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Wie Kapitalmarktprofis Trumps Deal mit China bewerten

Fast zwei Jahre hat der Handelskrieg zwischen den USA und China gedauert. Mit der Teillösung sehen Experten neue Chancen für Anleger.

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Fast zwei Jahre nach dem Start des Handelskriegs haben sich die USA und China auf ein „großes, schönes Monster“ geeinigt, wie US-Präsident Donald Trump den Deal nennt. Auf 86 Seiten wurde der erste Teilabschluss einer Einigung aufgeschrieben.

Das Handelsabkommen lässt erhebliche Zölle bestehen und würde Peking zum ersten Mal bestrafen, wenn es seine Zusagen mit Blick auf Währung und Handelsbilanz nicht einhält. „Die Frage bleibt weiterhin, ob der Pakt die Beziehungen zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt neu ordnen wird“, zeigt sich Andreas Heinemann, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, skeptisch.

Konkret haben sich die Chinesen verpflichtet, in zwei Jahren zusätzliche US-Industriegüter im Wert von knapp 78 Milliarden Dollar zu kaufen, zudem Energie im Volumen von 52 Milliarden Dollar. Außerdem addieren sich zusätzliche Dienstleistungen auf knapp 38 Milliarden Dollar.

Hier geht es vor allem um den Finanzsektor, den China ohnehin schrittweise öffnet. Gleichzeitig sprach Trump von bis zu 50 Milliarden Dollar für zusätzliche Käufe von Agrarprodukten aus den USA. Vor der Präsidentenwahl im November will der Republikaner bei Landwirten und bei Industriearbeitern punkten. Der US-Flugzeugbauer Boeing dürfte zu den großen Gewinnern zählen.

Trotz der weiterhin vorhandenen Unsicherheiten sieht Catherine Yeung, Fondsmanagerin bei Fidelity, vor allem eine Entspannung an den Märkten nach der Vereinbarung. Allerdings wurden einige der strittigsten Fragen nach der Analyse von Bernd Weidensteiner und Hao Zhou von der Commerzbank nicht angegangen: etwa die chinesischen Subventionen für inländische Unternehmen und die Rolle der staatseigenen Betriebe.

Ohnehin bleibt nach Ansicht der Experten abzuwarten, ob China alle seine Verpflichtungen aus dem Teilabschluss erfüllt. „Die Erfahrungen aus der Vergangenheit machen in dieser Hinsicht nicht allzu große Hoffnungen“, urteilen die beiden Experten. Die Chinesen könnten die Probleme aussitzen wollen und sich Besserung für die Zeit nach der Präsidentschaft von Trump erhoffen.

Anleger würden deshalb genau auf neue Nachrichten schauen, um zu sehen, ob sich neue Spannungen aufbauen, sagt Francoise Huang von der Allianz. Das träfe vor allem auf Investoren in Aktien zu.

Neue Probleme könnten immer wieder zur kurzfristigen Flucht in sichere Anlagehäfen führen. Hier geht es in der Regel um Staatsanleihen in den USA und Japan sowie Bundesanleihen. Trotzdem werde die Politik der Notenbanken weiterhin der Haupttreiber dafür sein, wie sich die Anleiherenditen weltweit entwickelten.

Die Allianz erwartet beispielsweise, dass die zehnjährigen US-Staatsanleihen unter dem eigentlich fundamental gerechtfertigten aktuellen Zinssatz von 1,9 Prozent vor den Wahlen in den USA im November rentieren werden.

Welche Anlagen sich in China lohnen

Fidelity-Managerin Yeung rät bei Aktieninvestments in China dazu, den Schwerpunkt nicht auf große bekannte Namen wie Alibaba und die Versicherung AIA Group zu legen, die bereits gut gelaufen seien. Größere Kurschancen schlummerten in Werten aus der zweiten Reihe.

Hier habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, damit die Aktien für ausländische Anleger attraktiver würden. Hierzu zählt sie die verbesserten Regeln für gute Unternehmensführung (Corporate Governance). Zudem gebe es inzwischen Vorgaben für die Dividendenpolitik.

Als Risiko sieht sie die Inflation, die die Notenbank möglicherweise zu einer Reaktion auf der Zinsseite zwingen könnte. Als Grund nennt Yeung die Schweinegrippe, die die Preise für das beliebte Nahrungsmittel Schwein auf einen neuen Rekord getrieben habe – trotz starker Einfuhren aus den USA.

Es sei die Gefahr vorhanden, dass höhere Preise das Haushaltseinkommen deutlich schmälerten und dies zu Unzufriedenheit führe.

In den nächsten fünf Jahren soll sich der Anleihemarkt in China verdoppeln, schätzt Vanessa Chan von Fidelity. Heute weist der Markt ein Volumen zwischen zwölf und 13 Milliarden Dollar auf.

Die Regierung versuche, ausländischen Anlegern mehr Möglichkeiten für Investments zu bieten. „Künftig sollen die Unternehmen sich stärker über den Anleihemarkt refinanzieren“, sagt die Expertin. Die Schulden der Firmen in China basierten immer noch zu 80 Prozent auf Krediten.

In den USA liege das Verhältnis bei 50 zu 50. Dabei sollen Bonds vor allem in Yuan begeben werden. Das biete für Anleger den Vorteil einer niedrigen Korrelation mit anderen internationalen Bonds aus dem Westen.

Zugleich fielen die Kursschwankungen deutlich kleiner aus. Zwar stiegen die Ausfallraten bei den Anleihen. Doch mit einem Volumen von unter einem Prozent lägen sie im internationalen Vergleich weiterhin niedrig.

Nach der vorläufigen Einigung in der Phase eins sehen Experten eine noch größere Herausforderung im nächsten Teilabschnitt der Handelsverhandlungen. US-Finanzminister Steven Mnuchin regte bereits an, die Phase zwei in einzelne Tranchen zu unterteilen.

Ein solcher stufenweise Ansatz könnte der beste Weg sein, eine erneute Eskalation der bilateralen Streitigkeiten zu vermeiden, urteilt die Commerzbank. Die Märkte würden es danken.