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Ein Jahr Corona: Wie sich Deutschland in der Jahrhundertkrise schlägt

Gillmann, Barbara Greive, Martin Hildebrand, Jan Riedel, Donata Specht, Frank Waschinski, Gregor
·Lesedauer: 12 Min.

Vor einem Jahr wurde der erste Corona-Fall in Deutschland bestätigt. Wie hat das Land die Pandemie bisher bewältigt, wie schwer sind die wirtschaftlichen Schäden? Die große Bilanz.

In der Krise sind die Unternehmen auf staatliche Unterstützung angewiesen. Foto: dpa
In der Krise sind die Unternehmen auf staatliche Unterstützung angewiesen. Foto: dpa

Als das bayerische Gesundheitsministerium vor einem Jahr den ersten in Deutschland bestätigten Corona-Fall meldete, schien die Pandemie noch weit weg. Wenige Tage zuvor war zwar die chinesische Millionenstadt Wuhan abgeriegelt worden. In der Bundesrepublik rechnete aber kaum jemand damit, dass auch hierzulande zwei Monate später wegen der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 massive Einschränkungen des Alltags ergriffen würden.

Die Meldung von „Patient 1“ am 27. Januar 2020 geht auf einen begrenzten Infektionsherd beim Autozulieferer Webasto in Stockdorf bei München zurück. Offenbar steckte eine chinesische Mitarbeiterin von Webasto, die den Hauptsitz der Firma besuchte, einige Kollegen an.

Insgesamt wurde das Virus bei 16 Webasto-Mitarbeitern und Angehörigen nachgewiesen. Dann galt die Ansteckungskette als unterbrochen, das Leben schien normal weiterzugehen. Die Menschen fuhren in den Skiurlaub, feierten Karneval. Spätestens Ende Februar, mit dem Infektionsherd in Heinsberg, war aber klar: Deutschland ist gegen die Pandemie nicht immun.

Wie hat Deutschland sich bisher geschlagen in der Coronakrise? Das Handelsblatt zieht eine Zwischenbilanz.

Wie gut hat Deutschland die Pandemie eingedämmt?

Weltweit haben sich bislang etwa 100 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als zwei Millionen sind daran gestorben. In Deutschland liegt die Zahl der bestätigten Infektionen mittlerweile bei über zwei Millionen, es gab schon mehr als 50.000 Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Deutschland ist damit weniger stark getroffen als andere europäische Länder – doch nach einem eher glimpflich verlaufenen Frühjahr und einer trügerischen Normalität im Sommer schlägt der Erreger im Winter auch hierzulande heftig zu. Hat die Bundesrepublik ihre frühen Erfolge im Kampf gegen das Virus verspielt?

Für das relativ gut gemeisterte Frühjahr führen Experten eine Reihe möglicher Gründe an: Der frühe und im internationalen Vergleich damals breite Einsatz von Tests half dabei, das Infektionsgeschehen besser im Auge zu behalten. Die meisten Menschen hielten sich konsequent an die Maßnahmen im Lockdown.

Das Virus breitete sich zunächst stärker in anderen EU-Staaten aus. Die Bilder von überfüllten italienischen Krankenhäusern verdeutlichten vielen Bundesbürgern den Ernst der Lage. Die Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern, die schon vor Corona deutlich größer als in vielen Nachbarländern waren, wurden schnell aufgestockt.

Der von einigen Experten befürchtete schnelle Wiederanstieg von Neuinfektionen wegen zu schneller Lockerungen bewahrheitete sich nicht, als sich die Republik im Mai langsam wieder öffnete. Im Sommer kam es nur zu begrenzten Ausbrüchen wie im Tönnies-Schlachthof in Gütersloh.

