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Jobverlust wegen Corona - DGB fordert Umsteuern auf Arbeitsmarkt

·Lesedauer: 3 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Hunderttausende Entlassungen im Zuge der Corona-Krise lassen den Ruf nach Reformen auf dem Arbeitsmarkt lauter werden. Im vergangenen Jahr haben mehr als eine Million Menschen ihre Arbeit verloren. Mehr als die Hälfte davon waren Minijobber und Minijobberinnen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte besonders mit Blick auf die vielen betroffenen Frauen Verbesserungen für Minijobber.

477 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte verloren der Regierungsantwort zufolge ihren Job. Für die geringfügige Beschäftigung schlug Corona im vergangenen Jahr mit einem Minus von 526 000 Jobs zu Buche. Demnach waren mit rund 398 000 Menschen bei Minijobs und regulären Jobs besonders Arbeitskräfte aus dem Gastgewerbe betroffen, also etwa aus den Bereichen Hotellerie und Gastronomie.

Mit etwa 128 000 entlassenen regulär Beschäftigten machte das verarbeitende Gewerbe einen weiteren großen Block aus - vor allem die Metall- und Elektroindustrie, die aber schon vor Corona mit Umwälzungen durch Digitalisierung und klimaschonendere Antriebe zu kämpfen hatte. Auch viele Menschen aus der Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsbranche sind arbeitslos geworden. Die Bundesregierung hatte zuletzt eine gemischte arbeitsmarktpolitische Corona-Bilanz gezogen. "Die Pandemie hat den deutschen Arbeitsmarkt erschüttert. Aber das große Beben ist ausgeblieben", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im März in seiner Jahresbilanz.

Der DGB rief die Regierung dazu auf, grundsätzliche Lehren aus der Krise für den Arbeitsmarkt zu ziehen. Vorstandsmitglied Anja Piel forderte eine Verlängerung der maximalen Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld. Für diejenigen, "die eine Beschäftigung mit Sozialversicherung hatten und sie wegen der Pandemie verloren haben, muss der soziale Schutz an das Problem angepasst werden", sagte sie der dpa. "Denn aktuell ist es besonders schwer, überhaupt eine neue Stelle zu finden."

Bei den Minijobs verwies Piel darauf, dass zwei Drittel von ihnen mit Frauen besetzt seien. "Wo der Minijob die einzige Beschäftigung ist, liegt der Frauenanteil sogar bei 70 Prozent." Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, forderte, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln. "In der Krise zeigt sich ein weiteres Mal, welche Armutsfalle Minijobs, vor allem für Frauen, sind", sagte sie.

Expertinnen fordern zudem mehr Anstrengungen bei der Qualifizierung. "Über 3 Millionen Beschäftigte und 1,4 Millionen Arbeitslose verfügen über keinen Berufsabschluss", sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatlichen KfW-Gruppe, im Zuge einer dpa-Umfrage. "Qualifizierung ist der vielversprechendste Weg, um Beschäftigten in den unteren Lohngruppen höhere Einkommen zu ermöglichen und Kurzarbeitenden weitere Perspektiven zu eröffnen." Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm befürchtet langfristig negative Auswirkungen auf die Wirtschaft durch die von der Pandemie angerichtete Bildungsmisere.

Vor allem mit Kurzarbeit hatten Regierung und Bundesagentur für Arbeit den Jobmarkt abgesichert. Zeitweise, im April 2020, waren fast sechs Millionen Menschen bundesweit in Kurzarbeit - 20 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Jüngsten verlässlichen Daten zufolge wurde im Januar 2021 für 2,85 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld gezahlt.

Durch die Kurzarbeiterregelung sei Massenarbeitslosigkeit vermieden worden, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Zur Konjunktur zeigte er sich optimistisch. "Trotz der andauernden Lockdown-Situation entwickelt sich die Wirtschaft stärker, als von vielen erwartet", sagte der CDU-Politiker.

Jüngsten Zahlen der Arbeitsagentur zufolge gab es im März dieses Jahres rund 2,8 Millionen arbeitssuchende Menschen in Deutschland. Das waren etwa 492 000 mehr als im März 2019. Rund eine Million gelten als Langzeitarbeitslose.

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, zeigte sich zuversichtlich, dass die zusätzlichen Arbeitslosen aufgrund der Krise "nach und nach wieder zurück in den Arbeitsmarkt finden, wenn das Impfen funktioniert und beispielsweise Einzelhandel und Gastronomie wieder öffnen". Er rechne nicht mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, wenn das Instrument der Kurzarbeit auslaufe, sagte er der "Rheinischen Post". Es sei aber eine wachsende Zahl an Langzeitarbeitslosen zu erwarten. "Das werden wir nicht verhindern können."