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Wie Karls mit Erdbeeren Online und Offline eine Multi-Millionen-Firma gebaut hat

·Lesedauer: 4 Min.
Bei Karls dreht sich alles um Erdbeeren. Um das Produkt haben sich Freizeitparks und Hotels gebildet.
Bei Karls dreht sich alles um Erdbeeren. Um das Produkt haben sich Freizeitparks und Hotels gebildet.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Digital Unplugged“ von OMR-Chef Philipp Westermeyer. Dort zeigt der Marketingexperte die neuen Spielregeln, auf die sich Unternehmen und Konsumenten in den nächsten Jahren dank Digitalisierung einstellen sollten.

Karls Erdbeerhof kennt mittlerweile nicht nur jeder Berliner, weil die kleinen süßen Erdbeerbüdchen gefühlt an jeder Ecke stehen – und in der Tat sind es bereits 460 Stück. Das Unternehmen zeigt wie Sixt und Amazon richtig gut, wie
man mit einem Flywheel arbeiten kann.

Vor über 75 Jahren noch bestand das Unternehmen aus Erdbeerfeldern, die Erdbeeren wurden entweder klassisch als solche verkauft oder für über 40 Jahre an Schwartau geliefert. Inzwischen lässt sich sagen, es ist ein Imperium rund um die Erdbeere geworden, mit 150 Millionen Euro Umsatz im Jahr, 1.000 festen Mitarbeitern und bis zu 5.000 in Erntezeiten.

Spannend ist, dass die Erdbeere noch immer und einzig im Mittelpunkt steht, heute allerdings im Mittelpunkt eines disneylandartigen Konzepts in der norddeutschen Urlaubsregion: Sieben Freizeitparks sind es mittlerweile, zwei richtig große, die Upcycling- und Eis-Hotels laufen, ein weiteres großes Hotelprojekt mit 80 Hektar Land und 100 Millionen Euro Investition kommt hinzu. Besitzer und Geschäftsführer Robert Dahl sieht sich dabei noch immer als Erdbeerbauer, und nachdem die Firma zwischenzeitlich über zwanzig Produkte entwickelt hatte, verstand er auch, warum: Es ist die Identität dieses Familienunternehmens, und das soll auch so bleiben.

Spaß und Unterhaltung gehören dazu

Also hieß es nach kleinen Exkursen „back to the roots“ und doch alles ganz anders. Denn die Parks sind geblieben, Spaß und Unterhaltung gehören ebenso zur DNA von Karls. Sein Vater hat den Grundstein gelegt, als er in Wimbledon sah, wie sich Erdbeeren verkaufen lassen: originell, sexy, mit Gefühl. So sollten Erdbeerstände aussehen. Dass bei Karls daraus Erlebnisparks geworden sind, hat sich aus den Bedürfnissen von Kunden und der Dahl-Familie entwickelt, es schien ein natürlicher Prozess, die Berührungspunkte auszubauen.

Und doch gab es einen Schlüsselmoment, als Robert Dahl 2007 in der Zeitung die Traktorbahn in einem Familienpark sah. Völlig begeistert fuhr er hin und wusste sofort: Das ist es, das will ich machen. Also wurden 1,5 Millionen Euro in die Hand genommen und ein Jahr später die erste Bahn eröffnet. Während die Parks freien Eintritt gewährten, nahm Robert Dahl trotz anfänglicher Sorge, die Gäste zu vergraulen, zwei Euro für die Traktorbahnfahrten – das Investment war einfach zu hoch, um die Bahn gratis fahren zu lassen.

Und siehe da: Auch das war richtig. Ein paar Jahre später hatte jeder der Standorte solch eine Bahn, und die 5,5 Millionen Gäste, die jährlich kommen, sind begeistert, die Community wächst.

Die digitale Marketingstrategie von Karls

Was zunächst vielleicht sehr analog und klassisch anmutet, entpuppt sich bei näherem Hinschauen als enorm smarte und auch digitale Marketingstrategie. Denn es sind nicht nur die Erdbeerverkaufsstände, Parks und Hotels, es sind auch die Maßnahmen online, die konstant Berührungspunkte schaffen. Hier zieht das Unternehmen so ziemlich alle Register, die zu ihm passen.

Auf Instagram hat Karls Erdbeerhof im April 2021 seine Zahlen trotz Corona-Bedingungen auf über 100.000 Follower gesteigert, bei Facebook kommen noch mal 360.000 dazu. Auf beiden Kanälen schafft Karls ein inniges Ambiente mit hochfrequenten Posts, Storys und Co. Hinzu kommen Newsletter, die sich möglicherweise etwas altbacken anfühlen, aber die Kunden binden. Rund 175.000 Adressen erfreuen sich regelmäßig an News und Infos. In den Corona-Hochphasen waren es mehr als sieben Newsletter wöchentlich, manchmal gar mehrere täglich.

Klingt nach Overkill? Mag sein, und tatsächlich sind einige Kunden abgesprungen. Doch Erfolgstracking und Umsatz haben klar gezeigt: Unterm Strich hat der Hof mehr Fans gewonnen als vergrault. Gerade die Parks waren schließlich bei Jung und Alt beliebt, Updates zu Schließungen wichtig – und der Onlineshop als Alternative zum Park war es ebenso.

„Biete viel umsonst“

Auch hier zeigen Robert Dahl und sein Team ihre »digitale Denke« und bauen eine plattformähnliche Struktur auf, die an Amazon erinnert. Biete viel, biete viel umsonst, mache dich unabkömmlich, verkaufe gute Produkte und halte Kontakt, online wie offline. Mit der nötigen Portion Leidenschaft und Spaß wächst dann ein Unternehmen heran, das gut und gerne eine halbe Milliarde Euro wert ist.

Was Robert Dahl aktuell nicht dazu bringt, über einen Verkauf nachzudenken – er macht das doch schließlich aus Spaß. Und richtig gut. Dass sein Vorbild Walt Disney ist, lässt sich schnell nachvollziehen, und auch sein authentisches Interesse an Freizeitparks und Familienspaß wirkt sich positiv auf sein Unternehmen aus, denn so hört er nicht auf, weiter daran zu arbeiten und Neues auszuprobieren, ob personalisierte Videos für Parkgäste, neue Anbauverfahren für seine Erdbeeren, weitere Online-Gimmicks auf Social Media, verrückte Rezepte wie Süßkartoffelpommes mit Erdbeergrütze und Vanilleeis oder weitere Parkattraktionen.

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