Die Sicherheit aber war trügerisch. Vieles wurde bestenfalls halbherzig angegangen, um sich auf eine mögliche zweite Welle im Herbst und Winter vorzubereiten: die Ausstattung der Schulen für Digitalunterricht, die Vorbereitung von Schutzmaßnahmen von betagten Risikogruppen insbesondere in Pflegeheimen, die Stärkung und Digitalisierung der Gesundheitsämter, der Ausbau der Testkapazitäten mit Schnelltests.

Diese strategischen Versäumnisse führten, gepaart mit wankelmütigen Entscheidungen von Bund und Ländern bei den Corona-Maßnahmen, dazu, dass das Virus sich wieder stärker ausbreitete. Als der Teil-Lockdown im November in Kraft trat, sprach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) von einer „Kraftanstrengung“, die auf einen Monat angelegt schien.

Es sind nun schon drei Monate mit zunehmend schärferen Maßnahmen. Zuletzt gingen die Infektionszahlen im Trend zurück, in der kalten Jahreszeit ist der Kampf gegen das Virus aber schwerfälliger.

Die Hoffnung auf einen Ausweg aus der Pandemie liegt beim Impfen. Einerseits ist es ein großer Erfolg, dass nach weniger als einem Jahr Forschung ein Impfstoff zur Verfügung steht. Andererseits verläuft der Start der Impfkampagne holprig, bei den Impfstoffdosen gibt es Engpässe und Lieferschwierigkeiten. Das Ziel der Bundesregierung lautet, jedem Bürger bis zum Ende des Sommers am 21. September ein Impfangebot zu machen. Bislang sind knapp 300.000 Menschen vollständig geimpft.

Wie groß ist der Schaden für die Wirtschaft?

Deutschlands Wirtschaft ist bisher einigermaßen gut durch die Pandemie gekommen – jedenfalls im Vergleich zu anderen großen EU-Staaten und Großbritannien, in denen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 um bis zu zehn Prozent eingebrochen ist. Allerdings: Der Rückgang der Wirtschaftsleistung war mit 5,0 Prozent die zweittiefste Rezession der Nachkriegsgeschichte nach der Finanzkrisen-Rezession 2009.

Im Vergleich zu Asien, dessen Länder eine weniger tiefe Rezession verzeichneten und 2021 mit höheren Wachstumsraten rechnen können, schneidet Deutschland schlechter ab: Mit nur 3,0 Prozent BIP-Wachstum rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr. „Teile Osteuropas wie Polen und das Baltikum, Skandinavien oder auch die USA haben deutlich weniger Federn gelassen, und China ist wachstumsmäßig sowieso eine Klasse für sich“, sagt Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Unterm Strich beurteilt der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, das Konjunkturgeschehen so: „Deutschland ist noch glimpflich davongekommen. Das liegt vor allem daran, dass das produzierende Gewerbe einschließlich der Bauwirtschaft selbst im Lockdown noch relativ stark produzieren konnte.“

Der wirtschaftliche Einbruch hat dabei vor allem während des ersten Lockdowns im zweiten Quartal stattgefunden, als das BIP 9,8 Prozent verlor. Mit den Lockerungen setzte im dritten Quartal eine unerwartet starke Erholung ein, mit einem Wachstum von 8,5 Prozent.

Die zweite Infektionswelle mit zweitem Lockdown bremste den Aufschwung dann im vierten Quartal wieder aus – allerdings weniger stark als befürchtet: Mit Stagnation rechnet das Statistische Bundesamt, das die genaue Quartalszahl an diesem Freitag veröffentlichen wird.

Bis zum Jahreswechsel jedenfalls hat die Bundesregierung ihr Ziel erreicht, den Lockdown auf die von sozialen Kontakten abhängenden Branchen einzugrenzen, die für etwa sieben Prozent der Wirtschaftsleistung stehen. In der Industrie hat sich der Aufschwung bisher fortgesetzt.

