Deutsche Märkte schließen in 8 Stunden 27 Minuten

IWF: Weltwirtschaft erholt sich schneller als erwartet von Corona

Riedel, Donata
·Lesedauer: 3 Min.

Trotz guter Signale warnt der Internationale Währungsfonds: Seine neue Konjunkturprognose sei noch mit enormen Unsicherheiten behaftet.

In vielen Teilen der Welt hat sich die Wirtschaft schneller erholt als erwartet. Foto: dpa
In vielen Teilen der Welt hat sich die Wirtschaft schneller erholt als erwartet. Foto: dpa

Das Wachstum kehrt schneller zurück als befürchtet: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat wegen des kräftigen Aufschwungs im zweiten Halbjahr 2020 seine Prognosen für die Weltrezession 2020 und das Wiederaufschwungsjahr 2021 nach oben korrigiert.

Die Weltwirtschaft soll demnach in diesem Jahr um 5,5 Prozent und 2022 um 4,2 Prozent wachsen. Die Rezession 2020 war mit einem Minus von 3,5 Prozent um 0,9 Prozentpunkte weniger tief, als der IWF im Herbst befürchtet hatte.

Allerdings: Nie zuvor sei eine Konjunkturprognose mit so vielen Unsicherheiten behaftet gewesen wie die Aktualisierung des Weltwirtschaftsausblicks von diesem Dienstag. Sie ist abhängig davon, ob die zweiten und dritten Infektionswellen in Europa und den USA gestoppt und die Ansteckungsraten deutlich gesenkt werden können, so der Fonds. Auch die Fragen, wann wie viele Menschen weltweit geimpft werden können und wie stark Mutanten für Rückschläge sorgen, lassen sich derzeit kaum präzise beantworten.

Zu vermuten ist, dass die IWF-Prognose für 2021 etwas zu optimistisch und für 2020 zu pessimistisch ist, da sie die jüngsten Entwicklungen ab Mitte Dezember noch kaum einbezogen hat.

Für Deutschland etwa erwartet der Fonds noch für 2020 ein Minus von 5,4 Prozent – dabei beziffert das Statistische Bundesamt dieses vorläufig mit minus 5,0 Prozent. Für 2021 rechnet der IWF für Deutschland mit einem Wachstum von 3,5 Prozent – während hierzulande gerade die Bundesregierung ihre Prognose auf drei Prozent zurücknimmt und die Konjunkturforscher ebenfalls ihre Erwartungen nach unten korrigieren.

Der Rückblick auf das dritte Quartal 2020 liefert allerdings interessante Einblicke in das Konjunkturgeschehen dieser Pandemie: Wie in Deutschland setzte nach dem Zurückdrängen der ersten Corona-Welle fast überall ein kräftiger Aufschwung ein: Die Euro-Zone, Australien, Indien, Japan, Südkorea, Neuseeland, die Türkei und die USA verzeichneten hohe Wachstumsraten. In Deutschland etwa wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 8,5 Prozent nach dem Einbruch um 9,8 Prozent im zweiten Quartal.

Kann sich die Wirtschaft an „social distancing“ gewöhnen?

Wäre es gelungen, die Infektionsraten auf dem niedrigen Niveau des Sommers zu halten, hätte die Konjunkturkurve wie ein perfektes V ausgesehen: Auf den tiefen Einbruch wäre ein ebenso kräftiger Aufschwung gefolgt, den die zweiten Wellen dann allerdings abbremsten.

Wie sich der Aufschwung in den Industriestaaten nach der Jahreswechsel-Delle fortsetzt, hänge maßgeblich davon ab, wie stark die Wirtschaft sich an „social distancing“ anpassen kann, damit die Infektionen auf einem niedrigen Level gehalten werden können, so der IWF.

Denn realistisch sei die Erwartung, dass günstigstenfalls ab dem zweiten, womöglich auch erst ab dem dritten Quartal genügend Impfstoffe bereitstünden.

Dies werde vorerst vor allem den reichen Ländern nutzen, während es zu befürchten stehe, dass ärmere Länder noch weiter zurückfallen. „In Entwicklungsländern dürfte die nachhaltige Erholung erst 2022 stattfinden“, so der IWF.

Der Fonds appelliert an die Staatengemeinschaft, dass alle Länder ohne Schuldenkrise nicht zu früh mit dem Sparen beginnen sollten, um der Weltwirtschaft in der Erholungsphase nicht den Schwung zu nehmen: Bis zur Normalisierung durch Impfungen – die wohl erst bei Herdenimmunität, also ab etwa 70 Prozent der Bevölkerung einsetzt – müssten Hilfen für die Wirtschaft fortgesetzt werden.

„Die Industriestaaten erfreuen sich äußerst günstiger Verschuldungskosten“, heißt es in dem Bericht. Die günstigen Zinsen sollten sie nutzen, um die wirtschaftliche Erholung in Schwung zu bringen. Schwellenländer sollten wegen ihrer oft höheren Verschuldung vorsichtiger beim Fördern der Wirtschaft vorgehen. Und für die ärmsten Entwicklungsländer müsse es dringend weitere Schuldendiensterleichterungen geben, so der IWF.

Dringend nötig sei auch eine engere weltweite Kooperation der Staaten, um sich gegenseitig aus der Krise zu helfen: Handel sollte erleichtert werden, und die Staatengemeinschaft sollte zu einem regelbasierten multilateralen Handelssystem zurückkehren. Unausgesprochen bleibt bei diesem Schlusssatz: Nach dem Abgang Donald Trumps aus dem Weißen Haus gibt es dafür neue Chancen.