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K+S IM FOKUS: Kein Ende der Misere in Sicht - Steht Kapitalerhöhung an?

KASSEL (dpa-AFX) - Eine schwache Düngernachfrage macht dem MDax-Konzern K+S <DE000KSAG888> immer mehr zu schaffen. Wie die großen Konkurrenten drosselt K+S die Produktion deutlich. Das verhagelt zunächst die Gewinnziele. Es soll aber helfen, die Verkaufspreise zu stabilisieren und mittelfristig die Nachfrage wieder anzukurbeln. Den Aktionären geht derweil nach mehreren tristen Jahren die Geduld aus. Sie befürchten angesichts hoher Schulden von K+S eine anteilsverwässernde Kapitalerhöhung. Was bei dem Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI K+S:

Eigentlich sollte 2019 endlich alles besser werden: Höhere Düngerpreise und ein gestiegener Absatz lieferten den Kasselern in den ersten Monaten des Jahres ordentlich Rückenwind. Doch wie so oft in den vergangenen Jahren ließ die Ernüchterung nicht lange auf sich warten. Schon im September kündigte das Unternehmen an, wegen einer sich abschwächenden Nachfrage die Kaliproduktion zu senken. Im November trat Konzernchef Burkhard Lohr dann nochmals auf die Bremse.

Insgesamt sollen nun rund 500 000 Tonnen weniger produziert werden als ursprünglich gedacht. Und das geht ins Geld. Lohr rechnet daher 2019 nur noch mit einem leichten Wachstum des operativen Gewinns (Ebitda) auf rund 650 Millionen Euro nach zuvor angepeilten 730 bis 830 Millionen Euro angepeilt.

Mit den Einschnitten tat es K+S großen Konkurrenten wie Nutrien <CA67077M1086>, Mosaic <US61945C1036> und Belaruskali gleich. Die Hoffnung der Hersteller ist, dass bei einem geringeren Angebot die teils prall gefüllten Lager der Kunden schneller leer werden und dann höhere Verkaufspreise durchgesetzt werden können. "Die Situation ist schwierig, aber wir sind hoffnungsvoll, dass der Markt 2020 auf die Maßnahmen reagierten wird," sagte Lohr.

Bis es so weit ist, nagen die Produktionskürzungen am Gewinn. Die Schwierigkeiten von K+S setzen sich damit fort. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Kasseler mit massiven Problemen zu kämpfen: So fehlten im hessisch-thüringischen Kalirevier 2018 Fachkräfte und Maschinen - Engstellen, bei denen K+S gegensteuerte. Zudem musste die Produktion entlang der Werra wegen Niedrigwassers immer wieder gestoppt werden, da nicht ausreichend Produktionsabwässer eingeleitet werden konnten. Hier sah es in diesem Jahr deutlich besser aus.

K+S hat zudem mehr Spielraum: Dank eines Zwischenspeichers für Salzabwässer in 700 Metern Tiefe in einem ehemaligen Abbaubereich ist der Kali- und Salzproduzent besser gegen Produktionsausfälle durch Trockenheit gerüstet. Eines der größten Probleme der vergangenen Jahre ist damit zumindest abgefedert.

Und auch im neuen Werk in Kanada lief etwas besser, nachdem Anlaufschwierigkeiten K+S zuvor größere Probleme bereitet hatten. So verklumpte der Dünger beim Transport nach Übersee teilweise und musste dann für viel Geld wieder zermahlen oder mit Rabatt verkauft werden. Hier wurde zuletzt weitere Technik nachgerüstet, um die Qualität zu verbessern.

Angesichts der operativen Fortschritte kommt die Eintrübung des Kalimarktes zu einer Unzeit. So will K+S nach Jahren der Investitionen - vor allem in Kanada - 2019 endlich wieder einen freien Barmittelzufluss (Free Cashflow) erzielen. Wegen der Gewinnentwicklung unter Plan soll dieses Ziel nun mit Hilfe geringerer Investitionen erreicht werden. Investoren haben den Free Cashflow aktuell besonders im Blick, da hohe Schulden auf K+S lasten.

