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„Kartell-ähnlich“: EZB-Direktor Mersch warnt vor Facebooks Libra

Phillip Horch
EZB Yves Mersch warnt vor Facebooks Libra

Am 2. September fand die ESCB Legal Conference in Frankfurt am Main statt. Dabei gab ein Vorsitzender der Europäischen Zentralbank seine Meinung zum Facebook Coin kund. Der „Zuck-Buck“, besser bekannt unter dem Namen Libra, so Yves Mersch, könne die Finanzstabilität gefährden.

Facebooks Libra vs. Fiat

Im Gegensatz zu gängigen Krypto- und Fiatwährungen gebe es bei Facebooks Libra einige Unterschiede, die bedenklich sind:

Libras Ökosystem ist nicht nur komplex, sondern auch Kartell-ähnlich. […] Libra Coins werden von der Libra Association herausgegeben – eine Gruppe von globalen Playern im Feld der Zahlungen, Technologien, E-Commerce und Telekommunikation. Die Libra Association wird die Libra Blockchain kontrollieren und das digitale Äquivalent zum Seigniorage-Einkommen in Libra einsammeln. […] Libra-basierte Zahlungsservices werden von einer von Facebook kontrollierten Tochtergesellschaft mit dem Namen Calibra kontrolliert werden.

Anders gesagt: Die Kryptowährung von Facebook wird komplett zentralisiert sein. Darüber hinaus wird ein privater Konzern sie kontrollieren. Diese Zentralisierung sei es, die bei Yves Mersch Bedenken erwecke. Dementsprechend äußerte der EZB-Direktor:

Wenn es um Geld geht, ist Zentralisierung nur in der richtigen institutionellen Umgebung eine Tugend. Diese ist die einer souveränen Entität und einer zentralen herausgebenden Autorität. Konglomerate von unternehmerischen Entitäten sind nur ihren Shareholdern und Mitgliedern gegenüber verantwortlich.

Eine Währung in Händen eines privaten Unternehmens, so die Kritik an Facebooks Libra, sei demnach bedenklich. Schließlich habe Facebook auch keine Zentralbank oder ähnliches, dass das Unternehmen in Zeiten der Krise abfangen könnte.

Regulatorische Schwierigkeiten bei Facebooks Libra

Ein weiteres Problem, das Yves Mersch anspricht, ist die rechtliche Einordnung der Facebook-Kryptowährung. Libra, so Mersch weiter, könne entweder als E-Money, als Finanzinstrument oder als virtuelle Währung eingestuft werden. Daraus ergeben sich wiederum Fragen der zuständigen Behörde, die weitere Schwierigkeiten hervorrufen.

Daraus ergibt sich die weitere Frage nach dem zuständigen Staat, der Libra bzw. den Zuckerberg-Konzern regulieren soll. Es sei in dieser Hinsicht vor allem wichtig, für die Zukunft entsprechende Richtlinien zu entwickeln.

Dazu müssten letztlich Staaten und Regulierungsbehörden auch grenzüberschreitend zusammenarbeiten:

Weil Libra grenzüberschreitend verwendet werden wird, ist es eine Frage des internationalen Interesses. Seine globale Natur würde auch eine globale Regulierung verlangen […].

Die Bedenken der Europäischen Zentralbank

Grundsätzlich sei die EZB äußerst aufmerksam, was Zahlungsinnovationen betreffe. Letztlich stelle Facebooks Libra die Möglichkeit bereit, dass sich die Kontrolle der EZB über den Euro vermindert. Indem sie nämlich eine Konkurrenz-Währung für den Euro darstelle, könnte sie dadurch die Nachfrage nach dem Euro und damit wiederum die Macht der EZB gefährden.

Mersch schließt seine Rede mit der Hoffnung, dass Menschen nicht das Vertrauen in Zentralbankengeld bzw. den Euro verlieren: „Ich hoffe aufrichtig, dass die Menschen in Europa nicht versucht sind, die Sicherheit […] etablierter Zahlungslösungen und -kanäle zugunsten der betörenden, aber tückischen Versprechungen des Sirenenrufs von Facebook zurückzulassen.“

 

Source: BTC-ECHO

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