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Johnson & Johnson will Corona-Impfstoff schon Anfang 2021 auf den Markt bringen

·Lesedauer: 5 Min.

Der US-Pharmakonzern startet für seinen Impfstoff die entscheidende Studie mit 60.000 Teilnehmern. Damit befinden sich nun vier Kandidaten eines Wirkstoffs gegen Covid-19 in der finalen Testphase.

Johnson   &   Johnson startet mit seinem Impfstoffkandidaten gegen das Sars-CoV-2-Virus in die entscheidende dritte Forschungsphase. Foto: dpa
Johnson & Johnson startet mit seinem Impfstoffkandidaten gegen das Sars-CoV-2-Virus in die entscheidende dritte Forschungsphase. Foto: dpa

In der Pharmaindustrie hat auf breiter Basis die entscheidende Phase bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff begonnen. Am heutigen Mittwoch läutet der US-Konzern Johnson & Johnson (J & J) die letzte klinische Forschungsstudie für seinen Impfstoffkandidaten ein.

Es wird der bisher größte Test eines Corona-Schutzwirkstoffs am Menschen: Weltweit sollen nach Angaben des Unternehmens 60.000 Erwachsene an der Studie teilnehmen. Zeigt die Impfung eine Schutzwirkung, und erweist sie sich als verträglich und sicher, könnten die ersten Impfstoffe für den Notfalleinsatz Anfang nächsten Jahres zur Verfügung stehen.

J & J ist damit das vierte westliche Pharmaunternehmen, das nach vielversprechenden Daten die alles entscheidende dritte Testphase begonnen hat. Die deutsche Biotechfirma Biontech prüft ihren Impfstoff bereits an rund 45.000 Menschen weltweit, beim US-Biotechkonzern Novavax sind es 26.000 Personen. Der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca wird seine finalen Tests auf 44.000 Viruserkrankte ausweiten.

Diese Projekte werden von den USA im Rahmen der Warp-Speed-Initiative gefördert, für die der US-Kongress rund zehn Milliarden Dollar bewilligt hat. Unter anderem will das US-Gesundheitsministerium damit erreichen, dass ab Januar 2021 in den USA 300 Millionen Dosen eines sicheren und wirksamen Vakzins zur Verfügung gestellt werden können. Alle vier Firmen haben aber auch mit der EU Lieferabkommen in Millionenhöhe abgeschlossen, wenn die Mittel dort zugelassen werden.

„Ein weiterer wichtiger Impfstoff geht in die dritte Forschungsphase“, kommentierte US-Immunologe Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) der USA, mit Blick auf Johnson & Johnson. Damit ein Zulassungsantrag gestellt werden kann, muss ein Impfstoff insgesamt drei Phasen der Erprobung am Menschen erfolgreich durchlaufen.

Der Impfstoff von J & J hat eine andere Wirkungsweise als die Projekte von Biotechfirmen. Es sei wichtig, eine Bandbreite an verschiedenen Impfstoffen zu haben, erläutert Francis Collins, Direktor des amerikanischen Gesundheitsinstituts NIH. Denn Verträglichkeit und Wirksamkeit können sich je nach Bevölkerungsgruppe unterscheiden. Grundsätzlich soll zudem möglichst schnell eine möglichst große Menge an Mitteln zur Verfügung stehen.

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Die Impfstoffe von Moderna und Biontech basieren auf einem gentechnisch veränderten Botenstoff (mRNA-Technologie), der den Körper zur Produktion von Antikörpern gegen das Sars-CoV-2 Virus anregen soll. J & J hingegen setzt auf einen Vektor-Impfstoff, bei dem ein harmloses Virus als Transportvehikel für den Impfstoff fungiert. Der enthält bestimmte Proteine des Coronavirus, die die Immunantwort des Körpers anregen. Diesen Weg geht auch Astra-Zeneca mit seinem Impfstoff.

Die Technologie ist von Johnson & Johnson bereits seit Jahren erprobt. Sie wurde unter anderem auch bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Ebola, das Zika-Virus und HIV eingesetzt, sodass bereits viele Sicherheitsdaten aus mehr als 100.000 Impfungen zurückliegender Studien vorliegen, wie J & J-Forschungschef Paul Stoffels betonte. US-Immunologe Fauci und Stoffels haben über Jahre in gemeinsamen Forschungsprojekten zu HIV zusammengearbeitet.

