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Japans Wirtschaft erholt sich stark – allerdings mit beschränkter Wirkung

·Lesedauer: 3 Min.

Die japanische Wirtschaft wächst nach dem Corona-Schock so stark wie seit Jahrzehnten nicht. Aber die Lage bleibt schlechter als in vielen Ländern.

Japan treibt durch die Coronakrise seine bereits hohe Verschuldung noch höher. Foto: dpa
Japan treibt durch die Coronakrise seine bereits hohe Verschuldung noch höher. Foto: dpa

Japans Regierung hat trotz einer starken Erholung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) keinen Grund zur Freude. Zwar stieg das BIP angetrieben von Konsum, Exporten und staatlichen Hilfsprogrammen im dritten Quartal um fünf Prozent über den Wert des Vorquartals. Das ist der beste Wert seit mehr als 50 Jahren. Aber die Lage ist schlechter, als es die Zahlen nahelegen.

Denn Japans Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 8,2 Prozent geschrumpft. Die Erholung macht den Einbruch daher nicht wett. Zudem ging das Land anders als die meisten Industrienationen bereits mit einer Rezession in die Coronakrise. Japans Wirtschaft begann schon nach einer Mehrwertsteuererhöhung im Oktober 2019 deutlich zu schrumpfen.

Das Ergebnis: Obwohl das BIP nun wieder nach oben schnellte, liegt es noch immer satte 5,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Damit sei der Absturz aufs Jahr gesehen doppelt so hoch wie in den USA, erklärt Toshihiro Nagahama, Chefvolkswirt vom Wirtschaftsforschungsinstitut der Daiichi Lebensversicherung.

Noch stärker ist der Kontrast zu Japans Nachbarn Taiwan und Südkorea, die die Pandemie besser im Griff haben als Ostasiens älteste Industrienation. In Japan mit seinen 126 Millionen Einwohnern ist die Zahl der identifizierten Covid-19-Fälle zuletzt wieder auf über 1600 Personen gestiegen. In Taiwan finden die Behörden hingegen seit mehr als 200 Tagen keine neuen einheimischen Fälle mehr. Dort erwartet die Regierung nun für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.

Südkorea konnte mit seinem Hightech-Tracking von Virenherden bisher die Infektionen immerhin auf um 200 Personen begrenzen und musste daher weniger stark das soziale und wirtschaftliche Leben bremsen als Japan. Südkoreas BIP stieg zwar im dritten Quartal mit 1,9 Prozent deutlich langsamer als Japans. Aber dafür war die Wirtschaft im zweiten Jahresviertel auch nur um 3,2 Prozent geschrumpft.

Japan treibt Verschuldung immer weiter in die Höhe

Die koreanische Notenbank geht zwar davon aus, dass die Wirtschaft dennoch in diesem Jahr um 1,8 Prozent schrumpfen wird. Aber Südkoreas Präsident Moon Jae-in verspricht seiner Bevölkerung bereits, dass die Exportnation in der ersten Hälfte des kommenden Jahres auf seinen normalen Wachstumspfad zurückkehren könnte.

Davon ist Japan noch weit entfernt. Japans neuer Regierungschef Yoshihide Suga stellte diesen Monat gerade einen dritten Nachtragshaushalt in Aussicht. Dabei hatte sein Vorgänger Shinzo Abe bereits Hilfsprogramme aufgelegt, die – inklusive Krediten und privaten Investitionen – etwa 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachten.

Dadurch dürfte die Verschuldung des am höchsten verschuldeten Industrielandes noch weiter in die Höhe schnellen. Aber ein Blick auf die Details der BIP-Statistik veranschaulicht, wie sehr die Wirtschaft noch auf staatliche Hilfe angewiesen ist.

Obwohl die heimische Nachfrage im dritten Quartal um 4,7 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal wuchs, schrumpfte sie im Jahresvergleich um 8,1 Prozent. Auch die Exporte liegen weit unter dem Niveau des Vorjahres. Einzig die Staatsausgaben lindern das Leiden.

Zu allem Überfluss dämpft die Pandemie die Aussichten in Japan stärker als bei den Nachbarn. „Angesichts der Tatsache, dass in Japan eine dritte Welle begonnen hat, besteht die Möglichkeit, dass sich das künftige Tempo der wirtschaftlichen Erholung verlangsamt“, warnt Hideki Matsumura, Chefvolkswirt vom Japan Research Institute. „In diesem Fall wird die Wirtschaft für lange Zeit deutlich unter dem Niveau vor der Coronakrise bleiben.“

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