Das Ifo-Geschäftsklima – eine Umfrage, an der sich regelmäßig 9000 Unternehmenschefs beteiligen – bestätigte am Montag, dass die Geschäfte im produzierenden Gewerbe weiterhin gut laufen. Es ist der wichtigste Frühindikator. Auch die Exporte laufen weiterhin ausweislich der Ifo-Umfrage gut. Und das Statistische Bundesamt stellte zumindest bis Ende November fest, dass die Schlüsselbranchen Auto, Chemie und Maschinenbau Wachstum bei Produktion und Auftragsbeständen verzeichnen.

Allerdings: Die Geschäftsaussichten in den nächsten sechs Monaten schätzen die vom Ifo Befragten erstmals seit vier Monaten wieder schlechter ein. Der Pessimismus hält aktuell also auch Einzug in der Industrie. „In diesem Winter kommt es nun darauf an, Grenzschließungen zu vermeiden, sodass die Lieferketten nicht gestört werden. Dann wird es im produzierenden Gewerbe relativ gut weiterlaufen“, mahnt Feld.

Felbermayr verlangt zudem eine bessere Umsetzung der „vermurksten Hilfsprogramme“ für Unternehmen. „Wir riskieren Schäden für die Wirtschaft, die größer als nötig und bleibend sind“, mahnte er und verlangte von der Bundesregierung, möglichst von sehr pauschalen weiteren Lockdown-Beschlüssen abzusehen. „Wo immer es möglich ist, regional zu differenzieren oder Wirtschaftsbereiche mit geringem Infektionsrisiko auszunehmen, sollte das auch geschehen“, so Felbermayr.

Wie hat sich die Pandemie auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt?

Die Regierung könne nicht jeden Arbeitsplatz garantieren, hatte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Ende März erklärt, als die Coronakrise noch jung war. „Aber wir werden mit den Mitteln, die wir haben, um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“

Bis jetzt ist das einigermaßen gelungen. Zwar gehen laut Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 420.000 zusätzliche Arbeitslose auf das Konto der Pandemie. Doch im internationalen Vergleich sind die Folgen für den Arbeitsmarkt eher gering. In den USA beispielsweise gingen in der Coronakrise mehr als 22 Millionen Jobs verloren.

Vor allem der massive Einsatz der Kurzarbeit hat Massenentlassungen bisher verhindert. In der Spitze zählte die BA im April fast sechs Millionen Kurzarbeiter, aktuell dürften es noch um die zwei Millionen sein. Den erleichterten Zugang zur Kurzarbeit und die Aufstockung der Leistungen hat die Regierung verlängert.

Allein für das Kurzarbeitergeld und die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge hat die BA im vergangenen Jahr gut 22 Milliarden Euro ausgegeben. Um das enorme Finanzloch zu schließen, das die Pandemie in der Arbeitslosenversicherung gerissen hat, schießt der Bund für 2020 und 2021 insgesamt gut zehn Milliarden Euro zu.

Wie es auf dem Arbeitsmarkt weitergeht, hängt vom weiteren Pandemieverlauf ab. Wie lange dauert der Lockdown, werden weitere Wirtschaftsbereiche geschlossen, kommt doch noch die befürchtete Insolvenzwelle?

Je länger die Einschränkungen dauern, desto lauter werden Forderungen der Gewerkschaften, den Beschäftigten stärker unter die Arme zu greifen. Gerade in den vom Lockdown betroffenen Branchen werde nicht üppig verdient, Arbeitnehmer hätten es selbst mit dem aufgestockten Kurzarbeitergeld schwer, finanziell über die Runden zu kommen.

Haben sich die Corona-Wirtschaftshilfen bewährt?

