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Johnsons Gefolgsmann ist in den Freihandelsgesprächen ein hartnäckiger Gegenspieler

·Lesedauer: 3 Min.

Großbritannien und der EU stehen in dieser Woche entscheidende Verhandlungen bevor. Der britische Chefunterhändler David Frost hat zwei wichtige Qualitäten.

Zum ersten Mal kreuzten sich die Wege von Boris Johnson und David Frost Anfang der Neunzigerjahre in Brüssel. Der eine war damals Korrespondent des „Daily Telegraph“ und machte sich über EU-Verordnungen lustig. Der andere versuchte als Diplomat in der britischen Vertretung, die EU-Mythen der Heimatpresse mit Fakten zu widerlegen. Viel miteinander zu tun hatten sie damals nicht.

Fast 30 Jahre später arbeiten Premierminister Johnson und Brexit-Chefunterhändler Frost eng zusammen, um das Verhältnis des Königreichs zur EU auf eine nachhaltige neue Grundlage zu stellen. In den Freihandelsgesprächen mit EU-Chefunterhändler Michel Barnier erweist sich der 55-jährige Karrierediplomat als hartnäckiger Gegenspieler.

Anders als sein Vorgänger Olly Robbins werde er in den Verhandlungen nicht als Erster blinzeln, tönte Frost kürzlich. Auch vor einem „No Deal“ habe Großbritannien keine Angst. „Frosty, the No Man“, wird er in der britischen Presse deshalb scherzhaft genannt – oder auch einfach „Die Mauer“.

In der neunten Verhandlungsrunde diese Woche muss Frost sich aber bewegen, wenn das Freihandelsabkommen noch rechtzeitig zum Jahresende in Kraft treten soll. Johnson hat den 15. Oktober als Deadline gesetzt, und allmählich ist die Zeit für einen Kompromiss in der Streitfrage der Staatshilfen gekommen.

Der ehemalige Botschafter Frost hat unter Johnson einen kometenhaften Aufstieg erlebt. 2013 hatte er den diplomatischen Dienst bereits quittiert, als es mit der Karriere nicht mehr voranging, und war Cheflobbyist des schottischen Whiskyverbands geworden. In dieser Rolle trat er in Meinungsbeiträgen zunehmend als EU-Kritiker in Erscheinung und fiel Johnson auf.

Heftige Kritik nach der Beförderung

Als der Tory nach dem Brexit-Referendum 2016 Außenminister wurde, holte er Frost als Berater ins Ministerium zurück. Dieser bot die seltene Kombination, ein erfahrener Diplomat und verlässlicher Brexiteer zu sein. Die meisten Beamten im Außenministerium hingegen gelten als EU-Freunde.

Nach Johnsons Einzug in die Downing Street vor einem Jahr machte er Frost zu seinem Brexit-Unterhändler. In diesem Juni ernannte er ihn obendrein noch zum Nationalen Sicherheitsberater. Die Beförderung auf einen der mächtigsten Posten im Land rief heftige Kritik hervor. Selbst die frühere Premierministerin Theresa May mischte sich ein: Frost habe nicht die nötige sicherheitspolitische Erfahrung.

Frühere Kollegen beschreiben den Oxford-Absolventen als kompetent, sorgfältig und unauffällig – also das genaue Gegenteil des Premierministers. Vor allem jedoch gilt er als loyal. Er sei Johnsons Befehlsempfänger, wird in London gelästert. Das macht ihn aus Sicht der Europäer zu einem schwierigen Verhandlungspartner, weil er wenig flexibel ist.

Anders als Barnier hält Frost sich aus der Öffentlichkeit fern. Während der Franzose regelmäßig Pressekonferenzen gibt, lässt Frost keine Nachfragen zu den Verhandlungen zu. Er und sein Team briefen nur ausgewählte Journalisten im Hintergrund und versenden Statements nach jeder Runde.

Im Kampf um die öffentliche Meinung schielt Frost vor allem auf die Befindlichkeiten der Brexit-Ultras in der konservativen Unterhausfraktion. Deshalb spielt die Drohung mit dem „No Deal“ als Verhandlungstaktik eine so große Rolle. Das hatte ihn bei den Austrittsverhandlungen im vergangenen Herbst jedoch auch nicht davon abgehalten, am Ende nachzugeben.