittelständischen Händlern und ihrer Beteiligung an der Veräußerung der Real-Standorte zu.“

„Globus befindet sich weiterhin in konstruktiven Gesprächen mit X+Bricks bzw. SCP über den Erwerb von 16 ehemaligen real-Märkten“, teilte eine Globus-Sprecherin auf Nachfrage mit. „Es besteht Hoffnung und Zuversicht, dass sich diese in Richtung einer weiteren Einigung entwickeln“, erklärte sie.