Am 13. März 2020 saßen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Saal der Bundespressekonferenz im Berliner Regierungsviertel und verkündeten Unglaubliches. „Wir werden alles Mögliche tun, damit wir diese Krise meistern. Wir werden jedes Mittel nutzen, das uns zur Verfügung steht“, sagte Vizekanzler Scholz. „Es ist die Bazooka, mit der wir das tun. Was wir noch an Kleinwaffen brauchen, das schauen wir später.“

Es war der Auftakt für eine historische Rettungsaktion. Die Bundesregierung hat sich ein ganzes Arsenal an Hilfsinstrumenten angelegt. Mittlerweile gibt es 13 verschiedene Programme, mit denen Unternehmen und Selbstständige in der Coronakrise unterstützt werden sollen, von der sogenannten Überbrückungshilfe über spezielle Kredite der staatlichen KfW-Bank bis zum Ersatz von Umsatzausfällen.

Einer Übersicht des Bundesfinanzministeriums zufolge summieren sich alle Corona-Maßnahmen für 2020 und 2021 auf insgesamt 1,5 Billionen Euro. Gut die Hälfte davon sind Garantien, die vor allem der Bund übernimmt. Aber auch die Ausgaben in den Haushalten von Bund und Ländern sind gewaltig, ob für Konjunkturmaßnahmen oder direkte Hilfen für Unternehmen.

Doch die Frage ist, ob viel auch viel hilft. „Die starke fiskalische Antwort, die Bazooka, hat tatsächlich ihre Wirkung entfaltet“, sagt Scholz. Wirtschaftsverbände haben in den vergangenen Wochen hingegen immer lauter beklagt, dass von den vielen angekündigten Unterstützungsleistungen nur wenig bei den Unternehmen ankomme. Die Antragsprozesse seien zu kompliziert und langwierig, die Auszahlung ziehe sich hin. Noch immer sind etwa die Umsatzhilfen, mit denen die Bundesregierung geschlossenen Unternehmen durch den Lockdown im November helfen wollte, nicht vollständig ausgezahlt.

Bei den Hilfsprogrammen gab es ein ständiges Nachjustieren. Zu Beginn der Pandemie flossen die sogenannten Soforthilfen sehr schnell, rund 14 Milliarden wurden ausgezahlt. Dann gab es Meldungen über Betrugsfälle. Also wurden später die Anträge sicherer gemacht, die müssen bei größeren Summen nun über Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer eingereicht werden. Dafür dauert es nun länger.

Angesichts der vielen Klagen will die Bundesregierung nun erneut Anpassungen vornehmen. Wirtschaftsminister Altmaier verspricht, die finanziellen Hilfen zu vereinfachen, damit Unternehmer und Soloselbstständige schneller das Geld bekommen. Und die Überbrückungshilfe III, die seit Anfang Januar gilt, soll großzügiger gestaltet werden.

Welche Folgen hat die Pandemie für den Staatshaushalt?

Der Staat hat in der Coronakrise alles nur Erdenkliche getan, um Bürger und Unternehmen halbwegs glimpflich durch die Krise zu bringen. Kurzarbeit, Hilfsprogramme für die Wirtschaft, Stärkung des Gesundheitssystems – all das kostet Hunderte Milliarden Euro. Entsprechend stieg die Verschuldung von Bund, Ländern und Kommunen auf Rekordhöhe.

Allein der Bund plante für 2020 rund 218 Milliarden Euro neue Schulden, für dieses Jahr rechnet Bundesfinanzminister Scholz immer noch mit Verbindlichkeiten von 180 Milliarden Euro. Binnen zwei Jahren würde die Bundesschuld damit auf einen Schlag um fast 30 Prozent steigen.

Allerdings: Viele der Hilfen wurden gar nicht abgerufen. Weil die Steuereinnahmen 2020 doch besser liefen als erwartet und die Rettungsprogramme von der Wirtschaft bei Weitem nicht ausgeschöpft wurden, lag die Neuverschuldung des Bundes 2020 am Ende doch nur bei 130 Milliarden Euro. Auch die Bundesländer haben viel weniger Schulden gemacht als geplant.

