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Junge Milliarden-Branche: Unternehmen kaufen mit viel Geld kleine Amazon-Shops auf

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Was auf den ersten Blick nach einem kleinen privaten Amazon-Shop aussieht, kann in Wirklichkeit längst von einem kapitalstarken Unternehmen geschluckt worden sein. Mit viel Geld gehen diese sogenannten Aggregatoren gerade auf Einkaufstour.

HAGERSTOWN, MD, USA - MAY 5, 2017: Image of an Amazon packages. Amazon is an online company and is the largest retailer in the world.
Amazon hat von der Corona-Pandemie profitiert, weil mehr Menschen online eingekauft haben. (Bild: Symbolbild / gettyimages)

Bügelbrettbezüge, Premium-Weihrauch-Extrakte, Nasenpflaster, extra scharfe Friseurscheren, Zungenreiniger, Ohrkerzen, Polierhandschuhe oder Baby-Beißringe: Was haben alle diese Produkte gemein? Sie werden von ein und demselben Amazon-Shop verkauft.

Investor*innen steigen mit 100 Millionen ein

Was ein wenig nach Gemischtwarenladen in der Kleinstadt klingt, ist in Wahrheit ein Berliner Start-Up mit Namen The Stryze Group GmbH.

Das wurde laut Crunchbase erst im vergangenen Dezember gegründet, hat seither aber schon 100 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

Deutsche Startups schreibt, dass das Geld aus den Venture Capital Fonds Alstin Capital, bekannt durch den "Höhle der Löwen"-Investor Carsten Maschmeyer, außerdem Upper90 und einer nicht weiter benannten Stiftung kommt.

Kleine Marken global skalieren

Mit den Millionen, das ist die zugrundeliegende Geschäftsidee von Stryze, kauft das Start-Up kleine Amazon-Shops auf, die sehr erfolgreich wenige oder gar nur einzelne Produkte im Angebot haben. So erklärt sich der Gemischtwaren-Eindruck, welchen das Start-Up auf der eigenen Webseite als "ständig wachsendes Portfolio" beschreibt. Das Ziel von Stryze sei es, "Marken möglichst schnell global zu skalieren", was durch verbesserte Konzeption, Produktion und Vermarktung geschehen soll.

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Bislang hat Stryze rund 20 solcher kleiner Amazon-Shops geschluckt. Bis zum Ende des Jahres, das verrät einer der vier Gründer, Sebastian Funke, im Gespräch mit Deutsche Startups, sollen es insgesamt "bis zu 100 Akquisitionen" werden.

Junge Branche mit Milliarden-Investitionen

Geld in kleine, aber erfolgreiche Amazon-Shops zu investieren ist laut einer Analyse von Marketplace Pulse ein Investor*innen-Trend. Unternehmen wie Stryze, die die Shops aufkaufen, werden "Amazon seller aggregators" genannt und sind vor allem vergangenes Jahr entstanden, als während der Coronavirus-Pandemie viel mehr Geld auf Amazon umgesetzt wurde. Marketplace Pulse listet derzeit 69 solcher Aggregatoren, die meisten mit Sitz in den USA, aber auch in Mexiko, Indien, Frankreich, UK, Deutschland und Spanien gibt es sie.

Insgesamt haben die 69 Aggregatoren bis zum Juli sieben Milliarden US-Dollar (etwa sechs Milliarden Euro) Kapital von Investor*innen eingesammelt, um damit kleine Amazon-Shops aufzukaufen und zu professionalisieren. Im Juli vor einem Jahr lag das Investment-Volumen in der noch jungen Branche bei gerade Mal 368 Millionen US-Dollar (rund 310 Millionen Euro).

Kleine Shops machen großes Geld

Die Konkurrenz ist also groß, wovon gutlaufende Amazon-Shops aktuell durchaus profitieren können. Im Gespräch mit Focus sagt Stryze-Gründer Funke: "Das Wetteifern um die besten Shops führt gerade dazu, dass es sehr viele Leute gibt, die zu Millionären werden."

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