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Kaeser hat kommunikativ alles richtig gemacht

Dass der Siemens-Chef der Klimaaktivistin Luisa Neubauer einen Aufsichtsratsposten angeboten hat, ist taktisch klug. Auch wenn sie das Angebot wohl abzulehnen scheint.

Der Siemens-Chef hat Luisa Neubauer einen Aufsichtsratsposten angeboten. Foto: dpa

Siemens-Chef Joe Kaeser hat mal wieder alle überrascht. Selbst die schlagfertige Klimaaktivistin Luisa Neubauer musste sich nach Kaesers Angebot einen Aufsichtsratsposten zu übernehmen, Bedenkzeit ausbitten und sich erstmal beraten. Zudem gab es die üblichen Reaktionen auf die überraschende Ankündigung. Luisa Neubauer sei doch mit ihren 23 Jahren zu jung, habe keinerlei Erfahrung, um als Aufsichtsrätin zu agieren. Doch bereits der FDP-Vorsitzende Christian Lindner legte eine glatte Bauchlandung hin, als er sagte, das Thema Klimaschutz sei nur etwas für Profis.

Man kann bestimmt die Doppelmoral von Neubauer kritisieren, wenn sie Langstrecke fliegt und gleichzeitig das Siemens-Engagement in Australien kritisiert. Aber Expertise kann man der Fridays for Future-Aktivistin nicht absprechen. Jetzt hat Kaeser ihr angeboten, etwas mitzugestalten. Das will sie offenbar nicht. Es ist ihre Entscheidung. Neubauer sollte aber nicht nur eine Besserwisserin sein, sondern eine Bessermacherin werden.

Der Vorstoß von Kaeser wäre zudem eine ideale Generationenbrücke. Während sich halb Deutschland darüber aufregt, ob der WDR-Kinderchor die Oma als Umweltsau bezeichnen darf, hätte hier die Chance bestanden, Jung und Alt beim Klimathema konstruktiv zusammenzubringen. Viele Bürger merken doch bei den Gesprächen mit ihren Kindern, dass da mehr dahintersteckt als nur irgendwelche Flausen. Da sitzt dann in vielen Familien schon eine schwarz-grüne Koalition beim Frühstückstisch zusammen.

Manchmal ist Erfahrung in Wirtschaft und Politik entscheidend. Das sieht man an Joe Kaeser bei Siemens. Manchmal kommt es aber auf Jugendlichkeit an. Mark Zuckerberg war keine 26 Jahre alt als er mit Facebook startete. Der wiedergewählte österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ist 33 Jahre alt, seine Amtskollegin in Finnland ist 34 Jahre. Die Menschen haben sie trotzdem, oder sogar deswegen gewählt.

Kaeser hat zudem auch auf der kommunikativen Ebene alles richtig gemacht. Über das Siemens-Kohleprojekt in Australien redet keiner mehr. Selbst der neue stellvertretende SPD-Chef Kevin Kühnert wurde über Twitter gleich ganz neidisch, weil Neubauer das Angebot bekam. Dabei ist der Aufsichtsrat in dem Konzernen paritätisch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzt. Auf die Idee mit Neubauer hätten auch die Gewerkschaften mitsamt der SPD kommen können. Offenbar fürchtet Kühnert, dass die Grünen künftig auch noch in den Aufsichtsräten der SPD den Rang ablaufen könnten.

Das Thema Klimaschutz ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft. Für Jung und Alt, für Politik und Wirtschaft heißt es deshalb: Es ist Zeit, im Kopf umzuparken.