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Wie ihr junges Startup schon zum zweiten Mal durch eine Übernahme wächst

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Schielte seit dem Start auf Übernahmemöglichkeiten: Weddyplace-Gründerin Pauline Köhler
Schielte seit dem Start auf Übernahmemöglichkeiten: Weddyplace-Gründerin Pauline Köhler

Davon, dass die Corona-Pandemie der Hochzeitsbranche schwer zugesetzt hat, gibt sich Pauline Köhler unbeeindruckt. Die Gründerin des Berliner Startups Weddyplace schaut lieber nach vorn. Denn 2022 soll alles wieder besser werden – vor allem für digitale Anbieter – glaubt sie und verweist auf Marktexperten. Ihr eigenes Unternehmen sieht sie dafür gut aufgestellt, vor allem, weil sie Neues zu verkünden hat, wie Gründerszene exklusiv erfuhr: die Übernahme des bisherigen Wettbewerbers Wonderwed.

Wie viel Geld bei dem Deal geflossen ist, will Köhler nicht verraten. Nur so viel: „Es war eine reine Cash- und keine Equity-Transaktion.“ Bereits seit Längerem sei die Übernahme vorbereitet worden, seit vergangenem Frühjahr arbeiten die beiden Wonderwed-Gründerinnen Jana Claaßens-Pascault und Julia Engel-Peters hauptberuflich in anderen Jobs. Bis zur Übernahme habe die Firma profitabel gearbeitet, so Köhler auf Nachfrage. „Wenn es gut passt, werden wir auch Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter übernehmen“, sagt sie. Derzeit ist ihr eigenes Weddyplace-Team 17 Köpfe stark.

Hochzeitsgäste als Marketingkanal

Durch die 3.500 dazu gewonnenen Dienstleister verfügt Weddyplace nun über die größte Auswahl im deutschsprachigen Raum, 12.000 sind es nun insgesamt. Weddyplace ist Vermittler und Planungstool: Paare können Dienstleister für ihre Hochzeit buchen, etwa Caterer, Musiker und Locations. Außerdem erhalten die Nutzer individuelle To-do-Listen und Budgetplaner für die Festvorbereitung. Auch eine eigene Hochzeitswebseite lässt sich auf der Plattform erstellen.

Dass Hochzeitskunden im Idealfall nicht sehr regelmäßig auf das Angebot des Startups zurückgreifen und damit wiederkehrende Umsätze eher selten sind, hat Köhler mit einkalkuliert. „Im Schnitt haben die Hochzeiten 80 Gäste, und über das Gästemanagement stehen wir mit denen in Kontakt.“ Will heißen: Wenn die selbst heiraten, kennen sie die Plattform bereits. „Wenn wir alles richtig machen, bedeutet das für uns gutes Marketing“, sagt Köhler.

Geld verdient Weddyplace über Provisionen: Von den Dienstleistern, die darauf gelistet sind, nimmt das Startup Gebühren pro vermitteltem Interessenten. Für die User ist die Plattform kostenlos.

Was als Nächstes ansteht? „Natürlich war Corona auch für uns nicht einfach. Wir haben die Pandemie genutzt, um an unserem Produkt zu arbeiten und freuen uns, dass wir unsere App launchen konnten“, sagt Köhler. Die sei wichtig, um an Kunden zu kommen. Ausbauen will die Gründerin vor allem die Plattform-Aspekte: Dienstleister sollen besser Kunden akquirieren können, Marken sich besser präsentieren. Für die Kunden soll ein Matching-Algorithmus gute Ergebnisse zu den jeweiligen Interessen liefern, auch das zugekaufte Wonderwed hatte ein solches Angebot, ob sich da etwas dazu lernen lässt, will Köhler nun prüfen.

Von Beginn an auf Übernahmemöglichkeiten geschaut

Es ist nicht Köhlers erste Übernahme. Bereits 2019 hatte sie sich das insolvente DHDL Startup Foreverly geschnappt, das unter anderem von Jochen Schweitzer finanziell unterstützt wurde. Nach der jetzigen Übernahme von Wonderwed ist vor allem noch die Anbieter Weddix aus Haar bei München, der sich eher als Shop aufgestellt hat, und Hochzeitsportal24 am Markt. Ob sich Köhler weitere Zukäufe vorstellen kann? „Die Übernahme von Foreverly hat uns gut vorangebracht, und das Gleiche erwarten wir auch vom Wonderwed-Kauf“, sagt Köhler. „Wir haben Weddyplace von Beginn an so aufgestellt, dass Zukäufe immer eine Option sind.“

Das Startup hat Köhler gemeinsam mit ihrem Bruder Daniel im August 2018 gegründet. Seitdem haben die Geschwister eine ganze Reihe an bekannten Investoren überzeugt: Köpfe wie Kitchenstories-Gründerin und Politikerin Verena Hubertz, Fintech-Powerfrau Miriam Wohlfarth oder Szene-Urgestein Verena Pausder genauso wie Mutschler Ventures, IBB Ventures und Axel Springer Plug & Play. Insgesamt sei eine einstellige Millionensumme in das Startup geflossen.

Haben die Übernahme seit Längerem vorbereitet: Pauline Köhler, Julia Engel-Peters, Jana Claaßens-Pascault und Daniel Köhler (v.l.n.r.)
Haben die Übernahme seit Längerem vorbereitet: Pauline Köhler, Julia Engel-Peters, Jana Claaßens-Pascault und Daniel Köhler (v.l.n.r.)
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