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Kanzlerin Merkel: „Ich verstehe Klimaschutz als Wachstumstreiber“

·Lesedauer: 3 Min.

Führende Politiker und Unternehmer fordern eine deutliche Reduzierung der Treibhausgase. Den Umbau der Wirtschaft sehen sie als Verpflichtung und Chance.

Angela Merkel hofft auf Wirtschaftswachstum durch Klimaschutz. Foto: dpa
Angela Merkel hofft auf Wirtschaftswachstum durch Klimaschutz. Foto: dpa

Bis 2050 soll Europa als erster Kontinent klimaneutral werden. Das ist das Ziel. Doch wie kann das gelingen? Welche Politik wird benötigt, um Unternehmen und Gesellschaft auf diesem Weg mitzunehmen und aus dem europäischen Green Deal ein Wachstumsprojekt zu machen?

So unklar noch die Instrumente sind, so klar ist, dass die Ambitionen steigen müssen. „Wenn wir bis 2050 Klimaneutralität erreichen wollen, dann müssen wir uns jetzt mehr anstrengen“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Auftakt der Jahrestagung der Stiftung 2 Grad am Donnerstagnachmittag. „Die Zeit des Zögerns ist vorbei, der Druck ist da zu handeln.“

Der Stiftung 2 Grad gehört eine wachsende Gruppe von Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführern und Familienunternehmern an, die sich für Klimaschutz starkmacht. Sie ist nach ihrem wichtigsten Ziel benannt, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. „Wir stellen fest, dass sich immer mehr Unternehmen dem Thema Klimaschutz widmen“, sagte Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen bekräftigte die Notwendigkeit, die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Sie wisse, das sei ehrgeizig, und die Voraussetzungen in den Mitgliedstaaten seien sehr unterschiedlich. Zugleich sei es unumgänglich. Die Menschen erwarteten, dass nicht mehr länger auf Kosten der Umwelt gewirtschaftet werde. „Der Kampf gegen den Klimawandel ist die größte Verpflichtung unserer Generation“, sagte von der Leyen. „Zugleich ist er unsere größte Chance.“ Europa sei führend in der Entwicklung vieler klimafreundlicher Technologien. Das gelte es auszunutzen.

Klimaschutz als Wachstumstreiber

Bis Ende des Jahres wollen sich die EU-Staaten auf ein neues Klimaziel einigen. Die bisherige offizielle Zielmarke liegt bei der Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2030. Was ein neues Ziel konkret für die Verpflichtungen der einzelnen Mitgliedstaaten bedeutet, ist noch unklar. Das Umweltbundesamt hatte sich jüngst für eine Zielverschärfung auf 60 Prozent ausgesprochen.

„Ich verstehe Klimaschutz nicht als Wachstumshindernis, sondern als Wachstumstreiber“, stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer kurzen Grußbotschaft fest. Sie dankte der Stiftung, „dass sie uns die unverminderte Dringlichkeit des Klimaschutzes vor Augen führt“. Das Coronavirus ändere nichts daran, dass der Klimaschutz eine Menschheitsaufgabe sei. „Wie wir sie bewältigen, entscheidet wesentlich darüber, wie unser Leben künftig aussehen wird.“

Die Kanzlerin erklärte, die Bundesregierung unterstütze das von der Kommission vorgeschlagene Reduktionsziel der klimaschädlichen Emissionen von 55 Prozent bis 2030. Es sei schwierig, diesen Weg einzuschlagen, „aber auch lohnend, um wirtschaftliche Schäden infolge des Klimawandels zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen“. Zudem eröffneten sich neue Marktchancen.

VW-Chef Diess: Große Verantwortung

Auch VW-Chef Herbert Diess bezeichnete den Klimawandel als „größte Herausforderung der Menschheit“ und mahnte, die Erderwärmung ernst zu nehmen. Ansonsten würde man einen großen Fehler machen. „Wir haben eine große Verantwortung den nächsten Generationen gegenüber“, sagte er im Gespräch mit Stiftungsvorständin Nallinger. Das Gespräch war Anfang der Woche aufgezeichnet worden.

„Wir können CO2-frei werden bis 2050“, sagte Diess zu den Ambitionen der EU. „Davon bin ich überzeugt, deswegen sollten wir es tun.“ So ein Wandel führe immer dazu, dass Arbeitsplätze verloren gingen, aber auch neue entstünden. Der Wandel sei machbar, so der VW-Chef. „Wenn man den gesellschaftlichen Konsens schafft, dann ist der Wandel zu bewältigen.“

VW sieht er gut gerüstet. Am Ende sei der Konzern mit seiner Fahrzeugflotte für ein Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. „Wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen.“