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Es könnte ungemütlich werden an den Aktienmärkten

Die kommende Woche ist gespickt mit Konjunkturdaten, die für Impulse an der Börse sorgen können – in welche Richtung auch immer. Die Sorgen werden größer, Investoren auf dem Parkett wirken verunsichert.


Die Zeiten unbehelligt kletternder Aktienkurse könnten vorerst vorbei sein. Der Strom der Quartalsberichte ebbt ab, der US-Aktienmarkt gilt als überhitzt – von den Hoffnungen der Investoren auf US-Präsident Donald Trump ist kaum noch etwas geblieben. Auch der europäische Markt kommt trotz jüngster Korrektur nicht billig daher. Und mit dem September steht ein klassisch schwacher Börsenmonat bevor.

Bereits die nächsten Konjunktursignale könnten wieder etwas schwächer ausfallen. Der Schock über einen neuerlichen Terroranschlag mit offenbar islamistischem Hintergrund, diesmal in Spanien, hat die Kurse am Freitag bereits spürbar belastet. Der Anschlag in Barcelona mit mindestens 14 Toten und mehr als 100 Verletzten zog auch Investoren in den Bann. Auch die Nachricht eines womöglich vereitelten zweiten Angriffs im katalanischen Touristenort Cambrils schockte. Die führenden europäischen Aktienindizes gaben nach. Der Dax schloss 0,3 Prozent tiefer bei 12.165 Punkten. MDax und EuroStoxx 50 notierten ebenfalls um diese Verlustmarken.


Vor allem Aktien aus der Freizeit- und Reisebranche litten. Im Gegenzug waren Staatsanleihen aus dem gemeinsamen Währungsgebiet als sichere Häfen gefragt. Der Goldpreis legte ebenfalls zu und erreichte zwischenzeitlich die 1300-Dollar-Marke für die Feinunze. Das ist der höchste Stand seit November 2016.

Damit nicht genug. „Die Überhitzung an den US-Märkten ist eine ernstzunehmende Hypothek“, mahnt Markus Reinwand, Analyst der Helaba. Hiesige Aktien hält er trotz der Korrektur in den Sommermonaten noch nicht für hinreichend attraktiv bewertet. US-Aktien aus dem breiten Index S&P 500 lägen trotz Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate deutlich über ihrem langfristigen Mittelwert, sagt Reinwand. Hinzu kommt, dass „die US-Börseneuphorie rund um Präsident Trump weiter verblassen dürfte“, wie Christian Kahler, Analyst der DZ Bank betont.


Zwar seien Euro-Titel im Vergleich zu US-Aktien deutlich vorzuziehen – doch Anleger sollten „ihr Pulver vorerst trocken halten“, meint Reinwand. Sollten sich die Kursrückgänge fortsetzen, wäre dies nicht nur gesund, sondern würde auch in das saisonale Muster passten – mit dem September steht der im langjährigen Vergleich schwächste Börsenmonat vor der Tür.

Auch Kahler von der DZ Bank erkennt ein anhaltendes Risiko für zunehmende Kursschwankungen – „massive Engagements drängen sich auf aktuellem Kursniveau nicht auf“, konstatiert er. Denn in der eher nachrichtenarmen Zeit nach dem nahenden Ende der Quartalsberichtsaison rechnet der Analyst nicht damit, dass „Anleger Ausreißer nach oben verpassen“. Erst nach der Bundestagswahl kann er sich vorstellen, dass ausländische Anleger wieder stärker in Europa einsteigen.


Gespannt auf Jackson Hole

In den kommenden Tagen dürfte vor allem eine Fülle von Konjunkturdaten Investoren und Börsenhändler auf Trab halten. Besonders spannend könnte die Veröffentlichung des Ifo-Index am Freitag werden. Der wichtigste Frühindikator in Deutschland für die wirtschaftliche Entwicklung kletterte in den vergangenen drei Monaten jeweils auf ein Rekordhoch.

Über die Stimmung der Börsenprofis gibt am Dienstag zudem der ZEW-Index Auskunft. Am Tag darauf folgen die deutschen und europäischen Einkaufsmanager-Indizes. „Mit dem kräftigen Wachstum im ersten Halbjahr dürfte die Konjunktur im Euro-Raum vorerst ihren Höhepunkt erreicht haben", erwartet Christoph Weil, Volkswirt der Commerzbank.


In den USA stehen unter anderem die Auftragseingänge für langlebige Güter auf dem Terminplan. Zwar zeichne sich hier ein Minus von sieben Prozent ab, weil der Vormonatswert durch Flugzeugbestellungen auf der Pariser Luftfahrtschau aufgebläht worden sei, betont Weil. Der Trend sei ansonsten aber trotzdem weiter leicht nach oben gerichtet.

Daneben warten Anleger auf das jährliche Notenbanker-Treffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming, das am Donnerstag beginnt. Von dem Spitzentreffen erhoffen sie sich Hinweise auf die künftige Geldpolitik der führenden Notenbanken. Mario Draghi wird sie aber wohl enttäuschen: Einem Insider zufolge will der Chef der Europäischen Zentralbank keine Aussagen zur erwarteten Drosselung der vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapierkäufe machen, um der Diskussion in seinem Haus nicht vorzugreifen. Derzeit pumpt die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte.


Der Nordkorea-Konflikt wird Börsianern zufolge auch in der neuen Woche nicht völlig aus den Köpfen der Anleger verschwinden, obwohl es zuletzt eine Pause im verbalen Schlagabtausch zwischen Trump und Kim Jong Un gab. Der US-Präsident hatte Nordkorea vor knapp zwei Wochen für den Fall weiterer Provokationen „Feuer und Zorn“ angedroht. Der dortige Machthaber konterte mit Plänen für einen Angriff auf eine US-Militärbasis im Pazifik – das hatte bei Anlegern massive Verunsicherung ausgelöst.

Mit Material von Reuters und Bloomberg

KONTEXT

Die besten Anlagen 2016

Zucker

Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 deutlich gestiegen. Am deutlichsten stieg der Preis für Rohrzucker - auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.

Aktien Russland

Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. Aus 100.000 in Russland angelegten Euro wurden so im vergangenen Jahr 152.950 Euro. Zum Vergleich: Aus 100.000 angelegten Euro wurden im amerikanischen Dow Jones - inklusive des Dollar-Anstiegs - "nur" 116.140 Euro, im deutschen Dax waren es 106.780 Euro und im Euro Stoxx 50 der Standardwerte im Euro-Raum 100.770 Euro.

Öl

Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. was sie Ende 2016 tatsächlich machten. Aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro wurden bis am Jahresende 161.080 Euro.

Zink

Zink war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Im vergangenen Jahr stieg der Preis von Zink, das vielfach in der Industrie eingesetzt wird in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.

Aktien Kasachstan

Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Wer 100.000 Euro in den gerade mal neun Werte umfassenden Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent.

Aktien Peru

Die Aktie in Peru profitierte von der Wahl des neuen Präsidenten Pablo Kuczynski, der als liberal und wirtschaftsfreundlich gilt. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert - und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Auch die Landeswertung Sol stieg. Das machte bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren.

Aktien Brasilien

Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff trieb Brasiliens Aktienkurse und den Real nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht - ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand: 30.12.2016