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Jahresrückblick 2020: Warum GAFA zum Corona-Krisengewinner wurde

Nils Jacobsen
·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 4 Min.

Das Corona-Jahr 2020 geht auf die Zielgerade. Während die Welt gelitten hat wie seit Jahrzehnten nicht mehr, konnten Aktionäre eines der besten Jahre des 21. Jahrhunderts verbuchen – wenn sie auf Big-Tech-Unternehmen setzten.

Amazon Geschäft boomt – besonders mitten in der Corona-Krise (Foto: © Amazon)
Amazon Geschäft boomt – besonders mitten in der Corona-Krise (Foto: © Amazon)

So ziemlich jeder wird drei Kreuze machen, wenn 2020 endlich vorbei ist. Das Coronavirus wird als Jahrhundertplage in die Geschichte eingehen – als Heimsuchung, auf die die moderne Welt nicht vorbereitet war.

Bislang knapp 70 Millionen Infizierte und 1,5 Millionen Todesfälle erfassen lediglich statistisch, welches immense Leid Covid-19 in den vergangenen zwölf Monaten rund um den Globus verursacht hat. Das renommierte Time Magazine verpasste 2020 beim Jahresrückblick gar das Label „schlimmstes Jahr aller Zeiten“.

Große Gewinne mit GAFA-Aktien

Allein: Für Anleger war 2020 trotz allem Drama – und der schärfsten Korrektur aller Zeiten – eines der besten Jahre der jüngeren Vergangenheit, wenn sie denn auf die richtige Branche gesetzt hatten: Big Tech.

Während der Dax seit Jahresbeginn gar nicht vom Fleck gekommen ist und der Dow Jones ein marginales Plus von 5 Prozent verbucht hat, hatten Anleger mit vier alten Bekannten wieder einmal die Nase an der Börse vorn: den sogenannten GAFA-Aktien (Google, Apple, Facebook und Amazon), die Anlegern erneut zweistellige Kursgewinne bescherten.

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Google und Facebook trotzen Werbeeinbruch

Als die Corona-Pandemie im März rund um die Welt ausbrach, sahen die Internetwerbegiganten Facebook und Google zunächst wie klassische Verlierer aus. Der Grund: Weil das öffentliche Leben durch die Shut- und Lockdowns ab März zum Stillstand kam, würden unzählige Unternehmen reflexartig ihre Werbung zurückfahren, so die Hypothese.

Das gilt in besonderem Maße für die werbefreudige Reise- und Tourismusbranche, die einen Gutteil ihrer Kunden in den sozialen Netzwerken oder über die Google-Schlagwortsuche gewinnt. „Dies wird kein Business as usual“, gab Facebooks Vizechefin Sheryl Sandberg Anlegern Mitte März mit auf den Weg.

Heute steht fest: Die Sorgen waren größer als der befürchtete Einschlag. Facebook und Google wuchsen 2020 zwar langsamer als je zuvor, doch immer noch zweistellig. In den jüngsten Quartalen legten die Umsätze immer noch um 14 bzw. 22 Prozent (Facebook) zu, während die Gewinne um 29 Prozent bzw. gar 59 Prozent (Google-Mutter Alphabet) zulegten. Anleger reagierten entsprechend zuversichtlich und schickten die Anteilsscheine der beiden nach Amazon wertvollsten Internetkonzerne seit Jahresbeginn um 35 (Alphabet) bzw. 39 Prozent nach oben.

Apple gewinnt Corona-Krise mit Produkt-Klassikern

Fast doppelt so hoch schossen die Kurse des wertvollsten Konzerns der Welt, dessen Aktionäre seit Januar um 68 Prozent im Plus liegen. Die enormen Kurszuwächse überraschen, zumal Apples Geschäftsentwicklung wie schon im Vorjahr zunächst weitgehend stagnierte. Im Ende September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2020 konnte der Kultkonzern aus Cupertino seine Umsätze lediglich noch um fünf Prozent und die Nettogewinne um vier Prozent steigern.

Dass das Miniwachstum am Ende überhaupt zustande kam, lag an zwei Unternehmenssparten, die in den vergangenen Geschäftsjahren gerne unter „ferner liefen“ erwähnt wurden. So entwickelten die iPad- und die Mac-Unit zum eigentlichen Krisenprofiteur, weil Millionen Menschen in Zeiten der Pandemie im Home Office eine neue Computer- oder Tabletausstattung für Büro, Uni oder Schule brauchten.

Die Folge: Die iPad-Sparte erlebte im jüngsten Quartal mit einer Umsatzsteigerung von 46 Prozent das größte Wachstum seit neun Jahren, während das Computergeschäft mit Erlösen von über neun Milliarden Dollar gar das stärkste Quartal aller Zeiten verbuchte! Anleger dürften zur Apple-Aktie dennoch vor allem wegen der Wachstumsperspektiven der neuen iPhone 12-Serie, der boomenden Wearables-Sparte (Apple Watch und AirPods) und vor allem der immer stärkeren Wandlung zum Internetdienste-Anbieter (App Store, Apple Music, Apple TV+, iCloud, etc.) gegriffen haben.

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Amazon wird zum ultimativen Corona-Gewinner

Der größte Corona-Gewinner unter den GAFA-Konzernen ist unterdessen der unvermeidlichste. Wenn ein Unternehmen als der ganz große Profiteuer aus einer Viruspandemie hervorgeht, die die Menschheit dazu zwingt, so viel und oft wie möglich zu Hause zu bleiben, um damit den Einkauf um die Ecke zu vermeiden, dann ist es E-Commerce-Gigant Amazon.

Der inzwischen 26 Jahre alte Internetpionier hat seit Ausbruch von Covid-19 über 300.000 neue Mitarbeiter eingestellt, um der immer größeren Nachfrage gerecht zu werden. Allein im jüngsten Quartal schossen die Umsätze um bemerkenswerte 37 Prozent nach oben, drei Monate zuvor betrug das Erlöswachstum sogar 40 Prozent.

Trotz der massiven Investitionen in Coronazeiten arbeitet Amazon immer profitabler und verdiente in den letzten beiden Quartalen zusammengenommen 11,5 Milliarden Dollar. Anleger sind begeistert und bewilligen Amazon als Platzhirsch der ‚Stay-at-Home’-Wirtschaft Kursaufschläge von 70 Prozent seit Jahresbeginn.

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