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Kampfansage aus Shanghai: Mit Hilfe eines Ex-BMW-Managers will milliardenschwerer chinesischer Autobauer VW und Daimler schlagen

Philip Kaleta
·Lesedauer: 3 Min.
Evergrande präsentiert seine neuen E-Automodelle auf der Shanghai-Motorshow.
Evergrande präsentiert seine neuen E-Automodelle auf der Shanghai-Motorshow.

Um 11 Uhr chinesischer Zeit ist die Aufregung in Shanghai am Stand gegenüber von BMW groß: Fans, Fotografen und Journalisten drängen sich dicht aneinander. Jeder will einen Blick erhaschen auf das, was einer der größten Kampfansagen an deutsche Autobauer seit Tesla sein könnte – so will es jedenfalls der Autobauer Evergrande Automotive verstanden wissen. Der chinesische Konzern präsentiert am Montag nämlich gleich 9 neue Elektro-Modelle, die das Unternehmen insgesamt in siebenstelliger Stückzahl verkaufen will in den kommenden Jahren.

Die Attacke auf Volkswagen, Daimler & Co. führt ausgerechnet ein ehemaliger BMW-Manager, Daniel Kirchert. „Wir haben die Absicht, mit globalen Premiummarken wie Mercedes-Benz, Audi, BMW, Tesla zu konkurrieren“, sagt Kirchert. Der Ex-Bayer hat erst im März bei den Chinesen als Vizepräsident angeheuert, ist zuständig für Strategie- und Produktthemen. Kirchert war davor Geschäftsführer beim Elektro-Start-up Byton, sein Abschied bei dem insolventen Unternehmen ist alles andere als glatt abgelaufen. Im Zusammenhang mit der Byton-Pleite ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen den Ex-Vorstand, ein Haftbefehl wurde mittlerweile aufgehoben.

Daniel Kirchert in Shanghai
Daniel Kirchert in Shanghai

Evergrande will an die Spitze

Nun hat er mit Evergrande eine neue Heimat gefunden und präsentierte am Montag bei der Shanghai Motor Show den großen Angriff auf die globalen Auto-Player. „Noch nie hat ein Autobauer ein solch diversifiziertes Produktportfolio in einer so kurzen Zeit auf die Beine gestellt“, sagt Kirchert, als er die E-Modelle präsentiert. Vor allem die Reichweite, die die Fahrzeuge laut Unternehmen erreichen sollen, setzt ein Ausrufezeichen. Mehr als 700 Kilometer sollen es sein, beim „Hengchi 8“ sogar 810 Kilometer. Zum Vergleich: Der neue EQS von Daimler soll eine Reichweite von bis zu 770 Kilometern haben.

Die Chinesen hoffen auf einen enormen Absatz: Bis 2025 will Evergrande rund 1 Million Fahrzeuge verkaufen, bis 2035 sollen es 5 Millionen verkaufte Autos sein. Mit diesem Ziel wollen sich die Chinesen an die Spitze der E-Autobauer setzen. Im zweiten Halbjahr 2021 startet die Serienproduktion, 2022 sollen Kunden in die Autos einsteigen können. Außerdem entstehen aktuell mehrere Fabriken gleichzeitig, drei sollen schon fertiggestellt sein. In Guangzhou steht eine der Fabriken, in Shanghai sitzt das Entwicklungszentrum des Konzerns.

Die Chinesen setzen auf deutsche Ingenieurskunst

Bei der Erreichung ihrer ehrgeizigen Ziele setzt Evergrande dann aber doch wieder auf die bewährte Ingenieurskunst aus der alten Welt, vor allem auf deutsche Wertarbeit. Zulieferer sind etwa Edak aus Fulda und München, Bosch, Siemens und Magna aus Österreich. Auch beim Design ihrer Fahrzeuge legen die Chinesen ihre Hoffnungen unter anderem in die Hände des Ex-Bayers Andres Warming, früherer Chef-Designer von BMW.

Die „China Evergrande New Vehicle Group Limited“ ist eine Tochtergesellschaft des Immobilienkonzerns Evergrande. Das Konglomerat ist laut chinesischen Medien seit 2018 der wertvollste Konzern in dem Segment weltweit. Etwas kurios ist allerdings der Umstand, dass ein Konzern dieser Größe seinen offiziellen Firmensitz in der Steueroase auf den Cayman Islands hat. Die Konzerne im kommunistischen China suchen also allem Anschein nach auch nach Wegen, möglichst wenig von ihren Erlösen an den Staat abzugeben.