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Warum es dieses Jahr beim Prime Day weniger Schnäppchen geben dürfte

·Lesedauer: 3 Min.

Wegen der Coronakrise hat Amazon das Verkaufsevent auf Oktober verschoben. Das hat Auswirkungen für Markenhersteller, Marktplatzhändler – und Kunden.

Der US-Riese veranstaltet sein Verkaufsevent Prime Day in diesem Jahr im Oktober statt im Juli. Foto: dpa
Der US-Riese veranstaltet sein Verkaufsevent Prime Day in diesem Jahr im Oktober statt im Juli. Foto: dpa

Wie jedes Jahr gibt sich Amazon alle Mühe, die Vorfreude auf den sogenannten Prime Day zu wecken. Mehr als eine Million Angebote in 19 Ländern werde es am 13. und 14. Oktober geben, teilt der Online-Händler mit. Prime-Mitglieder, die den Sprachassistenten Echo nutzen, können sich über Alexa schon zwei Tage im Voraus über die Schnäppchen informieren.

Im Vordergrund stehen Amazons eigene Geräte. So soll es beispielsweise den Smart Speaker Echo Dot um 68 Prozent reduziert geben. Aber auch große Marken wie Samsung, Olympus, Sodastream oder Melitta sind dabei.

Und doch ist in diesem Jahr vieles anders. Denn die Coronakrise hat auch die Planung für Amazons wichtigstes Verkaufsevent mächtig durcheinandergewirbelt – mit großen Auswirkungen für Markenhersteller, Marktplatzhändler und nicht zuletzt die Kunden.

Ursprünglich war der Prime Day im Juli geplant. Doch zu dieser Zeit hatten die Verbraucher ganz andere Sorgen – und auch der Handel. „Amazon war gezwungen, den Prime Day zu verschieben“, sagt Nils Zündorf, Experte für Amazon-Marketing bei der Agentur factor-a. „Die Coronakrise hatte im Juli die Logistik im Onlinehandel ohnehin schon an die Grenzen geführt“, erklärt er. „Da wäre ein zusätzliches Verkaufsevent das völlig falsche Signal gewesen.“

Außerdem wären viele Marktplatzhändler zu der Zeit nur eingeschränkt lieferfähig gewesen. Zum einen hatte Amazon Artikel bevorzugt ausgeliefert, die in der Coronakrise besonders gefragt waren, wodurch viele andere Produkte Lieferzeiten von mehreren Wochen hatten. Außerdem waren die Lieferketten – insbesondere aus Asien – gestört, sodass der Nachschub stockte.

Doch auch wenn jetzt ein neuer Termin gefunden ist, wird der Prime Day für Kunden nicht wie in den Vorjahren sein: Es wird weniger Schnäppchen geben. „Unter den Händlern ist dieses Jahr eine deutliche Zurückhaltung zu spüren, viele große Markenhersteller und Händler wollen nicht am Prime Day teilnehmen“, beobachtet Experte Zündorf, der große Marken bei ihrer Präsenz auf Onlinemarktplätzen berät. „Es wird deshalb weniger Produkte und weniger Deals geben.“

Konkurrenz zu Black Friday und Cyber Monday

Und das liegt am neuen Termin. „Dieses Jahr füllt das Event nicht wie sonst das Sommerloch, sondern liegt zu nahe am Weihnachtsgeschäft“, gibt Zündorf zu bedenken. Die E-Commerce-Teams der Anbieter seien überlastet, sie arbeiteten jetzt schon an der Vorbereitung des Weihnachtsgeschäfts.

Die großen Online-Verkaufstage folgen jetzt Schlag auf Schlag. In nicht einmal einem Monat, am 11. November, findet der chinesische Singles Day statt, der auch in Europa langsam Fuß fasst. Ende November läuten Black Friday und Cyber Monday rund um das in den USA sehr bedeutsame Erntedank-Familienfest „Thanksgiving“ das eigentliche Weihnachtsgeschäft ein.

Damit startet am Prime Day eigentlich schon das Weihnachtsgeschäft. Carolin Jaretzke, Handelsexpertin beim Marktforschungsunternehmen Mintel, sieht deshalb zumindest aus Sicht von Amazon den Termin günstig gewählt: „Damit kommt der Online-Gigant seinen Rivalen in dieser entscheidenden Phase gleich zweifach zuvor.“

Zum einen mieden viele Konsumenten angesichts der sich abzeichnenden zweiten Corona-Welle zunehmend stationäre Geschäfte und kauften vermehrt online ein. Und zum anderen könnte Amazon das Weihnachtsgeschäft auf einen längeren Zeitraum strecken und beugt so einer erneuten Überlastung der Logistik vor.

„Für die Dritthändler war die Verschiebung eine Katastrophe, denn sie hat ihre Planung komplett über den Haufen geworfen“, ergänzt Berater Zündorf. Viele beginnen ihre Planung für diesen Tag schon ein halbes Jahr im Voraus, haben teilweise Waren produzieren lassen, die für die Sommersaison gedacht waren.

Dazu kam Unsicherheit, weil lange nicht klar war, ob und wann denn der Prime Day tatsächlich stattfindet. Die Händler mussten ins Risiko gehen und praktisch im Blindflug Waren ins Amazon-Lager schicken. Viele haben das gescheut – was wiederum zusätzlich die Vielfalt der Angebote schmälern dürfte.

Lohnen wird sich für viele Kunden ein Blick ins Angebot jedoch wohl trotzdem – speziell, wenn sie Amazon-Geräte kaufen wollen. Deswegen erwarten Experten für das zweitägige Event trotz allem einen erneuten Umsatzrekord. So gehen die Marktforscher von eMarketer davon aus, dass der weltweite Umsatz am Prime Day dieses Jahr wieder um 43 Prozent auf dann 9,9 Milliarden US-Dollar steigt.