Das J & J-Mittel könnte einen weiteren Vorteil haben: Während bislang bei den Covid-19-Impfstoffen vielfach von einer zweimaligen Impfung ausgegangen wird, um die notwendige Immunantwort zu erzielen, erprobt der Konzern in seinen Studien eine einmalige Dosis.

Die Ergebnisse der klinischen Phase eins und zwei hätten die guten Ergebnisse der präklinischen Studien fortgesetzt, sagte Stoffels. „Wir sind überzeugt, dass die einmalige Dosis sehr wirksam ist“, so der Forschungschef. Er betonte zugleich, dass der Impfstoff auch gut verträglich gewesen sei.

Ergebnisse der bisherigen klinischen Studien will J & J in Kürze veröffentlichen. Die Phase-3-Studie des Impfstoffs soll in den USA, Südafrika, verschiedenen südamerikanischen Staaten und Mexiko laufen. Die Kosten von mehr als 480 Millionen Dollar für die Phase-3-Studie werden von den US-Instituten NIH und NIAID sowie J & J gemeinsam getragen.

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Johnson & Johnson war im Januar, als die genetische Sequenz des neuartigen Coronavirus verfügbar war, in die Suche nach einem Impfstoff eingestiegen. Wie viele andere Unternehmen hat der Pharmakonzern die Entwicklung, die normalerweise viele Jahre dauert, in wenigen Monaten vorangetrieben. Das Unternehmen arbeitet dabei auch mit dem Barda-Institut zusammen, das zum US-Gesundheitsministerium gehört.

Impfstoff zunächst zum Selbstkostenpreis

Ende März gelang es dem Unternehmen, aus einer Vielzahl von Impfstoffkandidaten einen vielversprechenden Wirkstoff gegen Covid-19 zu identifizieren. Nach positiven Studiendaten aus Tierversuchen und Abstimmung mit den Zulassungsbehörden konnte die erste Studie am Menschen Mitte Juli dieses Jahres starten – und damit zwei Monate früher als geplant. Seit Ende August läuft eine Phase-2-Studie unter anderem auch an drei klinischen Zentren in Deutschland: an der Berliner Charité, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Uniklinikum Rostock.

Johnson & Johnson will im Laufe des kommenden Jahres global mehr als eine Milliarde Impfdosen zur Verfügung stellen. Deshalb werden parallel zur klinischen Entwicklung bereits weltweit die Produktionskapazitäten erhöht. Dazu kooperiert J & J unter anderem mit den US-amerikanischen Herstellern Emergent BioSolutions sowie Catalent Biologics. Beide Firmen reservieren ab dem kommenden Jahr Produktionskapazitäten für den J & J-Impfstoff.

J & J hatte bereits angekündigt, in der akuten Pandemiephase den künftigen Impfstoff zum Selbstkostenpreis abzugeben. Mit der US-Regierung wurde im August eine Vereinbarung getroffen, dass 100 Millionen Dosen für den Notfallgebrauch zur Verfügung gestellt werden, sobald der Impfstoff durch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA für den Notfallgebrauch zugelassen ist. Im Rahmen einer Folgevereinbarung kann die US-Regierung dann weitere 200 Millionen Impfdosen des Impfstoffkandidaten erwerben.

Mitte August wurde eine ähnliche Vereinbarung mit der EU-Kommission getroffen. Danach will Johnson & Johnson 200 Millionen Dosen seines Covid-19-Impfstoffkandidaten für den Einsatz in der Europäischen Union zur Verfügung stellen, sobald dieser zugelassen ist. Die EU-Kommission hat darüber hinaus die Option, zusätzlich bis zu 200 Millionen Impfstoffdosen zu erwerben.

Aktuell sind weltweit mindestens 195 Impfstoffprojekte gegen das Sars-CoV-2-Virus angelaufen, das erst seit Neujahr bekannt ist. Das zeigen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation und Recherchen des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller.

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