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Wie Jitse Groen Takeaway zum größten Lieferdienst außerhalb Chinas formte

Der niederländische Unternehmer kauft unbeirrt Konkurrenten auf. Bei seinem neuesten Milliarden-Deal setzt er sich nun sogar gegen Uber durch.

Die Erfolgsgeschichte von Jitse Groen beginnt niederländisch bescheiden: Als Student programmiert er mit 100 Gulden Startkapital auf einem Dachboden in Enschede eine Website. Sein Antrieb ist der Ärger darüber, dass er in der Stadt im Osten des Landes keinen Essenslieferdienst im Netz finden kann.

Jetzt, 20 Jahre später, wird Groens Gründung Takeaway.com zum weltgrößten Essenslieferanten außerhalb Chinas. Der 42-Jährige hat dem US-Mobilitätskonzern Uber in einem Bieterwettbewerb den US-Lieferdienst Grubhub weggeschnappt. 7,3 Milliarden Dollar in Aktien lässt Groen sich den Deal kosten.

Groen schöpft das Selbstvertrauen für den Schritt von Europa in die USA aus zwei gelungenen Übernahmen: Zunächst forderte er Delivery Hero in Deutschland heraus – und übernahm schließlich Ende des Jahres 2018 dessen Deutschlandgeschäft unter der Marke Lieferando.

Eigens für die Deutschland-Expansion sei er 2016 an die Börse gegangen, sagte er damals dem Handelsblatt. In diesem Frühjahr vollzog er für sechs Milliarden Pfund die Übernahme des britischen Konkurrenten Just Eat. Seitdem dominiert Takeaway den europäischen Markt – auch zulasten des Berliner Konzerns Delivery Hero.

Der Schritt in die USA ist nicht ohne Risiko: Der Wettstreit mit Konkurrenten wie Uber Eats und DoorDash hat Grubhub zuletzt einiges an Marge gekostet. Anders als die gescheiterte Übernahme durch Uber bringt die Fusion mit den Niederländern keine Marktbereinigung.

Groen setzt stattdessen auf ein Modell, an das er seit zwei Jahrzehnten unbeirrt glaubt – und das ihm in den Niederlanden hohe Profite beschert: Anders als die Konkurrenten beschäftigt er möglichst wenig eigene Fahrer, sondern vermittelt lieber Aufträge an Lieferdienste mit eigener Flotte. Die Börse ist skeptisch: Die Takeaway-Aktie verlor zunächst kräftig. Bislang jedoch hat Groen letztlich meist recht behalten.