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Kötter will für Unternehmen künftig Testzentren auf deren Gelände betreiben

Müller, Anja
·Lesedauer: 2 Min.

Die Sicherheitsfirma hat in der Coronakrise Aufträge durch Messen und Flughäfen verloren. Nun baut Kötter die Organisation von Hygienemaßnahmen aus.

Die Pandemie macht auch in der Wirtschaft individuelle Hygienekonzepte notwendig. Neben Zutrittskontrollen und Temperaturmessung denken immer mehr Unternehmen über eigene Test- oder Impfzentren nach. Nun hat das Sicherheits- und Reinigungsunternehmen Kötter bekanntgegeben, dass es in die Pandemie-Bekämpfung für Unternehmen einsteigt. Neben den bisher angebotenen Zutritts- und Hygiene-Lösungen will Kötter künftig auch Testzentren auf Betriebsgeländen betreiben.

Dafür kooperiert Kötter mit dem Testzentren-Betreiber 21Dx aus München. Das von Peter Bistrot und Martina Steiner-Samwer gegründete Unternehmen betreibt bislang 15 Anlagen zum Beispiel in Berlin, Mannheim und München und verantwortet rund 50 mobile Testteams in Deutschland. Die Kooperation helfe bei der ganzheitlichen Prävention für die Beschäftigten und den Fortbestand von Produktions-, Logistik- und Geschäftsprozessen, sagt Bristot von 21Dx. „Denn wir brauchen beides: Intelligente Schutz- und Hygienemaßnahmen wie zielgerichtete Testungen.“

Wenn die Voraussetzungen gegeben seien, kann sich Kötter auch vorstellen, nicht nur Testeinrichtungen auf den Betriebsgeländen der Kundenunternehmen zu betreiben, sondern auch Impfungen anzubieten. Tatsächlich überlegen gerade größere Konzerne wie VW derzeit, eigene Impfzentren einzurichten.

Kötter stellt sich damit auf das durch die Pandemie veränderte Geschäftsumfeld ein. Mit 571 Millionen Euro konnte Kötter den Umsatz im Krisenjahr 2020 zwar um etwas mehr als ein Prozent steigern, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Das leichte Umsatzplus dürfe nicht den Blick für die „harte Realität verstellen“ oder sogar zu „falschen Erwartungen verleiten“, sagt Mitinhaber und Verwaltungsratschef Friedrich Kötter. „Denn die Wirtschaftskrise hat auch bei uns deutliche Spuren hinterlassen, wird sich voraussichtlich länger hinziehen, als alle vor dem zweiten Lockdown noch gehofft hatten, und ihre endgültigen Auswirkungen sind noch lange nicht absehbar“, betonte Kötter. Gemeint sind etwa die verlorenen Aufträge bei Passagierkontrollen sowie der Ausfall von Messen und Großveranstaltungen – beides noch anhaltende Belastungen.

„Speziell die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zeichnet ein verzerrtes Bild von der tatsächlichen Liquiditäts- und Finanzlage vieler Unternehmen in der aktuellen Rezession“, sagt Kötter, „und täuscht damit über die wirkliche gesamtwirtschaftliche Situation hinweg.“

Die Zahl der Mitarbeiter ging bei Kötter von 18.800 auf 17.600 zurück. Maßgeblich war dies durch den Verlust des Auftrags am Flughafen Düsseldorf begründet. Die Mitarbeiter seien inzwischen beim neuen Dienstleister, der Piepenbrock-Tochter DSW angestellt. Kötter spricht von der „schwersten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik“, in der sich das Land gerade befinde.

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