Wie das Jahresende verläuft, dürfte nun stark vom wettergeprägten Salzgeschäft der Kasseler abhängen. Im dritten Quartal hatten sich viele Städte gerade in Nordamerika mit Bestellungen von Streusalz zurückgehalten. Deutlich nach oben ging es zuletzt indes im Bereich Speisesalz. Hier setzte K+S verstärkt auf im Trend liegende und profitable Spezialitäten wie Meersalz und Ursalz.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die im Index der mittelgroßen Werte MDax <DE0008467416> gelisteten Aktien stehen, abgesehen von wenigen Erholungsphasen, seit mehr als einem Jahrzehnt unter Druck. Im Jahr 2008 - kurz vor der globalen Finanzkrise - hatten die Papiere 97,35 Euro gekostet. Nun droht ein Rutsch unter die Marke von 10 Euro. Allein seit der Bekanntgabe der weiteren Produktionskürzungen Mitte November haben die Papiere fast ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt und kosten aktuell so wenig wie zuletzt 2005.

Auf den Kurseinbruch im Sog der Weltfinanzkrise 2008 bis 2009 folgte eine Erholung bis ins Jahr 2011 hinein. Anschließend purzelte der Aktienkurs wieder. 2015 trieb das Interesse des kanadischen Wettbewerbers Potash den Kurs nochmal bis auf rund 40 Euro. Allerdings gab Potash - das mittlerweile mit Agrium zu Nutrien <CA67077M1086> fusionierte - die Pläne wegen des Widerstands des Managements von K+S sowie einer Eintrübung des Kali-Marktumfeldes auf. Seither geht es für den K+S-Kurs beständig abwärts: etwa drei Viertel ihres Wertes haben die Papiere seither verloren.

Für 2019 steht bislang ein Minus von mehr als einem Drittel auf dem Kurszettel. Das bedeutet den vorletzten Platz im MDax, der im gleichen Zeitraum um rund ein Viertel zulegte. Der Börsenwert von K+S ist mittlerweile auf weniger als zwei Milliarden Euro gesunken, womit es bei dieser Kennziffer eines der kleinsten Unternehmen im Index der mittelgroßen Werte ist.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die meisten der zehn seit Mitte November im dpa-AFX-Analyser erfassten Experten sehen nach dem nochmals verschärften Kursrutsch der vergangenen Wochen Luft nach oben für die Papiere. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 13,92 Euro. Dabei sind vier Experten so zuversichtlich, dass sie eine Kaufempfehlung aussprechen, fünf sagen "Halten" und einer rät, sich von den Papieren zu trennen.

Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan ist am pessimistischsten. Er kappte sein Kursziel jüngst auf 9,50 Euro und stuft die Aktien mit "Underperform" ein. Das Management scheine eine noch stärkere Eintrübung des Kalimarktes für möglich zu halten, bevor Besserung eintritt. Dies und steigende CO2-Kosten zehrten die eigentlichen operativen Verbesserungen bei K+S mehr als auf. Zudem will das Management die angespannte Schuldensituation schnell verbessern, wobei es auch eine Kapitalerhöhung nicht ausschließe.

Axel Herlinghaus von der DZ Bank hält K+S zu Gute, dass das Unternehmen im aktuell schwierigen Umfeld so gut wie möglich operiere. Die Produktionskürzungen der großen Anbieter dürften die Angebots-Nachfrage-Balance im Laufe des ersten Halbjahres 2020 wiederherstellen, glaubt der Experte. Bis dahin dürften die Kalipreise aber noch unter Druck stehen. Letztendlich sollten sich aber die Perspektiven für die Aussaatflächen der Landwirte etwa in den USA und Brasilien aber aufhellen, was auch den Düngerverbrauch hochtreiben sollte. Daher sei K+S-Aktie weiterhin kaufenswert.

Zu solch einem Schluss kommt auch Jonas Oxgaard von Bernstein Research. Er verweist auf eine träge Mais- und Sojaernte in den USA, wo Landwirte immer noch unter den Folgen von Überschwemmungen im Frühjahr leiden. Eine schlechtere Ernte aber dürfte zu höheren Preisen für die Feldfrüchte führen, wodurch Landwirte mehr Geld für Dünger übrighätten. Daher hält der Analyst eine Erholung der Kalipreise bereits Anfang 2020 für möglich.