Unklar ist, wie teuer am Ende gewährte Staatskredite und Bürgschaften für Unternehmen werden. Sollten viele Firmen pleitegehen, müsste der Staat dafür geradestehen. Sollte es nicht dazu kommen, hat der Staat keine Kosten und würde sogar eher noch an den Zinsen etwas verdienen.

Bislang jedenfalls sind die Rekordschulden kein Problem. Da Deutschland gering verschuldet in die Krise gegangen ist, ist der Schuldenstand, gemessen an der Wirtschaftsleistung, Stand jetzt mit rund 75 Prozent immer noch geringer als nach der Finanzkrise 2008. Und von einem Schuldenstand in dieser Höhe würden andere Länder selbst in normalen Zeiten träumen.

Trotzdem hat bereits eine Diskussion begonnen, wie die Krisenrechnung beglichen werden soll. Während die Union auf Wirtschaftswachstum setzt, hat die SPD bereits Steuererhöhungen ins Gespräch gebracht. Zudem wird auch darüber diskutiert, ob die Schuldenbremse länger ausgesetzt werden soll. All diese Forderungen dürften auch den kommenden Bundestagswahlkampf bestimmen.

Wie sehr trifft die Pandemie Kinder und Jugendliche?

Größtes Problem für die meisten Familien sind die geschlossenen Schulen und Kindergärten, die allenfalls eine Notbetreuung anbieten. Eltern müssen vielfach im Homeoffice auch noch Hauslehrer sein. Verschärft wird die Ausnahmesituation durch die mannigfaltigen Probleme der Schulen, den Distanzunterricht technisch zu organisieren: Keine Schulplattform der Länder läuft störungsfrei, vor allem hapert es an Videotools. Weichen Schulen auf private Anbieter aus, drohen ihnen Probleme mit dem Datenschutz – oder sie bekommen dafür kein Geld vom Land.

Vielfach haben Kinder nur wenige Stunden pro Woche echten Fernunterricht per Video. Trotz Zusatzprogrammen des Bundes im Wert von 1,5 Milliarden Euro haben es die Länder über den Sommer und Herbst nicht geschafft, funktionsfähige Systeme zu installieren – was allerdings in bis zur Hälfte der Fälle schon am fehlenden Breitbandanschluss der Schule scheitert.

Die Folgen für die Kinder sind enorm: Bildungsexperten warnten schon im Frühjahr, dass vor allem jüngere, schwächere Schüler aus sozial schlechter gestellten Familien nun zurückfallen, weil ihnen zu Hause niemand helfen kann. Die Folgen sind schlechtere Abschlüsse, mehr Schulabbrecher, weniger Verdienst im Beruf und mehr Arbeitslosigkeit, warnen Bildungsökonomen.

Das Ifo-Institut hat ausgerechnet, dass der Schulausfall während der Pandemie das Lebenseinkommen der Schüler um durchschnittlich 4,5 Prozent senken könnte, volkswirtschaftlich würde sich durch 18 Wochen Schulausfall ein Verlust von 3,3 Billionen Euro bis zum Ende des Jahrhunderts ergeben.

Umso lauter wird schon jetzt gefordert, dass die Schulen nach der Wiederöffnung vor allem schwächere Schüler zusätzlich fördern müssten. Im Sommer 2020 gab es allerdings kaum solche Programme, auch für 2021 ist bisher kaum etwas geplant.

Große Sorgen machen sich Experten auch um die Kleineren, von denen allein ein Fünftel zu Hause kein Deutsch spricht: Deren Chancen steigen durch den Kitabesuch nachweislich enorm – der nun wegfällt. Relativ problemlos läuft dagegen die Lehre an den Hochschulen.

Barbara Gillmann, Martin Greive, Jan Hildebrand, Donata Riedel, Frank Specht, Gregor Waschinski

Die Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs haben in der Krise an Bedeutung gewonnen. Foto: dpa
Die Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs haben in der Krise an Bedeutung gewonnen. Foto: dpa